Schule

Realschule in Gelsenkirchen-Erle verabschiedet sich bald

Die Gerhart-Hauptmann-Realschule in Erle ist bald Geschichte. Bettina Schilde und Andreas Lisson vor dem Plakat, das auf die Abschiedsveranstaltung am Dienstag, 2. Juli, hinweist.

Die Gerhart-Hauptmann-Realschule in Erle ist bald Geschichte. Bettina Schilde und Andreas Lisson vor dem Plakat, das auf die Abschiedsveranstaltung am Dienstag, 2. Juli, hinweist.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Erle.  1981 nahm die Gerhart-Hauptmann-Realschule in Gelsenkirchen-Erle ihren Betrieb auf. Bald wird dort der letzte Jahrgang verabschiedet.

Kritik und Enttäuschung schwingen mit, wenn Bettina Schilde feststellt: „Wir waren immer die Stillen.“ Seit 27 Jahren arbeitet sie als Lehrerin, seit drei Jahren als kommissarische Leiterin der Gerhart-Hauptmann-Realschule in Erle, da steht ihr dieses Urteil zu.

Der geräuschlose Schulbetrieb, der an der Mühlbachstraße gepflegt wird, darf aber durchaus positiv interpretiert werden.

Generationen von Schülern

Generationen von Schülerinnen und Schülern haben dort das notwendige Rüstzeug erworben, um am Ende ihrer mittleren Schullaufbahn mit der Ausbildung für anspruchsvolle Berufe zu beginnen oder den Wechsel in die Oberstufe zu meistern. „Ich habe hier Kinder unterrichtet, deren Eltern schon hier die Realschule besucht haben“, sagt Bettina Schilde mit berechtigtem Stolz in der Stimme. Dann kann die pädagogische Arbeit so schlecht nicht gewesen sein.

Am Standort Mühlbachstraße im Jahre 1981 in einem „gestaffelten Kreuzflügelbaukörper“ eröffnet, geht die Geschichte der GHR dort nach fast 40 Jahren ganz bewusst zu Ende. Nach dem einstimmigen Beschluss der Schulkonferenz im Jahr 2010, mit Blick auf die Entwicklung der Bevölkerungszahlen die Erler Realschule Jahrgang um Jahrgang auslaufen zu lassen, steht jetzt mit Ende des aktuellen Schuljahres die Schließung der Realschule an.

Letzter Jahrgang mit 107 Schülern

Hatte die Realschule in guten Zeiten rund 800 Schülerinnen und Schüler und konnte durch die geburtenstarken Jahrgänge auch fünfzügig geführt werden, so sind es jetzt 107 Schüler, die am 4. Juli ihre Abschlusszeugnisse erhalten werden. Bettina Schilde: „Die Realschule war immer ganz nah dran, an Schülern, Lehrern und Eltern.“ Konzipiert als eine Schule für den Stadtteil, verfügte sie dennoch über einen viel größeren Einzugsbereich.

„Unsere Schüler wohnen alle entlang der Straßenbahnlinie 301 und kommen auch aus Beckhausen und Horst“, weiß Bettina Schilde. Nicht zuletzt das Schulprofil mit mathematisch-naturwissenschaftlicher (MINT-)Ausrichtung und zweisprachigen Unterrichtsangeboten hat der Schule immer einen konsequenten Zulauf beschert. Bettina Schilde: „Wir mussten nie um Schüler werben.“ Wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass der Schulbetrieb eher selten im Fokus des öffentlichen Interesses stand.

Netzwerke brechen weg

Hat ein dreigliedriges Schulsystem aus Hauptschule, Realschule und Gymnasium parallel zu den Ganztagsschulformen wie Gesamt- und Sekundarschulen noch eine Berechtigung? Aus Sicht einer langjährigen Realschullehrerin stellt sich diese Frage für Bettina Schilde eigentlich nicht. Denn sie weiß um die Vorzüge der von ihr vertretenen Schulform: „Viele Eltern haben haben sich vor dem Hintergrund von den G 8-Auswirkungen an den Gymnasien bewusst für die Realschule entschieden, weil die Schüler hier stressfreier und behüteter aufwachsen konnten.“ Gleichwohl ist ihr bewusst, dass die Realschule nicht mehr allein überleben könne. Vorhandene Netzwerke funktionieren nicht mehr so wie in der Vergangenheit, Hauptschulen werden kaum noch nachgefragt.

„Aber“, so fragt Andreas Lisson, Leiter der Gesamtschule Erle, der zuvor die Realschule über einen Zeitraum von fünf Jahren geführt hatte, „wo bleiben jene Schüler, die eigentlich abgeschult werden müssten, wenn es keine Hauptschule mehr gibt?“ Und wie ist es um Aufgaben wie Integration und Inklusion bestellt, die immer mehr den Schulalltag bestimmen? Auch vor diesem Hintergrund verteidigt er sein bewusstes Ja für die Gesamtschule und den einstimmig gefassten Beschluss der Schulkonferenz, der in der Konsequenz zum Aus für die Realschule geführt hat.

Wiedererkennungswert

Im gleichen Maße, wie sich die GHR verkleinerte, wuchs im Schulgebäude und inzwischen auch an anderen Standorten die Gesamtschule Erle heran. Lisson setzt an der Gesamtschule bewusst auf einen hohen Wiedererkennungswert und zählt auf, was dort von der Gerhart-Hauptmann-Realschule übernommen wurde: „Die Musical-Gala, das Sportfest, das Fußballturnier, der Adventsbasar.“ Und er ist froh darüber, dass das Miteinander der beiden Schulen so unkompliziert vonstatten ging, dass die Gesamtschule sich ganz organisch entwickeln konnte.

Für ein paar Tage noch steht Bettina Schilde „mit beiden Füßen in beiden Schulformen“. Die Leitung der Realschule muss sie jetzt aufgeben, als Abteilungsleiterin arbeitet sie schon an der Gesamtschule, mit dem neuen Schuljahr dann auch für die beiden Jahrgänge 9 und 10.

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