Siemens Ausbildung

Siemens zieht sich in Essen weiter zurück

Schon im vergangenen Jahr demonstrierten Azubis, Betriebsräte und Gewerkschafter vor der Siemens-Niederlassung an der Kruppstraße für eine Zukunft der Ausbildung am Standort

Schon im vergangenen Jahr demonstrierten Azubis, Betriebsräte und Gewerkschafter vor der Siemens-Niederlassung an der Kruppstraße für eine Zukunft der Ausbildung am Standort

Foto: Michael Korte

Essen.   Siemens denkt darüber nach, in Essen die Ausbildung zu schließen. Es wäre ein weiteres Beispiel, wie sich der Konzern weg aus Essen bewegt.

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Der Standort Essen spielt in den Planspielen des Siemens-Konzerns eine immer kleinere Rolle. Das ist zumindest die Befürchtung der hiesigen IG Metall. Im vergangenen Jahr erst hatte der Münchener Konzern die Elektronik-Werkstatt in der Hafenstraße mit 60 Arbeitsplätzen geschlossen. Nächstes Jahr wird das Generatorenwerk mit 500 Beschäftigten von Bergeborbeck nach Mülheim verlagert und nun droht, dass Siemens seine Ausbildung in der Niederlassung Essen komplett schließt.

„Das wäre ein Schlag ins Kontor. Wenn Siemens die Ausbildung in Essen aufgibt, ist das der erste Schritt, um am Standort zu kratzen“, kommentierte IG-Metall-Sekretär Alfons Rüther die aktuellen Überlegungen. Er befürchtet, dass damit die Leistung der Essener Niederlassung sukzessive abgebaut wird. Will Siemens den Standort nach und nach ausbluten lassen?, fragt er.

Siemens stellt bundesweit seine Ausbildungsstandorte auf den Prüfstand. Von den 33 Bildungszentren soll es bis 2021 nur noch 18 geben. Der Rest soll geschlossen oder an Externe abgegeben werden, für die Siemens heute mit ausbildet. Neben Essen droht im Ruhrgebiet auch dem Standort Duisburg das Ausbildungs-Aus. „Noch ist nichts entschieden“, betont ein Siemenssprecher. Ziel sei es, die Ausbildung auf den eigenen Bedarf auszurichten.

Ausbildung schon 2010 geschwächt

Zahlenmäßig wäre der Einschnitt für Essen nicht groß. Derzeit werden nur noch sieben kaufmännische Azubis ausgebildet bzw. Azubis mit Studium an der FOM. Bereits 2010 wurde die technische Ausbildung nach Düsseldorf verlagert. Dem Vernehmen nach könnten die Essener und Duisburger Azubis künftig in Mülheim ihre neue Ausbildungsstätte finden.

Auch wenn dies nur eine Verlagerung in die Nachbarstadt wäre: Für den Betriebsrat der Niederlassung Essen wäre das drohende Ausbildungsende ein Schritt mit Symbolcharakter: „Ausbildung ist ein elementares Element des Standortes. Sollte die Schließung des Ausbildungszentrums kommen , würden wir an Bedeutung verlieren“, unterstrich der Essener Betriebsratsvorsitzende Peter Pawlowski.

Siemens betont zwar, nicht bei der Ausbildung sparen zu wollen, sondern sie nur zu zentralisieren. Die IG Metall befürchtet dennoch, dass der Konzern damit einfacher als bisher die Ausbildungszahlen senken könnte. „An großen Ausbildungsstandorten wäre das besser umsetzbar“, glaubt Rüther.

Er und auch Pawlowski schauen derweil mit Sorge auf die Personalentwicklung bei Siemens in Essen. Die Zahl der Mitarbeiter in der Niederlassung ist dieses Jahr erstmals unter die 1000er Marke gefallen. „Essen verliert altersbedingt mehr Personal als durch Auszubildende ersetzt werden“, sagte Pawlowski. Einzelne Bereiche würden bald unterbesetzt sein und Fachkräfte fehlen. Der Betriebsrat fordert deshalb, in Ausbildung zu investieren.

Beschäftigtenzahl stark gesunken

Mit dem Umzug des Generatorenwerkes verbleibt in Essen ohnehin nur noch die Niederlassung. Von den hohen Beschäftigtenzahlen Anfang der 1990er Jahre ist Siemens dort bereits weit entfernt. Anfang der 1990er Jahre arbeiteten noch rund 3500 Menschen bei Siemens, schon zehn Jahre später sollen es nur noch 2100 gewesen sein. Neben dem Arbeitsplatzabbau ist auch der Verkauf von Geschäftsteilen für die immense Abschmelzung verantwortlich.

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