Politik

Arbeitsminister Heil sieht äußerst dynamischen Wandel

Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales, sprach im Hans-Sachs-Haus beim „Bürgerdialog“ über die Herausforderungen der Digitalisierung in der Arbeitswelt.

Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales, sprach im Hans-Sachs-Haus beim „Bürgerdialog“ über die Herausforderungen der Digitalisierung in der Arbeitswelt.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Altstadt.  Bundesarbeitsminister Heil referiert im „Bürgerdialog“ der SPD Gelsenkirchen. „Technologischer Wandel ist nicht gleich eine Bedrohung“.

Auf ein Zitat des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt („den kann man ja zitieren“) griff Bundesarbeitsminister Hubertus Heil beim „Bürgerdialog“ des SPD-Unterbezirks im Hans-Sachs-Haus zurück: „„Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.“ Die klaffende Schere zwischen dieser Aussage und den rein statistischen Beschäftigungszahlen allerdings ließ seinen Optimismus verhalten klingen.

Denn die soziale Lage sei an vielen Stellen widersprüchlich. „Ich bin vielleicht der glücklichste Arbeitsminister seit langer Zeit, wenn ich einmal im Monat die Arbeitslosenstatistik präsentiert bekomme. Aber was für ganz Deutschland gilt, ist regional längst noch nicht dasselbe.“ Denn wenn im Detail die Statistik für Bayern 1,4 Prozent Arbeitslose aufweise, seien es in Gelsenkirchen fast 13 Prozent. Darunter inzwischen gerade in NRW, im Ruhrgebiet und eben in Gelsenkirchen viele Langzeitarbeitslose, „Menschen, die einfach lange draußen sind“, die belegten, dass kurzatmige Maßnahmen keine Abhilfe brächten.

Die Änderung der gesetzlichen Grundlagen für den sozialen Arbeitsmarkt mit einer Investition von vier Milliarden Euro durch die Bundesregierung habe deutschlandweit 30.000 Menschen „in richtige Arbeit“ gebracht, in Gelsenkirchen immerhin 400 über Qualifizierungsmaßnahmen. „Und dabei zeigt sich immer wieder, dass Arbeit viel mehr ist als reiner Broterwerb“, unterstrich Heil.

Veränderte Anforderungen an die Tätigkeiten

Er könne nicht auf wissenschaftlich abgesicherte Annahmen zurückgreifen, was Prognosen über die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt durch die Digitalisierung betreffe. „Aber das Monitoring sagt: Die Arbeit geht nicht aus.“ Bis 2025 würden wohl bis zu 1,3 Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren, „aber es werden eben auch bis zu 2,1 Millionen neue Jobs entstehen“, zeigte sich Heil zuversichtlich. „Wir stehen vor einem wahnsinnig dynamischen Wandel.“

Hausgemachtes Problem ohne Tarif

So, wie sich die Anforderungen etwa an Ingenieure im Automobilbereich durch die Elektromobilität wandele, werde auf der anderen Seite der Bereich der sozialen Dienstleistungen auf den Sektoren Gesundheit, Bildung, Pflege weiter deutlich wachsen. Und da zeige sich ein „hausgemachtes Problem“, wenn pflegende Angehörige nicht ausreichend entlastet oder Angestellte immer häufiger nicht nach Tarif bezahlt würden. Dafür gab es den ersten Applaus aus den Reihen des Publikums im Saal.

Auch hier wies Hubertus Heil auf eine „Schere“ hin. Der technologische Wandel sei nicht gleich eine

Bedrohung, aber es dürfe auch nicht zu Ausbeutung führen, dass etwa der Online-Handel immer weiter zunehme, „und dann Sub-Sub-Sub-Unternehmer die Löhne für die Paketboten drücken. Da brauchen wir inzwischen die General-Unternehmerhaftung, wie sie auch für den Bau gilt“.

Dass es 2008 in der Finanzkrise nicht zu einem „Tsunami“ auf dem Arbeitsmarkt gekommen sei, weil es Rücklagen gegeben habe, stimmte ihn zum Ende seiner Ausführungen doch wieder optimistisch: „Wir sind nicht in den schlimmsten Jahren unserer Geschichte.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben