Ermittlungen

Verdursteter Zweijähriger: Vater wegen Mordes angeklagt

In der Dachgeschosswohnung dieses Hauses am Ellernplatz verdurstete der kleine Luis.

In der Dachgeschosswohnung dieses Hauses am Ellernplatz verdurstete der kleine Luis.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen.  Nach dem Tod des kleinen Luis in Altenessen soll sich der Vater wegen Mordes verantworten. Er hatte die Türklinke des Kinderzimmers abmontiert.

Sechs Wochen nach dem qualvollen Hitzetod des zweijährigen Luis in einer Dachgeschosswohnung am Ellernplatz in Altenessen hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Mordes gegen den Vater (31) beim Essener Schwurgericht erhoben. Dies berichtete die ermittelnde Staatsanwältin Elke Hinterberg am Montag.

Der kleine Luis ist durch einen Hitzeschock gestorben. Ohne Nahrung, ohne Wasser, ohne Lüftung war das Kind in seinem Kinderzimmer etwa 18 Stunden eingeschlossen, bevor der Kreislauf seines kleinen Körpers zusammenbrach. Die Tür seines Zimmers konnte der Zweijährige nicht öffnen. „Der Vater hatte die Türklinke abmontiert“, sagte Hinterberg, die vor allem deshalb das Mordmerkmal erfüllt sieht.

Der 31-Jährige hat bis jetzt kein umfassendes Geständnis abgelegt

Der 31-Jährige habe sich zu den Vorwürfen zwar kurz eingelassen. Ein umfassendes Geständnis habe er jedoch nicht abgelegt, sagte die Staatsanwältin. Die Ermittlungen wegen Totschlags durch Unterlassen gegen die Mutter des Zweijährigen sind inzwischen eingestellt worden. Die Frau war zum Zeitpunkt des Todes des Jungen nicht zu Hause, so Hinterberg: „Wir haben keine Vorhersehbarkeit feststellen können.“

Die 21-jährige Mutter wollte sich wohl von dem Vater trennen. Sie hatte bereits Kontakt mit dem Jugendamt aufgenommen. Dort hatte man nach eigenen Angaben damals keine Hinweise darauf, dass das Wohl eines der drei Kinder der Familie gefährdet sein könnte. Gegen Mitarbeiter des Jugendamtes wurde nicht ermittelt.

Jugenddezernent wies die Vorwürfe der Gewerkschaft Verdi zurück

Vier Wochen nach Luis’ Tod hatte Essen Jugenddezernent Muchtar Al Ghusain den Vorwurf der Gewerkschaft Verdi zurückgewiesen, die dünne Personaldecke im Jugendamt könne mitverantwortlich dafür sein, dass man in dem Fall zu spät eingegriffen habe. Die Mitarbeiter des zuständigen Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) in Altenessen, der Luis’ Familie betreut hatte, hätten nach den erst im vergangenen Jahr überarbeiteten Fachstandards gehandelt: „All das ist in diesem Fall dokumentiert und umgesetzt worden“, betonte Al Ghusain.

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