Betriebs-Kneipe

Warum Thyssenkrupp jetzt eine eigene Betriebs-Kneipe hat

Jens Freitt (41) ist der Wirt in der Thyssenkrupp-Kneipe.

Jens Freitt (41) ist der Wirt in der Thyssenkrupp-Kneipe.

Foto: Vladimir Wegener

Essen.   Auf dem Thyssenkrupp-Campus in Essen gibt es nun eine Kneipe. Das Inventar stammt aus einem Lokal in der Eifel. Dahinter steckt eine ernste Idee.

Auf der rustikalen Holztheke steht ein Schnapsfässchen, in der Ecke leuchtet eine Jukebox, an einer Wand hängt ein roter Sparkasten, ein paar Meter weiter zieren historische Fotos die Wand, darunter eine Schwarz-Weiß-Aufnahme von Berthold Beitz. Es ist die wohl ungewöhnlichste Kneipe, die es derzeit in Essen gibt: Mitten auf dem Thyssenkrupp-Campus, am Gebäude Q1, steht ein großer Container und darin befindet sich eine Kneipe.

Die Kneipe als Ort des Dialogs über die Konzernteilung

Hinter der urigen Kneipe steckt eine ernste Idee: Thyssenkrupp will dort seine Mitarbeiter über die Teilung des Konzerns informieren. Das Unternehmen will sich in zwei Aktiengesellschaften aufspalten – eine für Stahl und eine für Aufzüge, Autoteile und Industrieanlagenbau. „Die Teilung ist ein wichtiger Schritt, der zu vielen Fragen bei den Mitarbeitern führt. Der Dialog ist nun extrem wichtig“, erklärt Sprecher Oliver Herkert. Für Herbst sei der operative Start der beiden neuen Unternehmen geplant, der Hauptversammlung im Januar 2020 soll dann der Beschluss über die Teilung vorgelegt werden.

Die Kneipe – die den Namen „Q3“ trägt – sei ein Ort, an dem sich die Mitarbeiter unterhalten können, an dem Fragen beantwortet werden. So saßen in der vergangenen Woche die vier Konzernvorstände an der Theke und stellten sich den Fragen der Angestellten. „Die Kneipe passt zu Thyssenkrupp, sie ist typisch fürs Ruhrgebiet“, sagt Herkert: „In der Kneipe redet man direkter.“

Wirt: „An der Theke wird Klartext gesprochen“

Thyssenkrupp hat das Kneipen-Inventar bei Ebay ersteigert. 6000 Euro hat der Konzern nach eigenen Angaben dafür bezahlt. Theke und Co. standen einst in einer Kneipe in der Eifel.

Jens Freitt ist der Wirt im „Q3“. Er versorgt die Mitarbeiter mit Bier vom Fass, Limo oder Brezeln. Wichtig ist ihm aber auch: „Ich möchte Raum für Gespräche bieten und meinen Teil dazu beitragen, die Teilung verständlich zu machen“, erklärt der 41-Jährige. Sein Motto: „Hier bei mir an der Theke wird Klartext gesprochen.“ Er möchte beispielsweise, dass die Leute nicht mit Fachbegriffen um sich werfen, sondern einfach und offen sprechen.

Weitere Infos

  • Die Kneipe öffnet werktags von 16 Uhr bis circa 20 Uhr und ist ausschließlich für Mitarbeiter.
  • Im „Q3“ soll es immer wieder Veranstaltungen, wie das Gespräch mit den Vorstandsvorsitzenden, geben. Außerdem treffen sich die Mitarbeiter dort auch zu Team-Besprechungen in entspannter Atmosphäre.

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