Baumfällungen

Baumfällungen sorgen in Essen-Holsterhausen für Ärger

Einer der Bäume, die von der Stadt 2017 nachgepflanzt wurde. Viel zu wenig, findet Ariane Möllmann. Hinter ihr stehen zwei der alten Bäume, die die Stadt noch nicht gefällt hat.

Einer der Bäume, die von der Stadt 2017 nachgepflanzt wurde. Viel zu wenig, findet Ariane Möllmann. Hinter ihr stehen zwei der alten Bäume, die die Stadt noch nicht gefällt hat.

Foto: Katrin Simoneit/ FUNKE Foto Services / FFS

Holsterhausen.  In Holsterhausen will die Stadt Essen bis Anfang nächsten Jahres 38 kranke Bäume fällen. Nur ein Bruchteil wird im Frühjahr nachgepflanzt.

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38 Risikobäume sollen in Essen-Holsterhausen bis Ende Januar 2020 gefällt werden. Das geht aus einer Liste der Stadt hervor, die nun der Bezirksvertretung III zur Kenntnis vorgelegt wurde. Alle Bäume seien über einen längeren Zeitraum kontrolliert worden. Bei den betroffenen Bäumen sei eine Gefahr für Bürger aufgrund von Krankheiten oder Pilzbefall nicht mehr auszuschließen, heißt es in der Vorlage der Stadt. Nur zwölf Bäume sollen in dem Stadtteil im nächsten Frühjahr nachgepflanzt werden.

Viel zu wenig, findet die Stadtteilgruppe „Die Linke.Essen West“. „Denn gerade für das ohnehin durch Luftverschmutzungen belastete Stadtklima ist der kühlende und reinigende Effekt von Bäumen unerlässlich“, heißt es von Seiten der Gruppe. „So beträgt der Temperaturunterschied in Essen zwischen zugebauter Innenstadt und ländlichen Randgebieten bis zu acht Grad Celsius.“

Fraktion Die Linke beantragt zusätzliche Mittel für die Nachpflanzungen in Holsterhausen

Auch die Fraktion Die Linke macht sich für den Baumerhalt und das Nachpflanzen stark. „Deshalb werden wir für den kommenden Haushalt der Bezirksvertretung III beantragen, zusätzliche Mittel für Nachpflanzungen von Bäumen, insbesondere auf Schulhöfen und in Parks, bereitzustellen“, so Heike Kretschmer, Vorsitzende der Fraktion in der Bezirksvertretung III. „Diese Pflanzungen sollen unter Einbindung der Schulen und der Bürger vor Ort erfolgen. Schließlich geht es dabei ja auch immer um die Gestaltung des Schulgeländes oder des Wohnumfeldes.“

Gerade deshalb sind die Fällungen auch unter den Bürgern momentan ein großes Thema. Ariane Möllmann vom Fachgeschäft für Stadtwandel hat eine klare Meinung: „Es macht keinen Sinn, sich Grüne Hauptstadt zu nennen und dann so viele Bäume zu fällen.“ Vielmehr sollte die Stadt über alternative Baum- und Pflanzkonzepte nachdenken. Bepflanzung von Hausfassaden oder auch die Begrünung von Flachdächern sind nur einige der Ideen, die Möllmann vorschlägt.

In einer großen Stadt wie Essen habe die Bepflanzung viel mit dem Wohlbefinden zu tun, so Möllmann. Ganz praktisch zeigt sie ein Beispiel vor dem Universitätsklinikum. „Wenn ich auf die beiden Bäume direkt vor dem Klinikum schaue, fühle ich mich wohl. Ganz anders sieht das aus, wenn ich auf die Betonwüste direkt an der Haltestelle gegenüber schaue.“

Bürger fordert eine zentrale Stelle der Stadt

Auch die Nachpflanzungen, die bisher von der Stadt im Stadtteil vorgenommen worden sind, seien nicht genug. „Bis die hier wirklich Schatten und Lärmschutz bieten, wohnen wir hier alle nicht mehr.“

Auch Thorsten Fritsch, der sich schon lange für den Erhalt der Bäume in Holsterhausen einsetzt, findet die aktuellen Veränderungen „dramatisch“. Vor allem auf der Hufelandstraße, den Cranachhöfen und am Universitätsklinikum seien seit 2017 ganze Baumreihen entfernt worden, um neuen Parkraum zu schaffen.

„Ich habe das Gefühl, dass bei der Stadt niemand einen Überblick über alle Fällungen hat. Jedes Amt erzählt einem was anderes“, so Fritsch. Eine zentrale Stelle würde er sich wünschen, die einen Überblick über die Bäume und deren Fällungen hat. „Dann würde vielleicht jemand erkennen, dass hier endlich Schluss sein muss. Wir brauchen wieder mehr Bäume in unserem Stadtteil.“

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