Blindgänger

Wie die Kettwiger die Bombenentschärfung erlebten

Hier kommt kein Auto mehr rein: Während der Entschärfung wurden Teile von Essen-Kettwig abgeriegelt.

Hier kommt kein Auto mehr rein: Während der Entschärfung wurden Teile von Essen-Kettwig abgeriegelt.

Foto: WAZ

Essen.  Die Weltkriegsbombe auf der Ruhrbogen-Baustelle in Essen-Kettwig wurde am Montag entschärft. Die Herausforderung für den Kampfmittelräumdienst: Schlacke in dem Boden hatte die Zünder und den Sprengkörper „angefressen“. Die Flugaufsicht sperrte sogar den Luftraum. Eine Reportage aus Essen-Kettwig.

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Es ist still in Kettwig. Kein Kinderlachen hallt über den Hof der Gemeinschaftsgrundschule. Die Straßen sind menschenleer und autofrei. Von Flugzeugen, die sonst beinahe im Minutentakt über den Häusern dröhnen, ist auch nichts zu hören. Es ist Montagmorgen, 11 Uhr.

Auf der Ruhrbogen-Baustelle beginnen Minuten höchster Konzentration: Peter Giesecke und Dirk Putzer vom Kampfmittelbeseitigungsdienst entschärfen die Bombe, die ein Baggerfahrer dort am Mittwoch gefunden hatte. Die Herausforderung: Zwei durch Schlacke im Boden „angefressene Zünder“, erklärt Giesecke hinterher.

Die Flugaufsicht hat den Luftraum über Kettwig gesperrt. Alle innerdeutschen Flüge mit Landeanflug über Kettwig starten 30 Minuten später als geplant. International verkehrende Jets fliegen Warteschleifen über dem Ruhrgebiet. Im Umkreis von 250 Metern haben Ordnungsamt und Polizei zwischen Ruhr und Altstadt ein Gebiet evakuiert, in dem sonst 500 Menschen leben und arbeiten.

Vertrauen in dem Kampfmittelbeseitigungsdienst

Zu ihnen gehört Peter Fasel (56). Er wohnt an der Straße Bauerschaft, keine 200 Meter von der Bombe entfernt. „Das wird schon gut gehen“, sagt er, schließt gegen 10.30 Uhr seine Haustür ab und geht zur Arbeit: „Die Jungs vom Kampfmittelräumdienst machen das nicht zum ersten Mal.“ So unaufgeregt reagieren die meisten Kettwiger auf den Großeinsatz. Auch der Postbote radelt unbeeindruckt gegen 10 Uhr in die Evakuierungszone, verteilt Briefe, fährt wieder davon.

Ein paar Meter weiter ist Rentner Dieter Tewes (65) mit Hund Troll unterwegs. Er wohnt außerhalb der 250-Meter-Zone, im sogenannten Sicherheitsbereich, dürfte somit zu Hause bleiben. Aber das will er nicht. Auch wenn er dem Sprengmeister vertraue, geht er Gassi, bis die amerikanische Fünf-Zentner-Bombe entschärft ist. Wie die im Ruhrbogen gelandet ist, darüber rätseln viele Anwohner. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die mit dem Schutt hier abgeladen wurde“, sagt Tewes und schüttelt den Kopf. „Auf die Kettwiger Innenstadt ist aber auch nie eine Bombe gefallen.“

Kurz nach neun Uhr im Supermarkt an der Güterstraße. Hier ist in einer Stunde alles dicht. Das Geschäft werde geschlossen, erklärt der Filialleiter. Er ist gerade den ersten Tag aus dem Urlaub zurück, „und dann gleich so etwas“.

Um 11.30 Uhr kommt die Entwarnung – die Bombe ist entschärft

Ilona Diermann (47) geht mit Hündin Tammy spazieren. Sie wohnt in der Sicherheitszone, dürfte bleiben. „Ich geh’ trotzdem zu meinen Schwiegereltern“, erklärt sie: „Die Stadt hat gesagt, ich soll mich im Keller verstecken, aber das mache ich nicht.“

Vor der Tankstelle an der Graf-Zeppelin-Straße stehen Betreiber Andre Keil und Tochter Amelie. Die Viertklässlerin geht in die Gemeinschaftsgrundschule, hat heute wegen der Entschärfung schulfrei.

11.30 Uhr, Einsatzleiter Norbert Geldermann steht an der Graf-Zeppelin-Straße – er hält Telefon-Kontakt zu den Sprengmeistern. Jetzt hebt er den Daumen nach oben: Entwarnung. Giesecke hat die Zünder gezogen – der Alltag in Kettwig kann gefahrlos weitergehen.

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