Kirche

Gelsenkirchener Diakoniepfarrer Metz geht in den Ruhestand

Diakoniepfarrer Ernst Udo Metz sitzt am Dienstag, 10. Dezember 2019 in Gelsenkirchen in seinem Büro. Der Pfarrer geht in den Ruhestand. Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Diakoniepfarrer Ernst Udo Metz sitzt am Dienstag, 10. Dezember 2019 in Gelsenkirchen in seinem Büro. Der Pfarrer geht in den Ruhestand. Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

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Gelsenkirchen.  Der Theologe engagierte sich in der Flüchtlingsarbeit und für den sozialen Arbeitsmarkt. Wichtig war ihm immer, Sprachlosen eine Stimme zu geben.

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„Die Zeit ist um.“ Gelassen lächelnd sitzt Pfarrer Ernst Udo Metz da, hinter sich fast 38 Jahre Dienst im Evangelischen Kirchenkreis Gelsenkirchen/Wattenscheid, vor sich ein weißes Blatt Papier namens Ruhestand – für das er so gar keine Farben in die Hand nehmen mag. „Wir verfügen nicht über die Zukunft. Man kann sich viel ausmalen, aber das Bild am Ende sehen wir noch nicht“, meint der langjährige Horster und Neu-Resser, und er muss es wissen bei so viel Erfahrung mit Unvorhergesehenem: Als theologischer Vorstand des Diakoniewerks etwa war er 2015 mit der Herausforderung der hohen Flüchtlingszahlen konfrontiert. Sie hat ihn tief geprägt.

Gelsenkirchens Diakoniepfarrer blickt zurück auf eine spannende Zeit

„Fünf Jahre im Diakoniepfarramt sind eigentlich keine so lange Zeit, aber sie war schon spannend. 2015 wurde das Diakoniewerk mit der Koordination der Flüchtlingsarbeit beauftragt. Innerhalb kürzester Zeit galt es, in Kooperation mit der Stadt und anderen Trägern die Erstversorgung nach der Ankunft sicherzustellen, etwa in der Emscher-Lippe-Halle. Später übernahmen wir die Wohnungsverwaltung für die Unterbringung der Flüchtlinge, bauten die Flüchtlingshilfe im Quartier mit auf.“

Dass sich das Ganze nach vier Jahren so gut etabliert hat mit Sprachkursen, Begegnungen und Praktika, darüber freut sich der 65-Jährige sehr. Auch und gerade als Pfarrer, dessen Anliegen es immer war, Menschen Orientierung und Halt zu geben. Und sich mit dem Erreichten nicht zufrieden zu geben: „Kirche und Diakonie haben immer etwas noch Ausstehendes zu vertreten. Sie helfen mit, Mutmachendes zu entdecken, das in die richtige Richtung weist, und geben Sprachlosen eine Stimme.“

Metz ist gebürtiger Siegerländer

Für sich entdeckt hat der gebürtige Siegerländer diesen Weg als Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr. „Da war mir plötzlich völlig klar, dass ich Pfarrer werden wollte.“ Nach dem Theologie-Studium kam er als Vikar nach Gelsenkirchen – und blieb. Zunächst fünf Jahre als Pfarrer in Bismarck, dann 15 Jahre in Heßler und acht Jahre in Horst, bevor er 2014 das Amt des Diakoniepfarrers antrat.

Dabei nahm er vielfältige Aufgaben im Kirchenkreis wahr, den Vorsitz im synodalen Jugendausschuss etwa oder – die vergangenen 14 Jahre – die Leitung des synodalen Finanzausschusses. Er gestaltete die Finanzausgleichssatzung mit, die solidarische Hilfen leistungsfähigerer Gemeinden für strukturschwächere vorsieht, und machte sich stark für ein „gut geplantes Gebäudemanagement“, wie er sagt. „Der damit verbundene Rückbau von Gemeindehäusern war sehr schmerzlich und nicht leicht zu schultern, aber unvermeidbar für einen auskömmlichen Haushalt.“

Fahrt mit Langzeitarbeitslosen nach Berlin

Woran er als Diakoniepfarrer besonders gerne zurückdenkt? „An die Fahrt mit Langzeitarbeitslosen nach Berlin im Rahmen des Bundesprojekts Soziale Teilhabe, das das Diakoniewerk als Träger in Kooperation mit dem Kirchenkreis durchführte. Dort erlebten die Teilnehmer die Diskussion um den sozialen Arbeitsmarkt konkret mit und fühlten sich erstmals richtig eingebunden in den Prozess, nicht nur als Rädchen in einer großen Maschinerie.“

Wichtig war ihm auch die Bekräftigung des „Gelsenkirchener Appells“ als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Wohlfahrtsverbände. Seine Hoffnung: „Dass Langzeitarbeitslose nach ihren Talenten und Fähigkeiten eingesetzt werden, nicht nach ihrem wirtschaftlichen Ertrag. Was das betrifft, ist der Gelsenkirchener Appell noch nicht ganz eingelöst.“

Große Pläne für Weltreisen oder neue Hobbys hat er nicht

Was seine eigene Zukunft angeht, agiert der dreifache Vater deutlich unbestimmter: Große Pläne für Weltreisen oder neue Hobbys hat er nicht. „Ich freue mich, mehr Zeit für meine Familie zu haben. Ansonsten halte ich es mit Cicero, wonach ein Garten und eine Bibliothek alles sind, was ein Mensch braucht. Letztlich bezweifle ich aber doch stark, dass ich dann alles hätte, was ich brauche“, meint der Theologe. Sich zu begnügen, nein, das wird seine Sache auch im Ruhestand nicht sein.

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