Karatesport

Werte im Sport: Staatssekretärin lobt Essener Karate-Projekt

Werte-Urkunden für junge Karatesportler: NRW-Staatssekretärin Serap Güler findet das Werte-Projekt der Karateabteilung des Polizeisportvereins beispielhaft. Mit im Bild: Trainer Thomas Kirberger (links), daneben Abteilungsleiter Peter Trapski, rechts: Trainer Ole Kirberger.

Werte-Urkunden für junge Karatesportler: NRW-Staatssekretärin Serap Güler findet das Werte-Projekt der Karateabteilung des Polizeisportvereins beispielhaft. Mit im Bild: Trainer Thomas Kirberger (links), daneben Abteilungsleiter Peter Trapski, rechts: Trainer Ole Kirberger.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Essen.  Ein Vorzeigeprojekt: Die Karatesportabteilung des Polizeisportvereins Essen zeigt ihrem Nachwuchs nicht nur Griffe, sie vermittelt auch Werte.

Die Karateabteilung des Polizeisportvereins Essen kämpft nicht nur um Meisterschaften und Medaillen, sondern auch um die Köpfe und Herzen des Nachwuchses. „Werte im Karate“ heißt das Projekt, das bundesweit Beachtung und zunehmend Beifall findet. Auch bei der Landesregierung in Düsseldorf. „Der Karateunterricht beim Polizeisportverein Essen zeigt, wie Kindern wichtige Werte auf spielerische Weise vermittelt werden können, wir brauchen viel mehr solcher Projekte“, lobt Integrations-Staatssekretärin Serap Güler das Engagement der Essener Polizeisportler.

In ihrem Dojo, so nennen die PSV-Karatesportler ihre Trainingsräume in Stadtwald, informiert sich die Politikerin an diesem Dienstagnachmittag über das Essener Vorzeige-Projekt – und applaudiert, als am Ende der Übungsstunde Urkunden des Deutschen Karate Verbandes inklusive spezieller „Mut-Abzeichen“ an den Nachwuchs verliehen werden.

Amy (8) sagt: „Mut ist: Wenn sich zwei prügeln und ich dazwischen gehe“

Kaum hat Serap Güler die kleine, mit Parkett ausgeschlagene Halle betreten, bekommt sie eine erste Kostprobe davon, wie Werte hier gelebt werden. Die Nachwuchs-Kämpfer – der Jüngste ist erst vier – verneigen sich alle höflich vor der prominenten Besucherin und bilden einen großen Kreis.

Als Güler in die Runde fragt, was denn Mut sei, schnellen sofort ein Dutzend Arme hoch. „Wenn sich zwei Kinder prügeln und ich dazwischen gehe“, antwortet Amy (9), die die Hinseler Schule in Überruhr besucht. Und der achtjährige Anjayen fügt stolz hinzu: „Ich war Schwimmen und bin vom Fünfer gesprungen.“

Luca Zhu, ein ebenso aufgeweckter wie ehrgeiziger Schüler, trägt den orange-grünen Gürtel und an seiner weißen Karatejacke heften schon alle sechs Werte-Abzeichen: je eines für Respekt, Höflichkeit, Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Wertschätzung und Mut. Heute werden andere aus der Trainingsgruppe ausgezeichnet: Emil, Laura, Leander, Thorin, Nina, Takuma, Julia, Emilia, Johan und Lukas. Zehn Mal Stolz, zehn Mal Beifall.

Eine Mutter sagt: „Karate ist hier eine Mischung aus Sport, Disziplin und Werten“

Natalie Dilekli, die Mutter von Leander und Emil, fällt es nicht schwer zu erklären, warum sie die Wertevermittlung durch die Karatetrainer so wichtig findet. „Karate ist hier eine Mischung aus sportlicher Herausforderung, Disziplin und Werten.“ Ursprünglich habe sie nur den kleinen Leander zum Training schicken wollen, damit dieser selbstbewusst werde und mit dem großen Bruder mithalten könne. „Doch dann hat er auch Emil angesteckt, deshalb gehen jetzt beide.“

Ein neuer Ansatz: Kinder tragen die Wertediskussion in die Familie

Motor und zugleich Seele der PSV-Karateabteilung ist der pensionierte Kriminalhauptkommissar Peter Trapski, der den deutschen Karatesport auch als Bundestrainer lange Zeit mitgeprägt hat. Schon vor vier Jahren hat er die bundesweit modellhafte Wertevermittlung in die Nachwuchs-Ausbildung eingebaut. Neben Eltern und Schule sieht er auch den Sport in der Pflicht, „positiv auf die Entwicklung der uns anvertrauten Kinder einzuwirken“.

In Elternbriefen und Elterninformationen wird detailliert erklärt, dass die Kinder neben den Griffen auch Wertvorstellungen vermittelt bekommen: etwa in lockeren Frage- und Antwortspielchen, für die das Training kurz unterbrochen werde. Mehrere Wochen lang dreht sich in den Gesprächskreisen alles um einen Wert, wie zuletzt eben um „Mut“. Am Ende nehmen die kleinen Karatesportler einen Fragebogen mit nach Hause und kommen beim Ausfüllen mit den Eltern ins Gespräch. Trapski: „Das ist wirklich neu, auf diese Weise tragen wir die Wertediskussion in die Familien.“

Staatssekretärin Serap Güler: „Werte hochzuhalten ist weder altbacken noch konservativ“

Welch katastrophale Ausmaße der Werteverfall im Sport annimmt, ist dieser Tage ebenfalls in Essen zu besichtigen: beim Skandal um die zweite Fußball-Mannschaft des BVA Altenessen 06. Wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Schiedsrichter, der dabei einen Zahn verlor und verletzt wurde, ist das komplette Kreisliga-Team für zwei Jahre gesperrt worden. Eine Entgleisung, die bundesweit für Schlagzeilen sorgt.

Der Besuch des PSV-Karatetrainings hat die Staatssekretärin spürbar beeindruckt und auch inspiriert. Serap Güler, nimmt die Botschaft, sich gegen den Werteverfall zu stemmen, mit nach Düsseldorf. Sie sagt: „Werte wie Respekt, Bescheidenheit und Mut hochzuhalten ist weder altbacken noch konservativ.“

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