Stadtteil-Spaziergang

Essen-Bergerhausen mit dem Hobbyhistoriker neu entdecken

Die Gruppe unter Führung von Kuno Schädlich machte Station an der Schule am Krausen Bäumchen in Bergerhausen.

Die Gruppe unter Führung von Kuno Schädlich machte Station an der Schule am Krausen Bäumchen in Bergerhausen.

Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Essen-Bergerhausen.  Hobbyhistoriker Kuno Schädlich unterhält die Teilnehmer des Rundgangs mit Anekdoten aus der Geschichte Bergerhausens und plant weitere Führungen.

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Grauer Himmel und ein Regenschauer nach dem anderen – nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine Führung durch Bergerhausen. Mit Regencape und Schirm gewappnet warten trotzdem um die 15 Leute am Krausen Bäumchen auf die Erzählungen von Geschichtsfreund Kuno Schädlich. Er geht gern spazieren und lebt selbst in Bergerhausen. Wohnhaft in der Straße Am Krausen Bäumchen, liege ihm deren Geschichte besonders am Herzen.

Ein Steinkreuz erinnert dort an den ehemaligen Grenzverlauf zwischen dem Stift Essen und Stift Rellinghausen. Ernst Broszik hat an der ersten Station für die Wanderer eine Anekdote parat. „Du bist noch lange nicht am Krausen Bäumchen“, lautet eine Redewendung, die schon vor 400 Jahren entstand, schätzt der Awo-Vorsitzende des Ortsverein Bergerhausen.

Viele Geschichten sind nur mündlich überliefert

„Es gibt eine Essener Sage über einen Dieb, der an der Grenze zu Rellinghausen gefasst wurde.“ Angeblich habe er Hostien gestohlen und wollte über die Grenzen fliehen, da dort eine andere Gerichtsbarkeit herrschte. Mit den Worten: „Du bist noch lange nicht am Krausen Bäumchen“ habe man ihn geschnappt. Das Sprichwort sei geboren gewesen.

Zweite Station ist die Gedenktafel für Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg an der Weserstraße. Dort habe sich eine Baracke der Firma Krupp befunden, in der französische und osteuropäische Arbeiter wohnten. Einige Teilnehmer erzählen ihre persönlichen Kriegsgeschichten. So etwa Ingrid Müller, die in Bergerhausen geboren wurde. „Das war 1941, mitten im Krieg. Meine Mutter hatte wegen der Bomben Angst, ins Krankenhaus zu gehen. Also bin ich zu Hause an der Rellinghauser Straße zur Welt gekommen.“

http://funke-cms.abendblatt.de:8080/webservice/thumbnail/article/11544364Weiter geht es zur nächsten Station. „Die evangelische Johanneskirche wurde erst 1955 fertiggestellt“, erzählt Schädlich. Der Rentner zeigt alte Fotos von dem schlichten Backsteinturm an der Weserstraße kurz nach dem Bau. Vorher habe es nur das Gemeindeheim gegeben. Deswegen habe man den Gottesdienst ab und an dort gefeiert. Blutig sei es an der Elbestraße zugegangen. Nationalsozialist Gorks sei dort von einem Kommunisten erschossen worden. Während der NS-Zeit habe man den Weg in Gorksstraße umbenannt, heute heißt sie wieder Elbestraße.

Auch Kinder waren bei der Führung durch den Stadtteil dabei

Auch Kinder sind bei dem Spaziergang durch Bergerhausen dabei, wie die vierjährige Mara. Im pinken Regenmantel begleitet sie ihren Vater bei der Tour. Die Familie Meißner wohnt direkt um die Ecke vom Startpunkt. „Im Urlaub macht man immer Führungen mit und schaut sich genau die Gegend an. Zu Hause nicht“, erklärt Mutter Senta Meißner. Für sie sei die SPD-Veranstaltung ihre dritte Besichtigungstour durch Essen.

An der Straßenbahnhaltestelle Weserstraße macht Kuno Schädlich auf ein rundes Haus aufmerksam. Wie viele andere in dem Stadtteil sei das Gebäude, das vorher dort stand, im Krieg zerbombt worden. Danach sei das rosafarbene Haus mit der außergewöhnlichen Architektur gebaut worden. Dort beendet Schädlich die Tour wegen des Wetters vorzeitig.

Im Frühjahr plant der Ortsverein der SPD weitere Stadtteilführungen. Einige Geschichten seien nicht belegbar, sondern Anekdoten oder Vermutungen – unterhaltsam ist es trotzdem.

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