Gleichberechtigung

Frauenfrage für Gelsenkirchener SPD noch kein Wahlkampfthema

Silke Ossowski, ASF-Vorsitzende in Gelsenkirchen und Mitglied im Landesvorstand der ASF, will die 50-prozentige Quote auf Landesebene puschen.

Silke Ossowski, ASF-Vorsitzende in Gelsenkirchen und Mitglied im Landesvorstand der ASF, will die 50-prozentige Quote auf Landesebene puschen.

Foto: Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Die Bundesgenossen wollen ihre Spitze paritätisch besetzen. Bei der SPD Gelsenkirchen gibt es in Gremien bisher keine 50 Prozent-Frauenquote.

Obwohl Deutschland von einer Bundeskanzlerin und einem paritätisch besetzten Kabinett regiert wird und die Bundesgenossen zum Zeichen der Erneuerung eine Doppelspitze für die Gesamtpartei beschlossen haben: Die paritätische Besetzung von Gremien, Listen und Vorständen ist für die SPD-Gelsenkirchen bisher kein vordringliches Thema. „Wir haben eine Quote von 40 Prozent Frauenanteil, die in jedem Gremium erreicht werden muss“, erklärt SPD-Fraktionschef Klaus Haertel auf Nachfrage. „Außerdem stellen wir eine weibliche Bürgermeisterin.“ Das, meint Haertel, sei mehr Frauenanteil als die anderen Parteien im Hans-Sachs-Haus momentan zu bieten hätten. „Schauen Sie sich doch mal bei der CDU um. Und selbst bei den Grünen ist von vier Ratsmitgliedern nur eines weiblich.“

Einstellung in den Köpfen muss sich ändern

Dass die Frauenfrage im Kommunalwahlkampf 2020 möglicherweise wichtig werden könnte, um Stimmen zu gewinnen, glaubt auch Silke Ossowski, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) Gelsenkirchen, nicht unbedingt. „Natürlich ist es wichtig, dass gerade mehr junge Frauen Mandate übernehmen. Da bin ich voll dafür. Aber dafür müssen wir erst einmal die Einstellung in den Köpfen ändern. Die Frauen müssen sich das auch zutrauen mit all den Verpflichtungen, die ein solches Ehrenamt mit sich bringt.“

Die ASF auf Landesebene, deren Vorstand Ossowski angehört, plane in Kürze einen Vorstoß, der eine 50-prozentige Frauenquote in allen Gremien fordere. „Ich glaube, das ist in jeder Stadt unterschiedlich, wie man mit der Frauenfrage umgehen kann. In Gelsenkirchen sind viele Frauen und Männer einfach noch nicht so weit. Schauen Sie sich doch nur einmal an, wie lange hier Ausschuss- und Ratssitzungen dauern: Das können nur wenige Frauen mit dem Familienleben vereinbaren.“

Bisher kein Strategiepapier 2020

Auf die Frage, ob man sich bei den Genossen angesichts der Stimmenverluste bei der Europawahl und verschiedenen Landtagswahlen schon die Frage gestellt habe, was im Kommunalwahlkampf 2020 anders laufen müsse, um nicht noch mehr abzusacken, antwortet Ossowski: „Wenn Sie mich jetzt fragen, ob wir in der SPD-Gelsenkirchen schon ein Strategiepapier 2020 haben, dann muss ich Ihnen sagen Nein.“ Wichtig seien vor allem die Gespräche mit den Bürgern. „Das ist etwas, auf das wir auch in der Vergangenheit immer schon Wert gelegt haben.“ Gerade in Zeiten, in denen viele Gelsenkirchener mit der AfD sympathisierten, sei es entscheidend, im Dialog zu bleiben. „Es nützt ja nichts, einfach zu sagen, wir sehen das anders. Und das war’s.“

Mehr Frauen in Führung

Das Frauen in Führung anders kommunizieren und auch andere Themen setzen als Männer, betont Ossowski ausdrücklich. „Deswegen brauchen wir auch mehr Frauen in Führung, denn nur so kann sich in der Frage etwas verändern.“

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