Kräuterwanderung

Wo Wildkräuter am Baldeneysee in Essen wachsen

An der Kräuterwanderung mit Ursula Stratmann nahmen mehr als 100 Interessierte am Baldeneysee teil.

An der Kräuterwanderung mit Ursula Stratmann nahmen mehr als 100 Interessierte am Baldeneysee teil.

Foto: Stefan Arend

Essen.  Japanischer Staudenknöterich, Taubnessel, Sommerlinde: Expertin erklärt bei einer Tour am Baldeneysee die Welt der Wildkräuter.

In die geheimnisvoll wie spannende Welt der Wildkräuter entführt Expertin Ursula Stratmann an diesem sonnigen Ostermontagmorgen mehr als 100 lernwillige Essener. Sie alle sind früh aufgestanden, um sich von der fachkundigen Diplom-Biologin zeigen zu lassen, welche „Schätze“ sich am Wegesrand des Baldeneysees verbergen.

Und das sind mehr Wildkräuter, als sich der normale Spaziergänger vorstellen kann. Da ist zum Beispiel der Japanische Staudenknöterich, der direkt hinter der ehemaligen Eisenbahnbrücke, dort wo der Baldeneysee beginnt, wächst. „Das ist eine Pflanze mit Migrationshintergrund“, klärt Ursula Stratmann auf. Insofern passe sie wunderbar ins Ruhrgebiet. Behände pflückt die Kräuterfachfrau einen ganzen Strauß der großblättrigen Pflanze und verteilt ihn in der Menge. „Einfach mal den Stängel aufbrechen und daran kosten“, rät sie und sofort wissen alle, warum der Knöterich auch gerne „Ruhr-Rhabarber“ genannt wird: Im Geschmack ist er kaum von dem klassischen Rhabarber zu unterscheiden.

Der Ruhr-Rhabarber lässt sich vielseitig verwenden

Ob Kompott, Marmelade, Kuchen oder Pizzabelag – der Ruhr-Rhabarber lässt sich vielseitig verwenden. Trotzdem wird er in manchen Bundesländern, wie zum Beispiel Bayern, erbarmungslos mittels Pflanzenschutzmittel vernichtet. Das sei eigentlich unklug. Denn der Knöterich könne noch viel mehr, erklärt die Fachfrau: In der traditionellen chinesischen Medizin werde er als Heilmittel gegen hohen Blutdruck, hohes Cholesterin und sogar als Antibiotikum gegen multiresistente Keime verwendet. „Und an diesem Knöterich bin ich jahrzehntelang völlig ignorant vorbeigelaufen. Das wird mir nicht nochmal passieren“, sagt Teilnehmerin Hanna Ehrig und probiert noch einmal vom Ruhr-Rhabarber-Kompott, das Ursula Stratmann als Kostprobe herumreicht.

Probiert wird während der Kräutertour viel. Zum Beispiel die Taubnessel. Die könne mit Blatt und Stiel in den Salat geschnitten werden, verfeinere jeden Smoothie und habe auch noch jede Menge Vitamin B für Nerven und Augen. „Schmeckt ganz aromatisch“, lautet das einhellige Urteil. „Das ist lebendige Nahrung, die ist noch voller Licht und Sonne“, schwärmt Ursula Stratmann, die bereits vier Bücher mit wilden Kräutergeschichten geschrieben hat und regelmäßig zu Kursen und Touren einlädt.

Wissen stammt aus letzten Jahrzehnten

Ihr Wissen hat die 60-Jährige, die auch ein Diplom in Kräuterkunde besitzt, in den letzten Jahrzehnten erworben. Mit jedem Blick in die Botanik entschlüsselt sie deren Geheimnisse und Wirkstoffe. So dienen Weißdornbaum und Holunder, die nur ein paar Schritte entfernt vom Staudenknöterich wachsen, der Natur-Medizin: Herzstärkende Tropfen und Tees hat schon Hildegard von Bingen aus den Knospen, Blüten und Blättern des Weißdorns hergestellt. Und der Holunder fördere die Nierentätigkeit, diene als Wundheilmittel und erfülle den Wunsch nach Kindern - zumindest in der Welt der Sagen.

„Eigentlich hält die Natur alles bereit, was man für die Gesundheit braucht“, folgert Peter Grunemann. Der Essener kostet vorsichtig vom Gundermann, einem kleinen Bodendecker mit lilafarbenen Blüten. „Schmeckt nach Ziegenkäse und Minze“, lautet sein Urteil. „Drei Blättchen am Tag und ihr werdet nie mehr krank“, verspricht Ursula Stratmann. Ihre Lieblingspflanze ist eigentlich ein Mädchen für alles: „Gundermann hilft gegen Neurodermitis oder Asthma, wird als Wundheilmittel und zur Entgiftung angewandt.“

Sommerlinde eignet sich für Salate

Dagegen kann die schön gewachsene Sommerlinde auf der nahen Hundewiese nicht an: Sie ist einfach nur sanft und lind und bietet ihre zarten herzförmigen Blätter, die nach fast Nichts schmecken, für den Salat an. Damit sich der Mensch nicht strecken muss, tut sie das sehr klug und freundlich: Direkt am Stamm streckt sie ein paar Dutzend Extra-Äste in die Höhe – ein echter Liebesbeweis der Natur.

>>TERMIN FÜR DIE NÄCHSTE KRÄUTERTOUR

  • Die nächste Kräutertour mit Ursula Stratmann ist am Sonntag, 23. Juni, 10 bis 12 Uhr, Treffpunkt Bootshaus Ruhreck, Langenberger Straße 1.
  • Zu all diesen Touren kann man einfach hinkommen, ohne Voranmeldung. Pro Person kostet die Tour 20 Euro, inklusive dickem Skript, Kräuterlikörchen und Sammeltüten. Jeder Ort bietet andere Kräuter und andere Schönheiten.
  • Mehr Infos zu Ursula Stratmann und den Tour-Terminen unter: www.kraeutertour-de-ruhr.de

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