Sommersound

Der Gelsenkirchener Sommersound 2019 klingt politisch aus

Die „Marion & Sobo Band“ brachte swingenden Gypsie-Sound auf die Bühne im Gelsenkirchener Stadtgarten.

Die „Marion & Sobo Band“ brachte swingenden Gypsie-Sound auf die Bühne im Gelsenkirchener Stadtgarten.

Foto: Olaf Ziegler / Funke Foto Services

Gelsenkirchen.  Trotz kühler Temperaturen lockte der letzte Sommersound 2019 hunderte Musikfans in den Gelsenkirchener Stadtgarten. Es war ein politischer Abend.

Und da ist er schon, der Herbst. Wenn das letzte Mal das Jingle vom Sommersound erklingt, steht die kühlere Jahreszeit vor der Tür. Zum fünften Termin der beliebten Konzertreihe „umsonst und draußen“ am Pavillon des Stadtgartens hatte der künstlerische Leiter Guntmar Feuerstein noch einmal zwei Hochkaräter eingeladen. „Handmade Moments“ und „Marion & Sobo Band“, internationale Sternchen der Folkszene, machten beide erstmalig auf ihren Europatourneen Halt in Gelsenkirchen.

Künstler machen auf ihren Europatourneen Halt in Gelsenkirchen

Der Zuspruch des Publikums war auch am etwas kühlen Sonntagabend ungebrochen. Anna Moss und Joel Ludford setzten gleich zu Beginn ein Zeichen, wo ihre Reise hingeht. „Greta“, ja, der Klimaaktivistin Greta Thunberg gewidmet, eröffnete den Abend. „Handmade Moments“ ist politisch, die beiden jungen Künstler aus New Orleans messen Text und Aussage viel Bedeutung zu. Ihre eigenen Kompositionen wollen aufrütteln, thematisieren, erfrischend zu sehen, dass Gesellschaftskritik zurück ist im Folksong. Und zwar in einem einwandfreien künstlerischen Gewand.

„Waffen sind bei uns leichter zu beschaffen als Lebensnotwendiges“

Beide Musiker sind Multitalente an Gitarre, Saxophon, Bassklarinette, Kontrabass und sogar Tuba, ein rhythmischer Sound, untermalt von feinsten Beat-Boxen mit markanten synkopischen Pausen. Moss und Ludford stehen für ein waches Amerika, wissend um den Klimawandel, „we burn soon, if we don´t learn“ – wir werden bald verbrennen, wenn wir nicht lernen. „Speak to my gun“ spricht von einer Gesellschaft, in der es leichter fällt, Waffen zu kaufen, als Lebensnotwendiges. „Da müssen wir uns nicht wundern, dass die Verzweifelten sich mit der Waffe das Lebensnotwendige beschaffen“, sagte Moss.

Rauchig und mit Melancholie

Die 29-jährige wirkte neben ihrem ernsten Engagement auch durch ihre einzigartige Stimme. Rauchig, ohne tief zu sein, eine unverwechselbare Färbung, in der immer eine gewisse Melancholie mitschwingt und die über ein unfassbares Improvisationsvermögen verfügt.

Komplimente gab es nicht nur vom Publikum, sondern auch von der darauffolgenden Kollegin Marion Lenfant-Preus von „Marion & Sobo Band“. Die französische Sängerin mit ihren vier Bandmitgliedern Alexander Sobocinski (Gitarre), Frank Brempel (Geige), Jonas Vogelsang (Gitarre) und Stefan Berger (Kontrabass) brachte mit dem ersten Song der neuen CD „Esprit Manouche“ schwingenden Gypsy-Sound auf die Bühne. „Amour confidentiel“ riss die immer noch in den Stadtgarten strömenden Zuhörer mit flockig lockeren Klängen mit.

Den Abschluss der Saison bis weit in den Abend gefeiert

Die Herzen wurden leicht, die Gemüter strahlten, die Füße wippten. Ein Bossanova entführte in die Straßen Brasiliens, Lenfant-Preus beeindruckte mit jazzigem Scat-Gesang. „Ich möchte noch nicht, dass es Herbst wird“ erklärte sie mit sympathischem Lachen. Das Publikum wollte das auch nicht, und so feierten sie den letzten SommerSound des Jahres 2019 bis weit in den Abend.

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