Lokalpolitik

Bei Sanierung und Denkmalschutz spielt die Politik nicht mit

Das Bemühen der Stadt, ein weiteres Haus in Gelsenkirchen unter Denkmalschutz zu stellen, scheiterte vorerst an den Bezirksvertretern.

Das Bemühen der Stadt, ein weiteres Haus in Gelsenkirchen unter Denkmalschutz zu stellen, scheiterte vorerst an den Bezirksvertretern.

Foto: Volker Speckenwirth / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Nord.  Die Bezirksvertretung Nord lehnt in zwei Punkten Vorlagen der Verwaltung ab. Strittig: Sanierung der Steinmetzstraße und ein altes Doppelhaus.

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Sie werden aufmüpfig, nicken nicht alle Vorschläge der Verwaltung - wie in der Vergangenheit häufig - einfach ab. Am Donnerstagabend diskutierten die Mitglieder der Bezirksvertretung Nord sehr kontrovers mit der Verwaltung und lehnten in zwei Punkten deren Vorschläge mehrheitlich ab.

„Ich werde hier immer verprügelt“, bemerkte Beate Lepper, Abteilungsleiterin der Unteren Denkmalbehörde. Sie war sichtlich überrascht, dass die Mitglieder der Bezirksvertretung ihren Vorschlag ablehnten, die 1911 errichteten Bergmannshäuser Meisterweg 1a und 1b unter Denkmalschutz zu stellen. In der Vorlage definiert die Denkmalbehörde als charakteristische Merkmale: Wesentlich sei das Äußere mit seinem bauzeitlichen Putz, Fassadenelementen, Fenstern und Haustüren sowie der Dachlandschaft. Das Problem: Eine Hälfte des Hauses ist tatsächlich in diesem Zustand, die andere wurde renoviert, hat zwischenzeitlich moderne, dem energetischen Standard entsprechende Fenster, die zum Beispiel nicht mehr über die ursprünglichen Sprossen verfügen.

Eigentümer bekam Rederecht

Dem Eigentümer, Detlev Marewski, gewährte die Bezirksvertretung Rederecht. „Auf meiner Seite ist nichts, was an ein Bergmann-typisches Haus erinnert“, erklärte er. Auf der anderen Seite, die bis vor kurzem von einer alten Dame bewohnt wurde, sei seit 1911 nichts verändert worden. „Sie hat sogar noch mit einem Kohleofen geheizt“. Marewski war verunsichert. „Was kommen für Kosten auf uns zu? Muss ich streichen, wenn der Nachbar sein Haus anmalt?“, fragte er. Und was werde passieren, wenn ein Fenster saniert werden müsse? Dann muss der Mann, so erläuterte es Beate Lepper, dem Denkmalschutz entsprechende Fenster einbauen. Aber dafür könnte es, unter gewissen Umständen eventuell ja Fördergelder geben.

Anlieger sollen an den Kosten beteiligt werden

Die Konjunktive wollten die Bezirksvertreter nicht akzeptieren. Sie stimmten mehrheitlich gegen den Vorschlag der Verwaltung. Trotz Dringlichkeitsantrag lehnten sie auch ihre Zustimmung zu den Plänen der Verwaltung ab, die Steinmetzstraße zwischen Königgrätzer Straße und Düppelstraße zu sanieren. 315.000 Euro hat die Verwaltung für das Vorhaben einkalkuliert, das zu 50 Prozent (Fahrbahn) und 60 Prozent (Gehwege) von den Eigentümern der Häuser finanziert werden soll. Ausschlaggebend für die Ablehnung war hier, dass die Verwaltung die Kosten nicht aufschlüsseln konnte.

Da Gelsenkanal die 1898 erbaute Kanalisation Anfang 2020 erneuern möchte, plant die Verwaltung die Sanierung des Straßenabschnitts. „Wenn man den Kanal aufmacht, muss man ihn auch wieder zumachen“, sagte Dieter Kutzborski (CDU) und fragte: „Warum muss das auf die Anwohner abgegeben werden?“ Die Frage konnte die Verwaltung nicht beantworten. Christa Klink (SPD) verstand nicht, warum der Gehweg ebenfalls saniert werden soll. „Ich habe mir das angesehen. Die Platten sind in Ordnung“. Auch zu diesem Einwand gab es von der Verwaltung nur Vermutungen. „Es könnte sein, dass Gelsenkanal die Rohre zu den Häusern auch erneuern muss und deshalb die Bürgersteige aufreißt“, erläuterte die Verwaltung. Der Blick in die Glaskugel reichte den Politikern nicht. „Wir schieben die Beschlussvorlage“, schlug Bezirksbürgermeister Thomas Klasmann (SPD) vor.

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