Arbeiterwohlfahrt

Awo wird zum 100. Geburtstag mit Komplimenten überhäuft

Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski (l.) und Bottrops OB Bernd Tischler (r.) dankten der Arbeiterwohlfahrt (Awo) für ihr Engagement in Vergangenheit und Gegenwart. Im Gespräch mit Moderator Ralf Laskowski würdigten sie die Awo als verlässlichen Partner der Städte.

Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski (l.) und Bottrops OB Bernd Tischler (r.) dankten der Arbeiterwohlfahrt (Awo) für ihr Engagement in Vergangenheit und Gegenwart. Im Gespräch mit Moderator Ralf Laskowski würdigten sie die Awo als verlässlichen Partner der Städte.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Mit einem Empfang feierte der Awo-Unterbezirk Gelsenkirchen/Bottrop das Jubiläum. Oberbürgermeister würdigen den Einsatz der Mitarbeiter.

„Boah, wat siehsse gut aus!“ – Wenn eine 100-Jährige ein solch überschwängliches Kompliment zu hören bekommt, dann muss die alte Dame schon beachtlich „in Schuss“ sein. Doch Bernd Zenker-Broekmann, der an diesem Sonntagmorgen auf der Bühne von Schloss Horst den Charmeur gibt, sollte es auch wissen als einer von zwei Vorsitzenden des Arbeiterwohlfahrt-Unterbezirks Gelsenkirchen/Bottrop: Die Awo hat 100 Jahre nach ihrer Gründung durch Marie Juchacz noch immer so viele Aufgaben in der Wohlfahrtspflege zu bewältigen, dass sie gar keine Zeit für Alterswehwehchen hat. Das war jedenfalls das Fazit des feierlichen Empfangs in der Glashalle mit zahlreichen geladenen Gästen.

Ziele der Gründungsmutter Juchacz (1879-1956) wie soziale Absicherungen und das Frauenwahlrecht mögen längst erkämpft sein – das Engagement für sozial Benachteiligte, für Familien, Kinder, Senioren, Flüchtlinge und andere Menschen in Krisensituationen sei aber nach wie vor notwendig, machten alle Redner deutlich.

„Respekt, Toleranz und Gerechtigkeit“ in Zeiten des Kapitalismus hochaktuell

Im Gegensatz etwa zu privaten Pflegediensten stehe bei der Awo Rendite nicht im Mittelpunkt der Arbeit, weswegen sie auch das besondere Vertrauen der Menschen genieße, betonte Michael Groß, SPD-Bundestagsabgeordneter und Leiter der Awo-Parlamentariergruppe, im Gespräch mit Moderator Ralf Laskowski. Insofern seien „Respekt, Toleranz, Gerechtigkeit und das Gespräch auf Augenhöhe“ als Leitmotive der Gründungszeit nicht nur unverzichtbar, sondern im Kapitalismus hochaktuell.

Als „verlässlichen Partner“ würdigten Gelsenkirchens und Bottrops Oberbürgermeister, Frank Baranowski und Bernd Tischler, die Awo, betreibt sie doch in beiden Städten Kindergärten und Offene Ganztags-Betreuungen an Schulen (OGS). Dass die Awo in der Nachbarstadt mehr Kitas betreibe als in Gelsenkirchen, „darum beneide ich Bottrop“, erklärte Baranowski. „Das würde Gelsenkirchen auch nicht schaden.“

„Die Awo ist bei den Menschen“

Beeindruckt zeigten sich beide von der Arbeit der Ehrenamtlichen in den Quartieren: 16 Ortsvereine zählt Gelsenkirchen, sieben Bottrop. „Das zeigt, wie sehr die Awo bei den Menschen ist und dass sie die Fahne der Wohlfahrt hochhält“, lobte Tischler. Für die Stadt Bottrop sei dies ein Vorbild. „Da haben wir von der Awo gelernt. Wir gehen nun zunehmend in die Quartiere und erzielen mit dezentraler Arbeit beachtliche Erfolge.“ Baranowski erinnerte unterdessen an das herausragende Engagement der Wohlfahrtsverbände um 2015, als innerhalb von kürzester Zeit zahlreiche Flüchtlinge untergebracht werden mussten. „Ohne sie wären wir Städte überfordert gewesen!“

„Der Service der Arbeiterwohlfahrt sei „nicht irgendein Angebot“, sondern getragen „von einer klaren gesellschaftspolitischen Grundidee und von Menschen, die wissen, wie die Städte funktionieren; deshalb dürfen solche Strukturen auch nicht auf einem freien Markt geopfert werden“, erklärte Baranowski – und wünschte der alten Dame Awo zum Geburtstag „weiterhin, auf der Höhe der Zeit zu bleiben und das Gespür dafür zu haben, was nötig ist.“ Dass dies nicht so einfach sein wird angesichts rückläufiger Zahlen Ehrenamtlicher, deuteten ebenfalls alle Redner an. Aber Herausforderungen ist die Jubilarin ja gewohnt.

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