Kultur

Theater Essen: Viel Arbeit trotz Corona-Zwangspause

Schauspiel-Intendant Christian Tombeil (li.) und der technische Leiter Michael Lüdiger legen in diesen Tagen beim Erneuern der Drehbühne auch mal selber Hand an.

Schauspiel-Intendant Christian Tombeil (li.) und der technische Leiter Michael Lüdiger legen in diesen Tagen beim Erneuern der Drehbühne auch mal selber Hand an.

Foto: Kerstin Kokoska / Funke Foto Services

Essen  Der Bühnenbetrieb steht still, doch die Arbeit im Theater Essen geht weiter. Die marode Drehbühne wird ausgewechselt, Wartungsarbeiten vorgezogen

Wenn im Theater alle Vorstellungen abgesagt sind, dann steht auch die Drehbühne still. Was in diesem Fall ausnahmsweise sogar von Vorteil ist. Denn die drehbare kreisrunde Fläche im Bühnenboden, sonst im Grillo-Theater für den schnellen Wechsel des Bühnenbildes zuständig, muss nach fast 25 Jahren dringend erneuert werden.

Die Bühnenbretter sind über viele Jahre ziemlich dünn geworden

Es quietscht und knarzt nämlich nicht nur ganz gehörig im Getriebe. Die Bretter, die im Theater bekanntlich die Welt bedeuten, sind durch die Abnutzung und das jahrelange Schleifen auch ziemlich dünn geworden. Zu dünn, um die nicht unerheblichen Lasten noch auf Dauer tragen zu können. In der spielfreien Sommerpause sollte der spezialangefertigte Holzboden deshalb ohnehin ausgewechselt werden. Doch nun nutzt man die Gunst der Stunde und hat die Arbeiten vorgezogen. Alle Parkettbretter werden ausgetauscht und geben einen ungewohnten Blick in den Bühnenabgrund frei.

Auf der Bühne herrscht in diesen Tagen die große Leere


Michael Lüdiger, technischer Leiter am Schauspiel Essen, ist froh, dass man den Termin mit der momentan ausgesprochen nachgefragten Herstellerfirma noch verlegen konnte. Denn die plötzliche Corona-Zwangspause, weiß Lüdiger, wollen alle Bühnenbetriebe für Reparaturarbeiten nutzen. Wann schließlich erlebt man ein Theater schon mal im "Rohzustand" wie in diesen Tagen. Wo sonst morgens geprobt wird und abends Vorstellungen sind, wo Bühnenarbeiter ständig Kulissen für die verschiedenen Inszenierungen auf- und abbauen, wo Vorstellungen vorbereitet und eingeleuchtet werden müssen, herrscht in diesen Tagen die große Leere.

Die spielfreie Zeit im Theater wird bestmöglich ausgenutzt

Gut für die Mitarbeiter der Theater und Philharmonie (TuP), die nun in kleinen Teams und mit großem Abstand erledigen können, wozu im Theateralltag sonst kaum Zeit bleibt. "Wir nutzen die Zeit bestmöglich aus", sagt Schauspiel-Intendant Christian Tombeil. Und sorgt so auch dafür, dass Kurzarbeit bei der TuP bislang kein Thema ist.

So wurden in den vergangenen Tagen schon etliche Wartungen vorgezogen, brandschutztechnische Arbeiten erledigt und die gesamte Beleuchtung geprüft. In blauen Plastikhüllen vor Bauschmutz geschützt, warten die Scheinwerfer nun darauf, dass sie bald wieder ihren Dienst verrichten können. "Wir sind dann sofort startfähig, wenn es wieder los geht ", verspricht Lüdiger.

Mitarbeiter der Deko-Abteilung erneuern Vorhänge und Stoffbezüge

Doch nicht nur in Technik und Bühnenboden wird derzeit investiert. So kümmert sich die Deko-Abteilung der TuP in diesen Tagen mal nicht um die Bühnenausstattung, sondern um die Erneuerung der Vorhänge und der abgenutzen Sofabezüge im Foyer. So müsse man keine Fremdfirmen beauftragen und spare durch die Eigenarbeit auch noch Geld, erklärt Tombeil. Allein die Materialkosten seien für die in Sachen Gebäudeerhalt zuständige Gemeinnützige Theater-Baugesellschaft Essen (TBE) angefallen.

Blick in den Bühnenabgrund soll eine Momentaufnahme bleiben

Auch bei der TBE ist man froh, viele ohnehin anfallende Arbeiten bereits jetzt erledigen zu können und nicht in den spielzeitfreien Sommerferien, wenn alle Theater um Fachfirmen buhlen. Und so wird nicht nur die Drehbühne mit neuem schwerlastfähigen Parkettboden ausgestattet, für die ein "mittlerer bis hoher fünfstelliger Betrag" fällig sei, so Andreas Grabow von der TBE. Auch die Probebühne im gegenüberliegenden Kulissenhaus soll noch überarbeitet werden. Damit es nach Corona im Theater schnellstmöglich wieder weitergehen kann und der Blick in den Bühnenabgrund nur eine Momentaufnahme bleibt.

Mehr Infos:

Die Theater und Philharmonie Essen hat alle Eigenveranstaltungen zunächst bis zum 19. April abgesagt.

Auch die nächsten beiden Premieren im Essener Schauspiel, die Bühnenfassung von "Die Marquise von O" und die Essener Fassung von Brechts "Die Rundköpfe und die Spitzköpfe oder Reich und reich gesellt sich gern" finden nicht statt.

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