Prozess

Streit um zu wenig Fleisch im Döner: sechs Jahre Gefängnis

Das Essener Landgericht verurteilte den Dönerverkäufer zu sechs Jahren Haft.

Das Essener Landgericht verurteilte den Dönerverkäufer zu sechs Jahren Haft.

Foto: Sven Hoppe

Essen  Nach einem Streit um zu wenig Fleisch im Döner muss ein Velberter für sechs Jahre ins Gefängnis. Er hatte in Essen auf einen Kunden eingestochen.

Der Döner-Verkäufer, der sich in Essen über einen Kunden geärgert und zugestochen hatte, muss sechs Jahre ins Gefängnis. Die VI. Strafkammer am Landgericht Essen verurteilte ihn am Donnerstag wegen versuchten Totschlags. Der 27 Jahre alte Velberter, der in einem Imbiss im Essener Nordviertel gearbeitet hatte, stach laut Urteil in Tötungsabsicht auf den Kunden ein. Der Grund: Der Verkäufer hatte sich über die Aufforderung des 23-jährigen Esseners, „mach mal mehr Fleisch in den Döner“, aufgeregt.

Erst kurz zuvor war der Angeklagte, ein gelernter Koch, aus Berlin gekommen. Arbeit fand der in Velbert wohnende Mann an der Viehofer Straße in Essen. Offenbar wusste er aber nicht, dass dort gerade arabischstämmige Kunden gerne „mehr Fleisch“ forderten, ohne die Zusatzleistung auch bezahlen zu wollen.

Schlägerei bereits im Imbiss

Danach gerieten sie in Streit, lieferten sich schon in dem Imbiss eine Schlägerei. Richterin Jutta Wendrich-Rosch zeigte in der Urteilsbegründung wenig Verständnis: „Die Fleischforderung ist kein Grund für die Auseinandersetzung. Zu erklären ist das allenfalls dadurch, dass beide unter 30 und sehr temperamentvoll sind.“

Auf Videos aus der Überwachungskameras ist die Auseinandersetzung gut zu sehen. Sie endet, als sich andere Kunden einschalten und auch daran erinnern, dass immerhin Kinder in der Nähe sind. Zu sehen ist auch, wie andere Gäste vor Angst zusammenzucken.

Verkäufer verfolgt Kunden mit Messer

Der 23-jährige Kunde verlässt den Dönerimbiss schließlich. Der Verkäufer ist dagegen noch lange nicht fertig. Die Richterin: „Statt, dass es endlich genug ist, schnappt er sich ein Messer und läuft hinterher.“

Es kommt zu einer brutalen Attacke. „Mit voller Wucht“, so das Gericht, sticht der Angeklagte zu, zielt auf den Oberkörper des 23-Jährigen. Doch der reißt im Reflex seinen Arm hoch, so dass die Klinge ihn nur dort trifft. Sie geht komplett durch den Arm. Im Gerangel entreißt der Getroffene dem Velberter das Messer.

Noch heute leide er psychisch schwer unter den Folgen der Tat, so hatte er am ersten Prozesstag dem Gericht erzählt. Das rechnet die Kammer dem Angeklagten auch strafschärfend an. Angesichts des Motivs, so die Kammer, könne man auch fast von niedrigen Beweggründen sprechen: „Das war knapp am versuchten Mord vorbei.“

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