Einkaufszentrum

Buer blickt skeptisch auf Marls Pläne für ein Outlet-Center

Marls technische Dezernentin Andrea Baudek vor dem Rathaus am Marler Stern. Die Renovierung des Zentrums ist längst in vollem Gange.

Marls technische Dezernentin Andrea Baudek vor dem Rathaus am Marler Stern. Die Renovierung des Zentrums ist längst in vollem Gange.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Buer/Marl.  Im Marler Stern soll bis zum Herbst 2020 ein riesiges Outlet Center entstehen. Gelsenkirchens Wirtschaftsförderer wartet noch auf Einbindung.

„Revitalisierung eines leerstehenden Einkaufszentrums“ nennt Kristofer Jürgensen, Geschäftsführer der Firma Outlet Evolution Services GmbH, seine ambitionierten Pläne für eines der ältesten und größten innerstädtischen Shopping-Center in Nordrhein-Westfalen. Im nur zehn Kilometer entfernten Marler Stern, der mit der S-Bahn aus Buer in sieben Minuten erreicht werden kann, plant er ein Outlet-Center.

Zusammen mit Hubert Schulte-Kemper, einem der schillerndsten Unternehmer-Persönlichkeiten des Ruhrgebiets, will Jürgensen das Marler Zentrum wieder beleben. Der 73-Jährige „HSK“, einst Chef der Essener Hypotheken-Bank und jetzt Vorstandsvorsitzender der Fakt AG, einer Beratungsgesellschaft für Banken, Unternehmen und Kommunen, Honorarkonsul der Republik Ungarn, Professor emeritus der Katholischen Universität in Tegoucigalpa in Honduras und vor allem Marler, kann und will sich nicht zur Ruhe setzen.

50 Millionen Euro Investition in den Marler Stern

Insgesamt investiert die Fakt AG rund 50 Millionen Euro in den Marler Stern. Der erste Bauabschnitt, das Untergeschoss mit Geschäften für den täglichen Bedarf, wurde bereits im September eröffnet. Im Herbst 2020 soll das Outlet fertig sein. Im „Marlet“, so der Name der neuen Mall, sollen sich 70 bis 90 Stores auf einer Verkaufsfläche von 15.000 Quadratmetern ansiedeln. Welche Läden genau, darüber wird zur Zeit noch geschwiegen. „Oben wird es eine kleinteilige Ansiedlung geben, wie sie bereits bei der Gründung des Marler Sterns stattgefunden hat“, sagt HSK. Also ein Sortimentenmix aus Mode, Lifestyle, Spielwaren, Geschenkartikeln, Süßwaren und Handwerkerbedarf. Kunden sollen die Markenartikel zu 30 bis 70 Prozent unter dem unverbindlichen Verkaufspreis erwerben können.

Klar ist, „dass das neue Shoppingareal zu den zehn größten Outlet-Centern Deutschlands gehören wird“, schreibt Jürgensen auf seiner Internet-Seite. Und weiter: „Das Center ist hervorragend in die städtische Infrastruktur eingebunden, zum Beispiel unmittelbar an den Zug- und Busbahnhof angedockt. Autofahrer können sich über 2000 kostenfreie Parkmöglichkeiten freuen. In 60 Fahrtminuten werden rund acht Millionen Einwohner erreicht – der Standort verfügt damit über eines der größten Einzugsgebiete im Outlet-Business Deutschland.“

Gemischte Gefühle bei den Geschäftsleuten in Buer

In Buer schaut man mit gemischten Gefühlen auf die Pläne des nördlichen Nachbarn. „Ein Outlet-Center ist immer eine Konkurrenz“, sagt der Vorsitzende der Werbegemeinschaft im Stadtnorden, Ole Siemienski. „Ich begrüße das nicht unbedingt, mal schauen, was passiert.“ Konkrete Pläne, wie die Geschäftswelt rund um Hoch-, Blinde- und Nienhofstraße reagieren könnte, gibt es scheinbar nicht. „Marl hat mit seinem großen Einkaufszentrum in City-Lage schon in den Siebzigern einen anderen Weg als Gelsenkirchen beschritten und damit Höhen und Tiefen erlebt“, sagt Gelsenkirchens Wirtschaftsförderer Christopher Schmitt.

Die Sanierung des Marler Stern sei aufwendig und es bleibe abzuwarten, ob das neue Konzept aufgehen wird. „Das geplante Outlet-Center beobachten wir in seinen Auswirkungen auf Gelsenkirchen und insbesondere Buer mit großer Aufmerksamkeit. Eine offizielle Beteiligung Gelsenkirchens hat bislang nicht stattgefunden. Wir haben die Erwartung, dass sie demnächst erfolgen wird.“

Bis zu 17.000 Besucher am Tag als Zielmarke

„Wir müssen Gelsenkirchen nicht beteiligen“, erwidert HSK. Denn an der Struktur und am Flächennutzungsplan ändere sich nichts. „Außerdem hat uns auch keiner geholfen, als wir in Marl eine Kaufkraft von 3400 Euro vorweisen konnten, während Buer auf 8400 Euro zurückgreifen konnte“, so HSK. In Marl hat man derweil das Ziel ausgegeben, täglich 15.000 bis 17.000 Besucher in den neuen Marler Stern zu locken. Ob darunter auch Gäste aus Buer sein werden, mag Schmitt „aktuell nicht zu prognostizieren“. Ob ein Kaufkraftabfluss erfolgen wird, ebenfalls nicht. „Gleichzeitig tut sich ja in Buer gerade allerhand in Sachen Attraktivitätssteigerung“, meint Schmitt. Was HSK, ein nach eigener Auskunft enger Freund nicht nur von St. Urbanus, so nicht unterschreibt. „Wenn die Bedeutung des Stadtteils Buer wieder aufgefrischt wird, würde mich das sehr freuen. Wenn Buer etwas Neues macht, gratuliere ich“, sagt er.

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