Heftreihe Heimatbund

Bismarck und die Preußen haben Gelsenkirchen stark geprägt

Kernige Botschaft: „Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt“ steht auf der Karte, mit der ein Pfarrer die Geburt und Taufe (18. August 1895) von Paula Aletta Ada Schürmann, der ehelichen Tochter von Steiger Eugen Schürmann und Fanny Axthelm bescheinigt.  

Kernige Botschaft: „Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt“ steht auf der Karte, mit der ein Pfarrer die Geburt und Taufe (18. August 1895) von Paula Aletta Ada Schürmann, der ehelichen Tochter von Steiger Eugen Schürmann und Fanny Axthelm bescheinigt.  

Foto: Sammlung Gast

Gelsenkirchen-Altstadt.  Hildegard Schneiders folgte in der Flora den Spuren der Preußen in Gelsenkirchen. Heft 22 des Heimatbunds dokumentiert die akribische Recherche.

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Geschichtsstunde für Erwachsene hätte Autorin Hildegard Schneiders das Ergebnis ihrer akribischen Recherche bezeichnen können. In der Flora folgte die ehemalige Pädagogin in ihrem Vortrag den Spuren der Preußen in Gelsenkirchen.

Noch heute erinnern preußische Adler an Fassaden, Kaiserbüsten auf Denkmälern, Straßennamen an die Zeit der Preußen. Auch in Gelsenkirchen blühte der preußische Patriotismus, kannte die Glorifizierung von Kaisern und Reichskanzler Bismarck keine Grenzen. Ein Ergebnis der Geschichtsreise verblüfft dennoch: Für die Autorin ist Gelsenkirchen der Welt bedeutendste Bismarck-Stadt. Die Verehrung für Otto von Bismarck, den eisernen Kanzler, setzte vor allem nach seinem Tod im Jahre 1898 ein. „Bismarck“, sagt Hildegard Schneiders, „wurde zum Helden verklärt.“

Bismarckhain, Bismarcksäule, Bismarck-Schule

Denkmäler und Bismarcksäulen entstanden, Schulen, Straßen oder Museum erhielten den Namen des Staatsmannes. Die ehemalige Braubauerschaft durfte sich 1900 nach der Erlaubnis durch Bismarcks Sohn Bismarck nennen. Bismarckhain (das heutige Zoom-Gelände), Bismarck-Schule, Bismarckstraße folgten. Auch eine Zeitung, Post, Bahnhof, Apotheke und Kampfbahn ehrten mit ihren Namensgebungen den Staatsgründer. Die Bergmannskolonie an der heutigen Parallelstraße hieß bis 1937 Bismarck-Kolonie. Colorierte Postkarten mit Motiven vom Caféhaus Bismarckhain oder Ausflugszielen erinnern an den verehrten Reichskanzler.

Gegengewicht zu Arbeitnehmerbewegungen

Nicht nur in der Stadthalle am Stadtgarten feierten die Anhänger am 1. April seinen Geburtstag. Viele Gäste besuchten die mit einer Büste im Eingangsbereich dekorierte Bismarckhalle an der Ecke Schalker/Hochstraße, heute Hansemann-/Hauptstraße. 1882 gründete sich in der Halle der evangelische Arbeiterverein. Als konservatives Gegengewicht zu Arbeitnehmerbewegungen in der SPD und zu katholischen Vereinen sei das ganz im Sinne Bismarcks erfolgt, meint Schneiders. Der habe die Gruppierungen als Staatsfeinde angesehen.

Zu einem amtlichen Dokument wurde eine Postkarte, auf dem eine Bismarckbüste abgebildet war. Pfarrer Peter hatte auf der Karte 1895 die Taufe der kleinen Paula im Jahre 1895 in der evangelischen Gemeinde Bismarck dokumentiert.

Ein Zeugnis verherrlichender Bewunderung Bismarcks ist heute noch an der Seitenfassade der Museumsvilla an der Horster Straße zu sehen. Das Medaillon zeigt den Reichskanzler, geschmückt mit Turban und Federbusch, neben Kaiser Wilhelm II. Auch der Bismarckturm auf dem Mechtenberg ist noch erhalten. Der Grundstein wurde 1900 zu dessen Geburtstag am 1. April gelegt, die Einweihung erfolgte einen Tag vor seinem Todestag am 30. Juli.

Adler als Wappentiere und Hoheitszeichen an Fassaden

Omnipräsent erschienen in Preußen Adler als Wappentiere und Hoheitszeichen an Fassaden und offiziellen Gebäuden. Im Relief an der Gertrud-Bäumer-Realschule taucht der majestätische Greifvogel heute noch ebenso auf wie im Relief am Bahnhofsausgang. Auch über dem ehemaligen Postgebäude, dem heutigem Verwaltungsgericht, zeigt ein Adler seine Schwingen. Kaiser, Generäle und Städte, in denen entscheidende Schlachten geschlagen wurden, gaben Monumenten, Straßen, Parkanlagen, Gärten oder Restaurants in Gelsenkirchen ihre Namen. In die Euphorie unter den Bürgern mischten sich auch kritische Stimmen unter Künstlern, die in ihren Karikaturen über die Denkmalflut spotteten.

Mit Wissen vollgepumpt bedankten sich die vielen Zuhörer für die heimatlichen Lehrstunden mit kräftigem Applaus.

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