Außengastronomie

CDU rudert bei Gastronomie-Markierung in Rüttenscheid zurück

Die Außengastronomiebereiche an der Rüttenscheider Straße sollen farblich markiert werden. Der Beschluss der Bezirksvertretung stößt auf Kritik unter den Bürgern.

Die Außengastronomiebereiche an der Rüttenscheider Straße sollen farblich markiert werden. Der Beschluss der Bezirksvertretung stößt auf Kritik unter den Bürgern.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Essen-Rüttenscheid.  Auch die Interessengemeinschaft Rüttenscheid kritisiert den Beschluss der Bezirksvertretung, die Außenbereiche der Rü-Gastronomie zu markieren.

Der Beschluss der Bezirksvertretung, die Außengastronomiebereiche an der Rüttenscheider Straße farblich zu markieren, stößt im Stadtteil auf viel Kritik. Nicht nur bei Facebook äußern sich Bürger genervt wegen des Vorschlags, der nun von der Verwaltung geprüft wird.

Auch der stellvertretende Bezirksbürgermeister Hans Schippmann, Mitglied der CDU-Fraktion, ist nicht der Auffassung, dass „man das so tun sollte“. Anders als in der letzten Bezirksvertretung-Sitzung, in der alle Parteien, außer der FDP-Fraktion, den Vorschlag durchgewunken haben, rudert er nun plötzlich zurück. Den späten Sinneswandel begründet Schippmann damit, dass Anträge von Gegnern in BV-Sitzungen häufig durchgewunken würden, um das Thema nicht größer zu machen, als es ist. „Entschieden ist ja noch nichts. Erstmal muss die Verwaltung den Antrag prüfen.“

Wiederholt sich der „Tische-Krieg“ aus dem Jahr 2011 in Rüttenscheid?

Alles könne übertrieben werden, sagt Schippmann. „Wir hatten das ganze Thema schließlich schon einmal“, und spielt dabei auf den „Tische-Krieg“ im Jahr 2011 an. Damals versuchte die SPD, allen voran der ehemalige Bezirksbürgermeister Michael Roy, auf Biegen und Brechen die Außengastronomie der Rüttenscheider Straße in die Knie zu zwingen. Den kleinen Tischen auf der Rü sagte er den Dauerkampf an – es sei „zu eng, viel zu eng“, sagte Roy damals dieser Zeitung.

Wiederholt sich der Feldzug gegen die Außengastronomie in kleinerem Rahmen? Schippmann ist sicher, dass es wesentlich wichtigere Probleme in der Stadt gebe und eine solche Diskussion nur zu Ärgernissen führe. „Wir wollen doch nicht in einem Staat leben, der alles kontrolliert, was die Leute machen.“ Vielmehr solle wertgeschätzt werden, dass es so viele Leute in Rüttenscheid gibt, die wissen: „So schön kann Essen sein.“

Auch die Interessengemeinschaft Rüttenscheid (IGR) hat eine klare Meinung, sieht aber gleichzeitig zu viel Wirbel um das ganze Thema. Denn dass die Verwaltung den Vorschlag wirklich so umsetzen wird, wie es die SPD vorgeschlagen hat, bezweifelt IGR-Chef Rolf Krane. Nichtsdestotrotz sieht er vor allem die Art, wie die Grenzen markiert werden sollen, als zu übertrieben. „Dass es an wenigen Stellen zu Überschreitungen der Gastronomiebereiche kommt, sehen auch wir“, so Krane. „Trotzdem sind bunte Linien nicht die Lösung.“

Die Gastronomen sind das Highlight in Rüttenscheid

Die Optik der Rüttenscheider Straße würde unter einem solchen Vorgehen leiden. „Das verschandelt die Straße“, sagt Krane. Stattdessen könne man über eine dezente Lösung, wie beispielsweise eine Abgrenzung mit Nägelchen, nachdenken, so Krane. Zudem müsse geprüft werden, wie gut das Pflaster die Farbe annimmt. Wenn sie regelmäßig erneuert werden muss, sei der Kostenfaktor ebenfalls nicht zu vernachlässigen.

Oft seien es gar nicht die Gastronomen selbst, die die Grenzen überschreiten. Meist setzen sich Gäste mit ihrem Stuhl an eine Stelle und blockieren so den Weg, hat Krane festgestellt. „Die Rüttenscheider Bürger sind aber bei diesem Thema sehr nett, weisen sich gegenseitig darauf hin und machen Platz.“ Noch nie sei es zu Unfällen oder brenzligen Situationen gekommen. Eine derartige Forderung sieht die IGR deshalb als unverhältnismäßig. Für Krane sind die Gastronomen in Rüttenscheid das Highlight. Statt ihnen noch mehr Arbeit zu machen, sollte vielmehr überlegt werden, wie man ihnen helfen könne.

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