Brauchtum

Ein Abend mit dem Sound der buerschen Heimat

Pastor Heinrich Bücker und Alfons Drake (v.l.) übergeben die Segensbotschaft des Papstes im Rahmen des Plattdeutschen Abends zum Kirchenjubiläum „1000 Jahre katholische Kirche in Buer“ im Michaelshaus an Martin Verfürth

Pastor Heinrich Bücker und Alfons Drake (v.l.) übergeben die Segensbotschaft des Papstes im Rahmen des Plattdeutschen Abends zum Kirchenjubiläum „1000 Jahre katholische Kirche in Buer“ im Michaelshaus an Martin Verfürth

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Buer.  Zum Geburtstag der katholische Kirche in Buer fand eine plattdeutsche Feier statt. Höhepunkt: die Übergabe eines Glückwunschschreibens vom Papst

Post vom Papst – die bekommt man ja nun auch nicht alle Tage. Heute aber schon. Es ist in jedem Fall der Höhepunkt dieses plattdeutschen Abends, mit dem meist zünftig, vielfach humorvoll und manchmal auch mit leisen Tönen der tausendjährigen Geschichte der katholischen Kirche in Buer gedacht wird.

Wieder sind es der Verein für Orts- und Heimatkunde, vertreten durch Georg Lecher und Josef Suttmeyer, die solch ein Spektakel auf die Beine gestellt haben. Beiden ist die aufgeregte Spannung schon früh anzumerken. Wissen sie doch, im Gegensatz zu allen Gästen, was der Abend noch bringt. Beginnen tut der aber mit fröhlichen plattdeutschen Liedchen, wie immer charmant und authentisch vorgetragen von den jung gebliebenen buerschen Sängerknaben. Dann gesellen sich die tanzenden Landfrauen der Volkstanzgruppe Wulfen dazu. Die sind einmal mehr angereist mit ihrem Puppen-Maskottchen, mit liebenswerten Traditionen von Tanz bis Tracht und mit ansteckend guter Laune.

Gute Zuhörer verstehen den Dialekt

Eine Herausforderung für manch einen Besucher stellen die Beiträge von Pastor Heinrich Brücker dar. Der erzählt Dönekes von früher – allesamt auf Platt. Da muss man schon gründlich zuhören, dann aber geht’s mit dem Verstehen. Hierin jedoch liegt das Schöne, geht es doch mit solch Formaten darum, eine alte Sprache, ja sogar den Sound der Heimat lebendig zu halten. Und so altbacken wie manch einer meinen mag, ist das alles gar nicht. Heinrich Brücker erzählt von den Menschen in Westfalen und der Menschlichkeit – in allen Facetten. Er berichtet vom Miteinander, von der zugegeben etwas drögen aber vorhandenen Herzlichkeit und macht deutlich, das muss nicht verloren sein. Ein authentisch vorgetragenes Plädoyer für den Frieden, auch vor der eigenen Haustür, erntet dann auch spontanen Applaus.

Romantische Ode an die Heimat

Wenig später folgt ein erster Höhepunkt des Abends: Die buerschen Sängerknaben singen „Min Buer bliew Buer“, eine fast vergessene romantische Ode an die Heimat, um deren musikalische Auferstehung sich der Chor seit längerem bemüht. Ohne Zweifel ein Heimat-Hit der es Wert wäre, viel öfter gesungen zu werden. Die Gäste sind daher auch eingeladen, mitzusingen. Der Saal-Chor jedoch ist etwas schwach auf der Brust. Noch. Beim folgenden Lied „Mein Vater war ein Wandersmann“ ist das ganz anders. Insbesondere eine Passage erklingt ganz laut: „Wi sind nich junk wi sind nich aolt, wi sind so mitten drin.“ Auch ein Statement.Hier gibt es mehr Artikel und Bilder aus Gelsenkirchen-Buer

„Hoher“ Besuch vom Legat des Papstes

Erst nach acht Uhr und einem schon zweistündigem Programm kündigt sich hoher Besuch an: der Legat des Papstes. Tatsächlich ist der natürlich nicht echt, wird gemimt von Pastor Heinrich Brücker im Kostüm. Sein Dolmetscher ist Alfons Drake. Beide unterhalten das Publikum – ersterer mit wahllos zusammen gesetzten italienischen Wörtern, zweiter mit deren humoristischen Übersetzungen. Das wirkt schon ein bisschen wie eine Klamotte, stellt aber auch unter Beweis, die Post vom Papst wird hier ganz entspannt entgegen genommen und Humor haben die Katholiken ohnehin. Dann wird sie enthüllt, die Urkunde. Jene zieren ein Bild des Heiligen Vaters und ein paar Grußworte. Darin erteilt das Kirchenoberhaupt der Gemeinde den Apostolischen Segen. Nicht unverdient, findet Josef Suttmeyer, der beim Vatikan um diese Urkunde bat. „Wir feiern ja, dass der katholische Glaube hier in Buer erhalten geblieben ist. In anderen Gemeinden ist der katholische Pfarrer ja auch schon mal evangelisch geworden“, spielt er auf die Zeiten der Reformation an.

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