Kommentar

Engagement würdigen und selbst helfen

WAZ-Redakteurin Sibylle Raudies  

WAZ-Redakteurin Sibylle Raudies  

Ohne Ehrenamtler funktioniert eine Gesellschaft nicht. Neben der Würdigung ihrer Arbeit braucht es aber auch mehr Mitstreiter. Ein Kommentar.

Wir können es gar nicht genug würdigen, wenn Menschen anderen das Kostbarste schenken, das sie zur Verfügung haben: Zeit. Genau das tun Ehrenamtler. Sie nehmen eigenständig wahr, wo Not am Mann/an der Frau ist, sie fragen nicht, was sie davon haben. Und meist halten sie selbst ihren Einsatz nicht einmal für etwas Besonderes, sondern für selbstverständlich. Das gilt für die Leseförderin in der Brennpunktschule ebenso wie für den Feuerwehrmann, die Jugendteamleiterin, die Sportförderer und die Frau, die sich um Menschen kümmert, die auf der Straße leben. Selbstverständlich allerdings ist all das wahrhaftig nicht. Leider.

OB Frank Baranowski sprach die Filterblasen an, in denen Menschen sich zunehmend bewegen. Blasen, in denen es nur Klagen, Wut und Gegeneinander statt Miteinander gibt. Blasen, in denen Leid und Bedürfnisse von Menschen jenseits der Blase gar nicht vorkommen. Umso höher sei der Einsatz für die Stadtgesellschaft einzuschätzen, betonte der erste Bürger der Stadt. Zu Recht.

Von wegen „nicht zuständig“

Man mag sich nicht vorstellen, wie das Leben in unserer Gesellschaft aussähe, wenn alle sich auf den Standpunkt stellen würden, „das soll die Stadt/ der Staat/ ein anderer“ machen oder „was geht mich das an“. Denn das sind die Hauptausreden jener, die sich grundsätzlich für „nicht zuständig“ halten.

Den Einsatz würdigen

Doch wenn zu viele Menschen so denken und handeln, kann eine Gesellschaft nicht funktionieren. Irgendwann im Leben ist jeder auf Unterstützung oder zumindest die Aufmerksamkeit anderer angewiesen, menschliche Unterstützung. Aber auch Ehrenamtler haben Grenzen. Ihren Einsatz zu würdigen, ist eine Sache. Die andere ist, sich selbst einzubringen. Wenn mehr Menschen ihren Teil dazu beitragen, dass das Miteinander gelingt, geraten Ehrenamtler gar nicht erst an ihre Grenzen. Übrigens: Helfen macht erwiesenermaßen auch Helfer glücklicher. Glücklicher jedenfalls als Hetze.

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