Musiktheater

Tenor Dmitry Ivanchey: Russische Sprache öffnet seine Seele

Tenor Dmitry Ivanchey auf der Probebühne des Aalto-Theaters mit Requisiten aus der Oper „Così fan tutte“.

Tenor Dmitry Ivanchey auf der Probebühne des Aalto-Theaters mit Requisiten aus der Oper „Così fan tutte“.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Dmitry Ivanchey eröffnet mit der Wiederaufnahme von „Così fan tutte“ die Spielzeit im Aalto-Theater gefolgt von der Premiere von „Pique Dame“.

Er war als Machtmensch „Titus“ zu sehen, amüsierte als kindlicher Tamino in der „Zauberflöte“, überzeugte als misstrauischer Treuetester Ferrando in „Così fan tutte“. Im Aalto-Theater ist Dmitry Ivanchey seit 2016 zu erleben. Am liebsten singt er Werke von Mozart und Tschaikowsky. Mit Dagmar Schwalm sprach der russische Tenor über seine Karriere und die Freude, bei der Neuinszenierung von „Pique Dame“ in der eigenen Sprache zu singen.

Herr Ivanchey, wie wurde Ihre musikalische Ader entdeckt?

Dmitry Ivanchey: Ich bin in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen. Mit sechs Jahren begann ich, Klavier zu spielen. Mit sechseinhalb wechselte ich zur Geige, weil schon mein Großvater Geige spielte. In der Musikschule trat ich auch als Sänger auf. Man nannte mich Nachtigall. Ich studierte Violine und Gesang in Moskau, fühlte aber, dass ich mehr kann, als ein Mechanismus im Orchester zu sein. 2012 debütierte ich als Sänger am Bolschoi-Theater.

Hat die Violine heute noch Bedeutung für Sie?

Oh ja. Vor einem Jahr habe ich eine Konzerttournee in Tunesien gemacht, die hieß „Voce & Violino“. Auch im Aalto habe ich ein Konzert gegeben, bei dem ich gesungen und Violine gespielt habe. Das war etwas ganz Besonderes für mich.

Welche Station auf Ihrem Weg hat Sie geprägt?

Die Zeit als Solist am Opernhaus in Zürich. Es waren vier glückliche, intensive Jahre. Ich konnte mit Sängern wie Edita Gruberova, Lucio Gallo, Diana Damrau arbeiten, mit Dirigenten wie Nello Santi und Marco Armilato, mit Regisseuren wie Robert Wilson, Calixto Bieito oder Barrie Kosky.

Seit drei Jahren sind Sie am Aalto-Theater engagiert. Haben sich da schon Herzenswünsche erfüllt?

Ich kann hier Rollen singen, die meine Stimme perfekt hervorheben. Mozart steht bei mir auf Platz 1. Es ist ein Genuss, diese reiche Musik zu singen. Aber auch Tschaikowski liebe ich.

Was möchten Sie erreichen?

Die Fähigkeiten, die ich von Gott bekommen habe, muss ich weiterentwickeln. Der Glaube ist für mich eine große Hilfe. Auf der Bühne wie im Leben. Beruflich ist der Alfredo in Verdis „La Traviata“ für mich der nächste Schritt.

Zur Eröffnung der neuen Opernsaison am Aalto-Theater singen Sie die Wiederaufnahme von „Così fan tutte“.

Ich dachte zuerst, es sei eine einfache Komödie. Aber es ist ein wahres Drama mit vielen Schattierungen von menschlichen Gefühlen. Ich bin sehr froh, dass ich mit Regisseur Stephen Lawless zusammenarbeiten und den Ferrando als männliche und gefühlvolle Figur gestalten konnte.

Sie singen auf Italienisch, Französisch, Deutsch. Die Neuinszenierung von „Pique Dame“ wird auf Russisch zu erleben sein. Was ist das Besondere für Sie?

Die russische Sprache liegt mir sozusagen im Blut. Mit ihr kann man am besten die Tiefe dieser Musik zum Ausdruck bringen. Ich bin sehr stolz, dass ich in „Pique Dame“ meine Fähigkeiten als Sänger russischer Schule zeigen kann. Mit der eigenen Sprache öffnet sich die Seele hundertprozentig.

Wie viel russisches Leben umgibt Sie noch in Essen?

Meine Beziehung zu Russland ist stark. Deswegen ist es toll, hier auch russische Freunde zu haben und russische Geschäfte, wo ich Lebensmittel kaufen kann. Die vermisse ich wirklich sehr.

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