Kommunalpolitik

Ratsfrau wechselt wieder: Wählervereinigung BME vor dem Aus

Da waren’s nur noch zwei: Dagmar Rode, die im März gemeinsam mit Manfred Gunkel (links) und Jochen Backes aus dem Essener Bürger Bündnis austrat, kehrt just dorthin wieder zurück. Die Bürgerliche Mitte steht damit auf der Kippe.

Da waren’s nur noch zwei: Dagmar Rode, die im März gemeinsam mit Manfred Gunkel (links) und Jochen Backes aus dem Essener Bürger Bündnis austrat, kehrt just dorthin wieder zurück. Die Bürgerliche Mitte steht damit auf der Kippe.

Foto: Foto: Julia Tillmann / FFS

Essen.  Raus aus dem Bürgerbündnis, rein ins Bürgerbündnis: Die Rückkehr von Ratsfrau Dagmar Rode zum EBB stürzt die Wählervereinigung BME in die Krise.

Vor ein paar Tagen noch, beim Stadtfest „Essen. Original“, warb Dagmar Rode für eine lokale Politik in Orange: Diese Farbe hatten sie sich bei der Bürgerlichen Mitte Essen (BME) ausgeguckt, jener Wählervereinigung, die sich nach dem jüngsten Hauskrach im Essener Bürger-Bündnis abspaltete. Umso überraschender, dass die Ratsfrau gut eine Woche später nun ihre Rückkehr zum EBB vermeldet, was die BME mehr kosten könnte als nur den Fraktions-Status der bis dato dreiköpfigen Truppe: Die Wählervereinigung steht vor dem Aus.

Da mag auch Jochen Backes nicht widersprechen, der mit Rode und Ratsherr Manfred Gunkel erst im März im Streit das Essener Bürger Bündnis verlassen und die BME gegründet hatte. Denn Mitglieder für eine freie Wählervereinigung zu finden, ist ein hartes Geschäft: Auch nach 15 Jahren zählt das EBB gerade mal 120 Mitglieder, bei der BME waren es zuletzt knapp 20, doch mit Dagmar Rode werden wohl mindestens drei weitere Mitglieder aus der Familie das Weite suchen. Da wird die Luft dünn.

„Da müssen sie überall und nirgends sein“

Ihre Gründe für das Hin und Her? Es gab wohl nicht den großen Krach in der neuen Gruppe, eher einige kleinere Störfaktoren – und über allem das Gefühl, sich im Essener Bürger Bündnis schon eher ihrem Steckenpferd, der Kulturpolitik widmen zu können. In einer kleineren Truppe gehe das nicht, so Rode, „da müssen sie überall und nirgends sein“.

Vielleicht verglühte auch deshalb eine andere Wählervereinigung frühzeitig am politischen Sternenhimmel: U.V.O., ebenfalls gegründet von drei ehemaligen Mitgliedern im Bürger-Bündnis, auch sie nach einem Hauskrach ausgeschieden. Einer von ihnen, Joachim Kluft, mischt seit ein paar Monaten wieder beim EBB mit. Und Kai Hemsteeg, der zuletzt erst den Ex-Sozi Arndt Gabriel an Land zog und dem Bürgerbündnis damit wieder Fraktions-Status verschaffte, zeigt sich mehr denn je erleichtert: Wir lassen „eine schwere Krise hinter uns“.

Aus dem 450-Euro-Job wird erstmal nichts

Dass die mögliche Konkurrenz um Wählerstimmen knapp ein Jahr vor der Kommunalwahl womöglich die Segel streicht, registriert Ex-„Pirat“ Hemsteeg ohne Häme, aber mit erkennbarer Genugtuung. Noch am Montagabend wollten Jochen Backes und Manfred Gunkel klären, ob es mit der Bürgerlichen Mitte Essen weitergeht und wenn ja wie.

„Es hat sich gezeigt, dass es nicht reicht, wenn man gemeinsam gegen etwas ist“, sagt Manfred Gunkel. „Das bedeutet eben nicht zwangsläufig, dass es mit der Arbeit für etwas klappt.“ Bis zum Jahresende sollte die Entscheidung fallen, ob die BME antritt oder nicht. Alles sprach dafür, just am Montag wollte – man muss jetzt wohl sagen: Ex- – Fraktionschef Jochen Backes den Vertrag für einen 450-Euro-Job zur Fraktionsarbeit vergeben. Er wird das wohl einstweilen bleiben lassen.

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