Polizeisportverein Essen

Zäsur im PSV: Essener Polizeipräsident legt Vorsitz nieder

Essens Polizeipräsident Frank Richter konzentriert sich in Zukunft ganz auf seine Aufgabe als Behördenleiter. Den Vorsitz des Polizeisportvereins von 1922 legt er nieder.

Essens Polizeipräsident Frank Richter konzentriert sich in Zukunft ganz auf seine Aufgabe als Behördenleiter. Den Vorsitz des Polizeisportvereins von 1922 legt er nieder.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Essen.  Polizeipräsidenten in Essen waren in den letzten fünf Jahrzehnten immer auch Vorsitzende des Polizeisportvereins von 1922. Nun gibt es eine Zäsur

Es ist eine Zäsur in der bald hundertjährigen Geschichte des Polizeisportvereins Essen: Polizeipräsident Frank Richter hat angekündigt, den Vorsitz dieses mitgliederstarken Traditionsvereins niederlegen zu wollen. Zum ersten Mal seit mehr als fünfzig Jahren wird somit kein Polizeipräsident mehr das Amt des PSV-Vorsitzenden bekleiden.

Es war Polizeipräsident Hans Kirchhoff, der die Personalunion von Behördenleitung und Vereinsvorsitz begründet hat. Mit jedem Wechsel an der Spitze der Polizeibehörde wurde auch der Staffelstab an der PSV-Spitze weitergegeben.

Frank Richter zieht sich im PSV auf die Position eines Protektors zurück

Das Polizeipräsidium begründet den Rückzug vom PSV-Vorsitz mit der Aufgabenfülle, die er als Behördenleiter zu bewältigen habe. Um zu dokumentieren, dass er den Polizeisportverein weiterhin unterstütze, werde er die ehrenamtliche Funktion eines Protektors übernehmen, eine Art Schirmherr also.

Der Polizeisportverein Essen von 1922 - Untertitel „Der Verein für Sport und Kultur“ - zählt mit rund 2500 Mitgliedern zu den größten Sportvereinen der Stadt. Seele des Vereins sind die 14 Abteilungen - von Aikido über Schwimmen und Leichtathletik bis hin zum Polizeichor.

Der PSV steht für Breitensport und nicht minder für ambitionierten Leistungssport. In seiner langen Geschichte hat der Verein immer wieder Sport-Asse hervorgebracht, die bei nationalen und internationalen Wettbewerben erfolgreich an den Start gegangen sind. Zu den berühmtesten Repräsentanten des PSV zählt Schwimm-Weltmeister Mark Warnecke, der auch an Olympischen Spielen teilgenommen hat.

Der Klub brachte immer wieder Deutsche Meister, Weltmeister und Olympioniken hervor

Weitere PSV-Legenden sind der Ehrenvorsitzende der Judo-Abteilung Matthias Schießleder und der Karate-Kämpfer Peter Trapski, der Bundestrainer und Mitglied der Nationalmannschaft war und den größten Karate-Verein Deutschlands aufgebaut hat.

Die Leichtathletikabteilung zählte in den sechziger und siebziger Jahren zu den besten in Deutschland. Der Sprinter Edgar Krüger (Jahrgang 1944) wurde über 100 Meter mit einer Bestleistung von 10,3 Sekunden gestoppt. Die PSV-Sprintstaffel um Manfred Knickenberg gewann die Deutsche Meisterschaft über 4 x 100 Meter. Die Schwimmerin Isabel Härle war Weltmeisterin im Freiwasser. Aktuelle Schwimm-Asse sind die PSV-Schwimmer Damian Wierling (Kraulsprint) und Max Pilger (Brust), die gute Chancen gehabt hätten, bei Olympia in Tokio dabei zu sein.

Großer Beliebtheit in Essen erfreut sich der Polizeichor, der geschätzt wird wegen der stets ausverkauften Weihnachtskonzerte. Die werden in diesem Jahr wegen der Corona-Krise jedoch nicht stattfinden, heißt es.

Abteilungsleiter reagiert gelassen auf den Wechsel an der PSV-Spitze

Bernhard Gemlau, Leiter der Schwimmabteilung und Vorsitzender der renommierten Startgemeinschaft (SGS) Essen, reagiert gelassen auf den angekündigten Rücktritt des Polizeipräsidenten als PSV-Chef. „Ich bin entspannt, denn ich gehe davon aus, dass der Polizeisportverein trotz dieser Zäsur weiterbestehen wird.“

Eigentlich wäre die Wahl eines neuen PSV-Vorsitzenden längst über die Bühne gegangen. Doch die Corona-Krise warf den Zeitplan um. Nun werden die Abteilungsleiter in den nächsten Tagen darüber beraten, wie es im Verein weitergeht. Natürlich gehe es auch um die Frage: Gibt’s schon einen Kandidaten für die Nachfolge Frank Richters?

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben