Circus Probst

Drei Elefanten sind die größten Stars im Weihnachtscircus

In der Manege sind sie diesmal die größten Stars. Die drei afrikanischen Elefanten vom Elefantenhof Platschow in Mecklenburg-Vorpommern.

In der Manege sind sie diesmal die größten Stars. Die drei afrikanischen Elefanten vom Elefantenhof Platschow in Mecklenburg-Vorpommern.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen.  Die Elefanten Timba, Merla und Kenia sind die größten Hingucker im Gelsenkirchener Weihnachtscircus. Tierlehrer Sonny Frank ist ihre „Leitkuh“.

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Die drei Afrikanerinnen sind im besten Alter: Timba ist 38 Jahre alt, Merla 31, die jüngste, Kenia, ist 28 – und eine Gelsenkirchenerin. Als Kalb hat sie Sonny Frank vor 26 Jahren im Ruhrzoo gekauft. Nun ist sie wieder in der alten Heimat und zählt zum schwergewichtigen Star-Ensemble im Gelsenkirchener Weihnachtscircus.

Sonny Frank redet ruhig mit den Riesen

Die Damen stehen in der Winterssonne. Trockene Kälte können sie gut ab. Wird es feucht und ungemütlich, „haben die keinen Bock“, dann sind sie kaum aus ihrem nachts auf 24 Grad aufgeheizten Stallzelt zu kriegen, sagt Frank. Nun zupfen sie ein paar schüttere Grashalme, schaufeln Heu in sich hinein und schauen, was Sonny Frank so zu bieten hat. Eine Banane? Schwupps, mit dem Rüssel aus der Hand gepflückt und einverleibt. Ein paar Möhrchen? Gleich hinterher. Kraftfutterperlen und Pferdemüsli? Wie ein Staubsauger gehen die Rüssel über den Boden. Weg sind die Dinger.

Gut 120 Kilo Heu wird jede der Elefantendamen in ein, zwei Tagen weggemampft haben. Timba knattert wie eine Ratsche mit Schalldämpfer. „So schnurren die afrikanischen Elefanten, wenn ihnen etwas gefällt“, sagt Frank.

Sonny Frank redet ruhig mit den Riesen, die folgen aufs Wort. heben das Vorderbein, lassen sich ins Maul schauen, holen sich ein paar handfeste Schubber-Einheiten. „Die drei sind meine Stammherde. Sie akzeptieren mich als Mitglied. Wir arbeiten seit vielen Jahren zusammen. das sind hochintelligente, sensible Tiere mit ausgesprochen komplexem Sozialverhalten“ In dem menschlich-tierischen Quartett ist Frank „die Leitkuh. Timba ist meine Vertreterin. Die übernimmt, wenn ich nicht da bin.“

Einer der besten Elefanten-Dompteure Europas

Frank gilt als einer der besten Elefanten-Dompteure Europas. 2010 wurde er in Monaco beim Zirkusfestival ausgezeichnet. Der Auftritt im Weihnachtscircus ist eher die Ausnahme im Jahreslauf für alle Beteiligten. Frank betreibt mit seiner Familie im mecklenburgischen Örtchen Platschow seinen Elefantenhof – hält dort auf 7,6 Hektar acht afrikanische und zwei asiatische Elefanten, Das Schlagwort „Gnadenhof“ mag er gar nicht. „Seit 2005 sind wir ein anerkannter Zoo“, sagt Frank. Für ihn ist Beschäftigung (fast) alles für die Wohlfühlatmosphäre und tiergerechte Haltung. „Von artgerecht“, räumt er ein, könne man in menschlicher Obhut ohnehin nicht sprechen.

Frank und seine Tiere haben ein strammes Programm: „Das beginnt schon morgens im Stall beim waschen und bürsten der Tiere, bei der Hautpflege.“ Afrikanische Elefanten neigen zu trockenen Augenpartien. Deshalb wird die Haut rundum eingeölt. Dann „muss man gucken, dass die Mädels sich bewegen können“. Spielerische Beschäftigung gehört dazu. „Tiere sind so viel ausgeglichener und ruhiger als im Tierpark, wo sie nur hin und her rennen.“

Franks Elefanten wirken in Filmproduktionen mit, ab und an auch in der Manege. Mehrere Jahre hat man sich im Circus Probst um ein Wintergastspiel bemüht. Nun passte es. „Es war der beste Kartenvorverkauf, den wir bisher hatten. Das liegt mit an den Elefanten“, ist sich Circuschefin Brigitte Probst sicher. Und auch Frank glaubt: „Die Leute haben Interesse am Zirkus. Und sie wollen auch Tiere sehen.“

Kontrolle durch Amtsveterinäre

Und das Reisen? Kein Problem, meint Frank. Die Damen fahren im Tieflader vor. „Wenn Tiere daran gewöhnt sind, geht das für sie ohne Stress.“ Veterinäre haben zudem – wie immer – die Tierhaltung im Circus Probst begutachtet. In der Vergangenheit gab es stets beste Bewertungen für Haltung und Pflegezustand der Tiere. „Hier gibt es nichts zu beanstanden“, stellt Brigitte Probst nach der jüngsten Visite fest.

Im Weihnachtscircus wird aus Frank Sonny Frankello. Der Mann mit dem Zopf bietet eine Freiheitsdressur, in die das Publikum eingebunden wird, führt die tonnenschweren Tiere mit wenigen Handzeichen und Leckerli zur Belohnung. „2017 werden wir noch ein Engagement annehmen, sagt der 58-Jährige. „Dann ist es langsam Zeit, Adieu zu sagen.“ Von der Showbühne will er sich dann verabschieden. Die Arbeit mit seinen Elefanten bleibt seine Lebensaufgabe.

Protest von Tierschützern begleitet Gastspiele

Der Circus Probst steht für einen Zirkus mit Tieren – und wird jedes Jahr mit dem Protest von Tierschützernkonfrontiert. Die Tierrechtsorganisation Peta hat mit Beginn des Gastspiels im Revierpark bereits mit einem Aufruf gegen den Auftritt von Elefanten in der Manege protestiert. Protestveranstaltungen vor Ort hat es beim aktuellen Gastspiel zudem am ersten weihnachtstag schon gegeben.Gegen die „Wildtier-Nutzuing“ wollen Tierrechtler auf öffentlichem Grund auch diesen Samstag ab 13.30 Uhr demonstrieren

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