Ostfriesenkrimis

Erfolgsautor wehrt sich juristisch gegen Leserbriefschreiber

Klaus-Peter Wolf hat den Kaffee auf.

Klaus-Peter Wolf hat den Kaffee auf.

Foto: Wolfgang Weßling

Gelsenkirchen.  Der Gelsenkirchener Autor Klaus-Peter Wolf hat Anzeige erstattet: Ein Leserbriefschreiber wollte ihn „ins Watt jagen“, also in den sicheren Tod.

Der Gelsenkirchener Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf gilt als gelassener, gutmütiger, zumeist gut gelaunter Zeitgenosse. Jetzt aber hat der Wahl-Ostfriese den Kaffee mächtig auf. Weil der 65-Jährige in seinen Krimis mit riesigem Erfolg eine mörderisch blutige Spur durch Norddeutschland zieht, beschimpfte ihn ein Leserbriefschreiber in der Ostfriesenzeitung als „Nestbeschmutzer, den man früher bei Nebel ins Watt gejagt hätte“. Also in den sicheren Tod.

Wolf fühlt sich durch diese üble Schmähschrift bedroht und stellte erstmals Strafanzeige. Eine Unterlassungserklärung hatte der Übeltäter zuvor abgelehnt. Der Staatsanwalt fordert, die verbale Attacke mit einer Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro zu belegen.

Wolf sieht in diesem Fall eine Grenze überschritten

Der Autor mit Millionenauflage, dessen Krimis sowohl im Norden als auch in Gelsenkirchen spielen, ist seit Jahren nicht nur Lob, sondern auch Kritik an seinen Büchern gewohnt. Fand er nie schlimm: „Ich habe mir ein dickes Fell wachsen lassen.“ Nur in diesem Fall sei die Grenze klar überschritten worden.

Ein Schriftsteller wehrt sich gerichtlich gegen rüde Verunglimpfungen. Darauf reagierte nun auch die Süddeutsche Zeitung und griff den Fall in ihrem „Streiflicht“, der bekannten Rubrik auf Seite 1, auf. Verbunden mit einer kleinen Hommage an Gelsenkirchen: „Menschen, die mit der Kulturgeschichte des Ruhrgebiets vertraut sind, kennen den Schriftsteller Klaus-Peter Wolf als sympathischen Fürsprecher dieser Region, deren geheime literarische Hauptstadt Gelsenkirchen auch Wolfs Geburtsort ist.“ Hier nämlich habe die Wiege der Arbeiterliteratur gestanden.

„Streiflicht“ der SZ thematisierte den Fall bereits

Jetzt aber sei etwas passiert, das den „Wolf die Zähne fletschen lässt“: „Dass sich der Zorn des Nordeners an Wolfs Prosa entzündet, hängt damit zusammen, dass der Dichter aus NRW stammt und sich gleichwohl anmaße, die Ostfriesen als schlimme Finger durch seine Romane poltern zu lassen.“ Die Empfehlung des Streiflicht-Autors: „Lieber Wolf, dieser Ostfriese ist kein echter Ostfriese, sondern bloß ein zorniger Wattwurm, der Schlammkringel macht. Schreib weiter!“

Auch das Präsidium des PEN-Zentrums Deutschland, eine Schriftstellervereinigung, reagierte auf den Fall und schrieb: „Die Kunst ist frei, und sie darf kritisiert werden.“ Aber in diesem Fall handele es sich um eine Todesdrohung, „die einschüchtern und freies Sprechen verunmöglichen soll“. Der PEN beobachte mit wachsender Sorge die Verrohung des öffentlichen Sprechens, besonders in den sozialen Medien.

Der pöbelnde Leserbriefschreiber hatte dem Wahlostfriesen auch empfohlen, dahin zurück zu gehen, wo er hergekommen sei. Macht der Mann auch, allerdings nur für eine Stippvisite. Am 27. September wird der Erfolgsautor in Gelsenkirchen im Musiktheater im Revier um 19.30 Uhr aus seinem aktuellen Roman „Todesspiel im Hafen“ lesen. Man darf gewiss sein: Die Stadt freut sich auf ihren großen Sohn.

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