Geschichte

Freifläche diente Bauern in Essen-Haarzopf als Weidegrund

Die Grünfläche im Vordergrund, die für eine Bebauung in der Diskussion ist, gehörte früher zu der Mark, die die umliegenden Bauern gemeinsam nutzen konnten. Hinter der Grünfläche sieht man den Hof Oberscheidt. 

Die Grünfläche im Vordergrund, die für eine Bebauung in der Diskussion ist, gehörte früher zu der Mark, die die umliegenden Bauern gemeinsam nutzen konnten. Hinter der Grünfläche sieht man den Hof Oberscheidt. 

Foto: Foto / Herbert Schmitz

Essen-Haarzopf/Fulerum.  Angesichts der Diskussion um neues Bauland betont der Haarzopfer Hobbyhistoriker Herbert Schmitz die Bedeutung der Grünfläche am Harscheidweg.

Angesichts der Diskussion über die geplante Bebauung von drei Freiflächen in Haarzopf und Fulerum betont der Haarzopfer Hobbyhistoriker Herbert Schmitz die historische Bedeutung – speziell des Grundstücks am Harscheidweg. Diese Fläche sei früher für die Bauern im landwirtschaftlich geprägten Haarzopf überlebensnotwendig gewesen. Sie konnten dort ihre Tiere weiden lassen.

Das Gebiet am Harscheidweg werde heute gern von Spaziergängern genutzt. Diese grüne Lunge Haarzopfs „ist unsere letzte attraktive Freiluftfläche“, so Schmitz. Dass sie jetzt für die Bebauung zur Diskussion stehe, sei traurig, findet der gebürtige Haarzopfer. Auf dem Gelände befinde sich mit dem Hof Oberscheidt am Henningweg das letzte landwirtschaftlich genutzte Gehöft Haarzopfs.

In der Mark konnten die Bauern ihre Schweine weiden lassen

Der Hof sei 1540 in der Haarzopfer Mark entstanden. „Das war ein größeres Wald-, Wiesen- und Weidegebiet, auf dem jeder seine Tiere, oft waren es Schweine, weiden und im Herbst die Waldfrüchte wie Eicheln, Bucheckern und Kastanien fressen lassen konnte“, erläutert Herbert Schmitz. Die Mark habe sich vom heutigen Harscheidweg bis zum Haus Stein erstreckt. „Das Gelände war durch die Jahrhunderte die Lebensader der bäuerlichen Bevölkerung“, so Schmitz.

Man habe die Mark damals planmäßig und genossenschaftlich genutzt. „Zugelassene Schweine wurden durch einen Brand mit glühendem Eisen gekennzeichnet und konnten dann in das Markengelände eingetrieben und geweidet werden“, schreibt der Hobbyhistoriker in seinen Ausführungen zur Bedeutung des Geländes. Nicht nur der Fütterung der Tiere habe das Gelände gedient. Auch das Holz sei für die Bauern wichtig gewesen. Sie hätten aus der Mark Bauholz für ihre Hofgebäude sowie Brennholz entnehmen können.

1732 wurde die Mark aufgelöst und die Fläche unter den Bauern verteilt

1677 sei die Haarzopfer Mark-Ordnung (damals „Hertzoper Marcken-Ordtnung“) erneuert worden. Dies sei auf dem Haarzopfer Wasserschlösschen Haus Stein durch dessen Besitzer, den Freiherrn von Holling, geschehen, hat Schmitz recherchiert. Wer gegen diese Ordnung verstoßen habe, sei zur „Zahlung einer halben Tonne Bier verurteilt“ worden, also 57 Liter. „Die haben die Bauern dann allerdings gemeinsam geleert“, so der Hobbyhistoriker.

Das Markengebiet sei dann 1732 aufgelöst und unter den Bauern aufgeteilt worden. In der Folge sei der Wald gerodet worden, die Höfe hätten ihre Ackerflächen vergrößert.

Mehrere Jahrhunderte später habe das ehemalige Markgebiet dann erneut im Fokus gestanden. Die Stadt habe 1911 viele Bauernhöfe im Essen Süden erworben, darunter auch den Haarzopf Hof Oberscheidt. 1934 habe die Stadt dann ihren Waldbestand vergrößern wollen und trat in Verhandlungen mit dem größten Waldbesitzer Rellinghausens, Friedrich-August Freiherr von Vittinghoff genannt Schell. Der bekam im Austausch gegen den Schellenberger Wald unter anderem Ländereien in Haarzopf, darunter die Ackerflächen um die Höfe Sonnenschein und Oberscheidt.

Adelsfamilie erhielt Ländereien im Austausch gegen den Schellenberger Wald

Laut Schmitz gehören der Adelsfamilie Vittinghoff genannt Schell bis heute Grundstücke in Haarzopf – teils bebaut oder in Erbpacht vergeben. Schmitz: „Dazu zählt auch die Freiluftfläche im Landschaftsschutzgebiet am Harscheidweg, um die jetzt gerungen wird.“ Die Umwandlung dieser Fläche in Bauland würde deren Wert natürlich vervielfachen – was laut Schmitz gut für den Besitzer, aber schlecht für die Haarzopfer Bevölkerung sei, die damit eine ihrer letzten grünen Oasen, noch dazu mit historischer Bedeutung, verlöre.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben