Erinnerungskultur

Ein Gelsenkirchener Briefmarkenfreund und die Marke Assauer

Eine Briefmarke und ihre Geschichte: Marke und Stempel wurden posthum zu Rudi Assauers 75. Geburtstag am 30. April in Gelsenkirchen herausgegeben.

Eine Briefmarke und ihre Geschichte: Marke und Stempel wurden posthum zu Rudi Assauers 75. Geburtstag am 30. April in Gelsenkirchen herausgegeben.

Foto: Foto: Olaf Ziegler / Funke Foto Services GmbH

Schalke  Zum 75. Geburtstag des Ex-Schalke-Managers wurde posthum eine Briefmarke aufgelegt. 50 Exemplare vergriffen. Stempel gab’s im April in Buer.

. Rudi Assauer ist auferstanden. Mit Brille und typischer Stirnfalte blickt er uns von einer Briefmarke und einem Poststempel an. Der Umschlag, auf den beides gedruckt bzw. geklebt ist, gehört Benjamin Neumann. In einer Sammlung hat der 36-jährige Marken, Stempel und Erinnerungsdrucke rund um den Schalke 04 zusammengestellt. Die Gedenkmarke anlässlich Assauers 75. Geburtstages, von der Deutschen Post posthum herausgegeben am 30. April, ist des Briefmarkenfreundes jüngste Errungenschaft.

Jeder hätte sich den Assauer Stempel in Buer holen können

„Die Marke und der Stempel sind auf spezielle Karten gedruckt worden, von denen nur 50 existieren, und die sind alle vergriffen“, erklärt der Spezialist am Rande des Großtauschtages der Gelsenkirchener Briefmarkenfreunde 1967 e.V. im Katharina-von Bora-Haus. Aber: Jeder hätte sich am 30. April in der Bueraner Postfiliale seinen Brief oder sein Päckchen mit dem Assauer-Konterfei stempeln lassen können. Neumann: „An diesem einen Tag war Assauer der offizielle Poststempel!“

Marke zum WM-Spiel ‘74 im Parkstadion

Briefmarken sind Zeitgeschichte. Stapel aus aufgerissen Umschlägen und Alben mit reihenweise kleinstteilig sortierten Papierquadraten auf Tischen, an denen meist ältere Herren mit Pinzetten oder starken Vergrößerungsgläsern sitzen: Hier werden an diesem Sonntag Vormittag die ganz großen Themen diskutiert. Schalke natürlich, und die WM ‘74, das Spiel des amtierenden Weltmeisters Brasilien gegen Zaire am 22. Juni. Die Marke beweist es, es war ein Ereignis. Am 26. Juni dann das dritte von fünf WM-Spielen im Parkstadion, Niederlande gegen Argentinien. Einen entsprechenden Poststempel im Pressezentrum im Maritim gab’s bereits am Vortag. Und dann zum Spiel noch einen. Benjamin Neumann hat sie alle gesammelt und aufgeklebt und aufgehängt. „Den hier habe ich einer Wühlkiste auf einer anderen Tauschbörse gefunden, hat mich vielleicht 50 Cent gekostet“, erzählt der Sammler.

Es geht nicht mehr um Geld

Aber um Geld gehe es bei der Sache ja gar nicht, fährt Vereinskollege Friedrich Braun dazwischen. „Mit Briefmarken können Sie heute nichts verdienen, wer das betreibt, zahlt immer drauf.“ Aussterbendes Hobby, fehlender Nachwuchs, weniger Interesse: Der Vorsitzende der Schalker Philatelisten sorgt sich um die Zukunft, ja, aber auch wieder nicht. „Jedes Ereignis, jede Berühmtheit, kommt auf eine Marke. Das war schon immer so. Ich glaube nicht, dass sich das so schnell ändert.“

Erste Sammlung mit sechs Jahren

Am Nebentisch nestelt Stefan Jacob an einer rechteckigen Marke mit Barcode herum. „Das neueste Projekt der Deutschen Post: Die hier können Sie am Automaten bargeldlos erwerben.“ Sei aber jetzt beendet, die Testphase. „124.000 gab es davon, aber wenn Sie die jetzt sammeln wollen, müssen Sie über Ebay gehen.“ Mit sechs Jahren bekam der kleine Stefan die erste Briefmarkensammlung von seinem Vater zum Geburtstag geschenkt. Heute ist er 36, einer der jüngsten im 24-köpfigen Verein, und seine Sammlung nimmt mehrere Regale in seiner Wohnung ein. „Der Stefan kann Ihnen zu jeder Marke eine Geschichte erzählen. Zu jeder!“, sagt ein Sitznachbar.

Lieber Zeitung als Video

Noch einmal zum Vorsitzenden: Wie viele Briefmarken besitzen Sie, Herr Braun? „Das kann ich nicht sagen. Tausende.“ Und noch einmal zur Zukunft: Gibt es eine App für Briefmarkensammler, chatten Sie in einer Whatsappgruppe? „Wir schreiben mal E-Mails.“ Wir würden gerne ein Video vom Assauer-Briefmarken-Entdecker Neumann drehen, doch der möchte nicht. „Ich sage Ihnen das lieber so. Dann können Sie es in der Zeitung aufschreiben.“

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