Jubiläum

Rüttenscheid: Online-Handel bereitet Glocken-Apotheke Sorgen

Apotheker Herbert Bas hat vor 25 Jahren die Glocken-Apotheke in Essen-Rüttenscheid übernommen. In dieser Woche feiert sie ihren 60. Geburtstag mit vielen Angeboten für die Kunden.

Apotheker Herbert Bas hat vor 25 Jahren die Glocken-Apotheke in Essen-Rüttenscheid übernommen. In dieser Woche feiert sie ihren 60. Geburtstag mit vielen Angeboten für die Kunden.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Essen-Rüttenscheid.  60 Jahre Glocken-Apotheke in Rüttenscheid: Inhaber Herbert Bas übernahm vor 25 Jahren die Apotheke. Er schaut mit Skepsis in die Zukunft.

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In diesem Jahr feiert die Glocken-Apotheke in Rüttenscheid 60. Geburtstag. Ein Anlass für Inhaber Herbert Bas, nicht nur in die Vergangenheit zu schauen, sondern auch in die Zukunft. Denn: „Alle 38 Stunden stirbt in Deutschland eine Apotheke“, sagt Bas. Die Struktur des Online-Handels zerschlage zur Zeit die Apotheken vor Ort. „Die Beratung und die Vorteile der herkömmlichen Apotheken gehen dadurch verloren“, beschreibt Bas das Problem, das auch die Glocken-Apotheke immer mehr zu spüren bekommt.

Soziale Kontakte knüpfen und Gespräche führen: Auch das seien die Aufgaben jeder Apotheke, weiß der Apotheker. Vor allem seine älteren Stammkunden kämen gerne nur für ein Gespräch vorbei, „häufig auch nach dem Tod des Ehepartners – wir stehen ihnen dann zur Seite.“

Die Glocken-Apotheke wurde 1959 von einer Frau gegründet

Ein Treffpunkt war die Glocken-Apotheke auch schon vor 60 Jahren. Gegründet wurde sie von Maria Altmeyer 1959. Für damalige Verhältnisse war das bemerkenswert – denn erst 1958 erhielten Frauen in Deutschland durch das Gleichberechtigungsgesetz die Erlaubnis, ohne die Zustimmung ihres Ehemannes arbeiten zu gehen.

Seit der Gründung ist die Apotheke mehrmals umgezogen. Zunächst befand sie sich an der Rüttenscheider Straße 169, wurde später noch von der Inhaberin an die Rüttenscheider Straße 133 verlegt. Nach 35 Jahren übernahm Herbert Bas die Glocken-Apotheke, nachdem er bereits Mitarbeiter von Maria Altmeyer war.

2002 verlegte er die Apotheke nur wenige Meter weiter an die Rüttenscheider Straße 131, Ecke Emmastraße. Zuvor befand sich in den Räumen das Pelzgeschäft Haferkamp. „Das musste hier alles kernsaniert werden“, sagt Bas. „Selbst die schönen Rundbögen über den Fenstern mussten wieder freigelegt werden.“ Das sei eine große Investition gewesen, habe sich aber gelohnt, sagt Bas. „In der heutigen Zeit wäre das noch schwieriger gewesen.“

Inhaber der Glocken-Apotheke in Essen-Rüttenscheid hat Zukunftsängste

Doch trotz des Erfolges der letzten Jahren, guckt Herbert Bas skeptisch in die Zukunft. Denn im Alter seien Apotheken unverzichtbar, „dass wissen nur die jungen Leute noch nicht.“ Die günstigen Preise und ständigen Rabatte der Online-Shops verführen junge Menschen dazu, nur noch dort zu bestellen. „Dabei stecken im Internet so viele Halbwahrheiten und Manipulationen – da darf man nicht blind drauf vertrauen“, warnt der Apotheker. „Und die Politik macht es uns auch nicht leichter.“

Um dem Online-Geschäft nicht gänzlich zu erliegen, ist die Glocken-Apotheke Mitglied in einer App „Call my Apo“, die über das Handy zu bedienen ist und mit der Rezepte einfach bestellt werden können. Zudem habe die Apotheke auch einen Lieferservice für die Kunden, die es nicht mehr schaffen, die Medikamente abzuholen, erklärt Bas. „Wir gehen schon mit der Zeit – wir hoffen, dass das reicht.“

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