Kommunalwahl 2020

Die Ära nach Baranowski: Wer wird OB-Kandidat der SPD in GE?

Frank Baranowski wird noch bis Herbst 2020 Oberbürgermeister von Gelsenkirchen bleiben.

Frank Baranowski wird noch bis Herbst 2020 Oberbürgermeister von Gelsenkirchen bleiben.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Vor einem Monat kündigte Frank Baranowski seinen Verzicht auf eine erneute OB-Kandidatur an. Die WAZ schaut mal, wer stattdessen in Frage käme.

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Dass Frank Baranowski nicht bis in alle Ewigkeiten der Oberbürgermeister von Gelsenkirchen bleiben wird, war den Genossen selbstverständlich klar – auch wenn es sich wohl viele gewünscht hätten. Dass er aber bereits zur Kommunalwahl 2020 nicht mehr antreten wird, hat viele überrascht.

Nun ist es, wie es ist. Auch die SPD muss sich Gedanken über einen OB-Kandidaten für die nächste Kommunalwahl machen. Und für die politischen Gegner haben sich die Voraussetzungen für die eigene Kandidatenkür massiv geändert. Der beliebte OB mit dem Amtsinhaberbonus hat sich selbst aus dem Rennen genommen, was die Chancen, zum Beispiel für die CDU, zunächst mal theoretisch erhöhen dürfte.

Was für andere Parteien in Gelsenkirchen aber seit 15 Jahren turnusmäßiger Usus ist, ist für die Sozialdemokraten nun wieder Neuland: die Kandidatensuche. Die läuft seit jenem 16. September, als Frank Baranowski seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur am Morgen seinen Parteifreunden, am Nachmittag der Presse mitteilte. „Mit der Suche nach einer geeigneten Kandidatin oder einem geeignetem Kandidaten beschäftigt sich zurzeit der geschäftsführende Vorstand“, bestätigte der SPD-Unterbezirksvorsitzende Markus Töns am Mittwoch der WAZ. „Ich gehen davon aus, dass wir im November mit dem Fahrplan soweit durch sind, dass wir jemanden öffentlich benennen können.“

Zu diesem Zeitpunkt könnten die Sozialdemokraten die ersten sein, die einen Namen aus dem Hut zaubern. Töns: „Ich glaube, dass die anderen abwarten, was wir machen.“ Er selbst bekräftigt, dass er keine Ambitionen auf das Amt hat: „Für mich schließe ich das aus. Im Bundestag gibt es viele Dinge, die noch für Gelsenkirchen zu erledigen sind.“

Töns also nicht. Aber wer dann? Die WAZ hat mal ihr Ohr auf die Schienen gelegt, wer in Frage kommen könnte, und das mit eigenen Eindrücken gemischt. Herausgekommen ist unser Wahrscheinlichkeitsrechner:

Karin Welge

Offenbar gibt es viele in der Gelsenkirchener SPD, die sich eine Kandidatur der Kämmerin wünschen würden – allerdings, so ist zu hören, müsste noch ein bisschen Überzeugungsarbeit geleistet werden. Die „Herrin der Zahlen“ hat in den vergangenen Jahren maßgeblich dazu beigetragen, dass Gelsenkirchen einen ausgeglichenen Haushalt vorgelegt hat. Sie hat für den laufenden Etat erfolgreich dafür gekämpft, dass ein fast 30 Millionen Euro großes Loch im Zusammenspiel mit der Bezirksregierung geschlossen wurde. Damit hat sie durchaus Biss bewiesen. Und es wäre nicht ihre erste Kandidatur für das oberste Amt in einer Stadt: 2009 wollte sie Bürgermeisterin von Xanten werden, scheiterte nur knapp. Auch dort war sie damals Kämmerin. Wahrscheinlichkeit: 70 Prozent

Annette Berg

Der Name der Stadträtin für Kultur und Bildung taucht hinter vorgehaltener Hand immer mal wieder auf. Allerdings scheint die Rückendeckung für Karin Welge größer zu sein. Die zu leistende Überzeugungsarbeit dürfte jedoch, so verlautet es aus SPD-Kreisen, etwas geringer ausfallen. OB-Ambitionen werden ihr durchaus nachgesagt. Die 52-Jährige ist seit drei Jahren Bildungsdezernentin. Zuvor machte sie Karriere als Jugendamtsleiterin: zuletzt in Essen, davor in Monheim. Bemerkenswert: Dort wurde sie einst mit 32 Jahren die jüngste Jugendamtsleiterin bundesweit. Wahrscheinlichkeit: 15 Prozent

Lukas Günther

Spätestens seit der Bäderdebatte ist er der neue Hoffnungsträger der Gelsenkirchener SPD. Und es darf als sicher angenommen werden, dass der Stadtverordnete in der kommenden Legislaturperiode eine gewichtigere Rolle in der Fraktion spielen wird als bisher. Nun kommt der Rückzug Frank Baranowskis für ihn allerdings ein bisschen früh. Natürlich steht ein 27-Jähriger wie kaum ein anderer für frischen Wind – ob das Wahlvolk einem so jungen Kandidaten aber folgen und vor allem vertrauen wird, ist zumindest fraglich. Fünf Jahre später hätte Günthers große Stunde schlagen können. In der Nachbarstadt Dorsten ist 2014 Tobias Stockhoff mit 32 Jahren zum Bürgermeister gewählt worden. Wahrscheinlichkeit: 10 Prozent

Markus Töns

Als Parteivorsitzender hat man logischerweise mit als Erster das Recht, seinen Hut in den Ring zu werfen. Das Interesse daran hat er gegenüber der WAZ noch einmal deutlich abgelehnt. Politisch Interessierte wissen natürlich, dass Politiker sich hin und wieder dazu genötigt fühlen, mit ihren eigenen Worten zu brechen. Dass der langjährige Landtagsabgeordnete Töns, der erst 2017 in den Bundestag wechselte, dort noch nicht mal eine Legislaturperiode zu Ende bringt, um Oberbürgermeister von Gelsenkirchen zu werden, ist aber doch eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlichkeit: 5 Prozent

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