Musik

Rockorchester begeistert mit seiner „Rocky Horror Show“

Das Rockorchester Ruhrgebeat griff auf der Kanalbühne in die Vollen.

Das Rockorchester Ruhrgebeat griff auf der Kanalbühne in die Vollen.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Rockorchester Ruhrgebeat reist mit „Vollgas-Rock“ im Amphitheater durch 50 Jahre Rockgeschichte. „Rocky Horror Show“ bekommt neuen Anstrich.

Nieselregen? Kein Thema. Bei dem Feuer spielt das Wetter im Amphitheater keine Rolle. Denn was das Rockorchester Ruhrgebeat (RoR) diesmal auf der Kanalbühne im Nordsternpark abbrannte, war mehr als genug Brennstoff für einen Überblick über „50 Jahre Rockgeschichte“. RoR hatte „Vollgas“ angekündigt, und hielt den Fuß auf dem Pedal und die Drehzahl über den ganzen Abend am Anschlag.

Erste Salven von Gitarre und Drums

Schon beim Aufwärmen hat Moderator Christian Müller-Espey das Publikum im gut gefüllten Halbrund im Griff. Die Fans sind bereit für eine wilde Zeitreise.

Gitarrist Paul Neumann hält sich denn auch gar nicht lange im Bühnenhintergrund auf, marschiert an die Kante und lässt den ersten von unzähligen „Schwingergriffen“ in und über die Saiten kreisen und mit Marco Niemann an den Drums regelrechte Akkord-Salven los.

Woodstock macht sentimental

Die frühe Dämmerung eines grauen August-Abends und die Stimmung lässt die Zuhörer umgehend die Handy-Lichter anwerfen. Und weil man ja zum inzwischen achten Male auch immer wieder unter sich ist, kommentiert auch niemand Espeys Verhaspler.

Denn sowohl bei dem eine ganze Generation prägenden Festival, das natürlich heute hier auch Einfluss hat, wie auch bei der Verstärkung des Rockorchesters muss er umgehend korrigieren: Woodstock war nicht 1996, sondern ‘69, und der Junge Chor stammt aus Beckhausen, nicht aus Rotthausen. Dort ist RoR natürlich auch schon aufgetreten, und Janis Joplins legendäres „Me & Bobby McGee“ präsentiert Sängerin Sonja Seckler in der Ruhrgebeats-Neuauflage mehr als würdig. Die Richtigstellung fällt dem Moderator nicht schwer und wird verziehen.

Wilder Stilmix mit rasendem Tempo

Denn die Zeit- und Genre-Sprünge, die hier heute Abend noch warten, sind gewagt, sind fast unglaublich weit. Aber sie werden grandios gemeistert. Dabei riskiert RoR sogar kurz hintereinander hart und heavy mit „Highway to Hell“ von AC/DC, Opern-Rock mit Meat Loafs „Bat out of Hell“ und dann gleich „Bridge over troubled Water“ von Simon & Garfunkel, die Klammer-Blues-Softrock-Ballade von 1970.

Die RoR-ler haben es außerdem gern persönlich, soweit das vor vollem Hause überhaupt möglich ist. Sie vergessen nicht, auf die Klinik-Clowns hinzuweisen, die durch die Reihen wuseln und per Becher-Pfand oder in bar Spenden für ihre Visiten in den Kinderkliniken hinzuweisen. Selbst der Junggesellinnen-Abschied von Tanja im Publikum wird gewürdigt und begrüßt.

Ohrwürmer und Luftgitarren

Als wäre es noch nicht genug, das Rockorchester hat noch einige Ohrwürmer in petto und greift ganz tief in die Kiste. Bei Michael Holms „Tränen lügen nicht“ reicht ein vielstimmiges „A-ha-ha-ha“ zum Stimmenfang, damit die Luftgitarren bei „Mendocino“ ansatzlos in Betrieb gehen können.

Immer noch nicht genug, der „Song of Joy“ von Uli Veßhoff nimmt sie alle mit, und dann, tatsächlich, geht’s ans große Kino: Das Rockorchester liefert die „Rocky Horror Picture Show“, den „Time Warp“, den „Sweet Transvestite“ mit Stepptanz und lasziven Gesten.

Noch einmal heißt es Luftholen, denn zum Finale legt RoR die Toten Hosen und „Tage wie diese“ nach, gefolgt von Deep Purples „Smoke on the Water“ und einem Queen-Medley.

Die Wunderkerzen, die in der Pause verteilt wurden, waren eigentlich für die Rockorchester-Hymne „Hier brennt ein Feuer“ geplant. Aber das hat ja den ganzen Abend über gebrannt, und wie.

• Fotostrecke auf www.waz.de/gelsenkirchen

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