Radverkehr

Wo man in Essen ein Fahrrad leihen kann: Radstation wird 20

Enno Ahrens leitet die Radstation im Hauptbahnhof.

Enno Ahrens leitet die Radstation im Hauptbahnhof.

Foto: Katrin Simoneit/ FUNKE Foto Services

Essen.  Die Radstation im Hauptbahnhof Essen ist bewachtes Parkhaus und Fahrrad-Verleih gleichzeitig. Zum Geburtstag gab es eine Auszeichnung.

Essener Bürger können in zentralster Lage Fahrräder leihen – auch Tandems, Kinderräder und E-Bikes sind dabei. Die „Radstation“ im Essener Hauptbahnhof, die nicht nur bewachtes Fahrrad-Parkhaus ist, sondern auch ein großer Verleih, wird 20 Jahre alt.

Auch von leidenschaftlichen Alltagsradlern wird die Essener Innenstadt nicht unbedingt in Verbindung gebracht mit dem Radeln – zu lückenhaft ist das Radwegenetz, auf dem man sicher und ohne Stress zum Hauptbahnhof kommen kann. Allein über die Huyssenallee (von Süden) oder die Rathenaustraße (von Norden, Fußgängerzone, aber für Radler erlaubt) kommt man einigermaßen gefahrlos mit dem Rad zum Hauptbahnhof. Aus Richtung Westen, über die Hachestraße: eng und gefährlich. Aus Richtung Osten, über die Hollestraße: gefährlich und eng.

Wie auch immer: Trotzdem erfreut sich die Radstation, an der Nordseite des Hauptbahnhofs hinter den Taxiparkplätzen gelegen, ungebrochener Beliebtheit. „Unsere Stellplätze sind nahezu ausgebucht, und bei entsprechendem Wetter sind es auch unsere Leih-Fahrräder“, sagt Enno Ahrens, der Leiter der Einrichtung. Ausleihen kann man sich zum Beispiel normale City-Fahrräder mit tiefem Einstieg, Kinderräder. Insgesamt 14 Pedelecs, also Räder mit elektrischer Unterstützung, sind ebenfalls mietbar. Das normale City-Bike kostet 8,50 Euro am Tag Miete, das E-Bike 25 Euro. „Was dann aber auch bedeutet: von 5.30 bis 22.30 Uhr an Werktagen und samstags von zehn bis 18 Uhr“, sagt Ahrens. So ausgedehnt sind nämlich die Öffnungszeiten der „Radstation“. Auch sonntags ist geöffnet, von zehn bis 16 Uhr.

„Unser Leih-Angebot spricht vor allem Touristen an, die nach Essen kommen und sich vorher über Leih-Fahrräder informiert haben“, berichtet Ahrens. Eher an Einheimische und Pendler aus der Region wendet sich das Angebot der „Radstation“, Fahrräder tagsüber bewacht abstellen zu können: Das kostet 70 Cent am Tag oder sieben Euro im Monat – rund 200 Stellplätze stehen zur Verfügung.

Reparaturen: Aufträge werden entgegengenommen

Die Radstation nimmt auch Reparatur-Aufträge entgegen, führt Reparatur-Arbeiten aber nicht selbst aus. „Die zu reparierenden Fahrräder werden in unserer Werkstatt ,Freilauf’ an der Langemarckstraße wieder flott gemacht“, sagt Ahrens. Die Radstation, die Werkstatt an der Langemarckstraße und einige Rad-Angebote rund um den Niederfeldsee in Altendorf gehören zum Qualifizierungsprogramm der Beschäftigungsgesellschaft „Neue Arbeit“ der Diakonie Essen. Das heißt: In der Werkstatt und in den Radstationen – es gibt nicht nur die Radstation am Hauptbahnhof, sondern auch noch eine in Kupferdreh – arbeiten Männer und Frauen, die auf dem so genannten „Ersten Arbeitsmarkt“ keine echte Chance hätten. Die Fahrradwerkstatt „Freilauf“ nimmt auch Altrad-Spenden entgegen und holt gratis alte Fahrräder ab, die Bürger nicht mehr haben wollen. Im Juli 2018 entstand am Niederfeldsee in Altendorf sogar ein Hostel, das sich vornehmlich an Radler und E-Bike-Fahrer richtet.

Besonders populär und sogar preisgekrönt ist ein Fahrrad-Projekt der Diakonie, das sich seit dem Start 2017 vor Nachfrage kaum retten kann: Bei dem Projekt „Radeln ohne Alter“ werden Senioren, die in Essener Heimen wohnen, mit Fahrrad-Rikschas zu Orten gefahren, die sie nochmal sehen möchten. 60 Essener Heime machen mittlerweile mit, die Warteliste ist lang.

Zurück zur Radstation der Diakonie: Sie hat jetzt, zum 20. Geburtstag, das EU-weite Zertifikat „Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ erhalten. Insgesamt 16 Beschäftigte hat die Radstation. Das Zertifikat, das der Radclub ADFC vergibt, erhält ein Betrieb dann, wenn er aktiv fördert, dass die Mitarbeiter mit dem Rad zur Arbeit kommen können. So wie Ahrens übrigens: Er kommt täglich mit dem Rad aus Hattingen.

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