Gericht

Versuchter Ehrenmord in Essen – Prozess startet im Januar

Dieses Foto ist bei der Festnahme der Tatverdächtigen am 25. Juli entstanden.

Dieses Foto ist bei der Festnahme der Tatverdächtigen am 25. Juli entstanden.

Foto: Lars Heidrich

Essen.   Das Essener Schwurgericht befasst sich mit dem versuchten Ehrenmord innerhalb eines syrischen Familienclans. 13 Angeklagte stehen vor Gericht.

27 Prozesstage hat das Essener Schwurgericht angesetzt, um den versuchten Ehrenmord innerhalb eines syrischen Familienclans aus Essen aufzuklären. 13 mutmaßliche Täter sind angeklagt. Sie haben laut Staatsanwaltschaft einen 19-Jährigen, der mit einer 19-jährigen Syrerin aus der Familie Ehebruch begangen haben soll, lebensgefährlich verletzt und laut Rechtsmedizin „teilskalpiert“. Die Verhandlung gegen die 13 Angeklagten wird am 22. Januar um 8.45 Uhr in Saal N 001 des Essener Landgerichtes beginnen.

Zehn der Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft, teilt Johannes Hidding, Sprecher der Essener Justizbehörde, am Mittwoch auf Anfrage der WAZ mit. Neun von ihnen werde versuchter Mord vorgeworfen, dem Rest Beihilfe dazu. Angeklagt und in U-Haft sitzend ist auch die Mutter der jungen Syrerin. Mit der Tat sollte laut Anklage die durch den Ehebruch vermeintlich beschmutzte Familienehre wiederhergestellt werden.

Versuchter Ehrenmord wurde gefilmt

Mit welcher Wut und welchem Hass die Strafaktion erfolgte, das ist alles detailliert auf Videos zu sehen. Staatsanwältin Birgit Jürgens sprach bereits von „schrecklichen Bildern“. Auch von einigen Verteidigern ist zu hören, dass die Aufnahmen das Gericht kaum zu einer milden Beurteilung des Falls veranlassen werden.

Kurzinterview mit der Leiterin der Mordkommission

Gefertigt hatten die Videos Familienmitglieder mit ihren Smartphones. Sie zeigen den 19-Jährigen und die heftigen Attacken. Mit einem Messer soll ihm in die Lunge gestochen worden sein. Schläge und Tritte trafen ihn, schwerste Kopfverletzungen erlitt er. Die Aufnahmen zeigen ihn, wie er blutüberströmt im Hinterhof eines Getränkemarktes an der Steeler Straße vor einer Mauer sitzt und um sein Leben wimmert. Dazwischen sollen Aufforderungen der „Kameraleute“ zu hören sein, dass sie mehr Licht brauchen, dass andere aus dem Bild gehen sollen.

Mit einer Notoperation retteten Ärzte sein Leben

Laut Anklage sollen die Täter nur von ihm abgelassen haben, weil sie gedacht hätten, er sei tot. Mit einer Notoperation retteten Ärzte sein Leben. Mittlerweile soll er sich von seinen körperlichen Verletzungen gut erholt haben. Im Verfahren vor dem Schwurgericht wird er als Nebenkläger, vertreten von Rechtsanwalt Aykan Akyildiz, teilnehmen.

Leserkommentare (14) Kommentar schreiben