Präsident im Talentzentrum

Fünf junge Talente bewegen Steinmeier mit ihren Lebensläufen

Der Bundespräsident fährt in Gelsenkirchen-Ückendorf am NRW Zentrum für Talentförderung in Gelsenkirchen-Ückendorf vor. Der kurze Moment wird von einigen Zaungästen an der Bochumer Straße im Selfie festgehalten.

Der Bundespräsident fährt in Gelsenkirchen-Ückendorf am NRW Zentrum für Talentförderung in Gelsenkirchen-Ückendorf vor. Der kurze Moment wird von einigen Zaungästen an der Bochumer Straße im Selfie festgehalten.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Ückendorf.  Im Talentzentrum NRW trägt sich der Bundespräsident ins Goldenen Buch der Stadt Gelsenkirchen ein. Dann stehen Scouts und Schüler im Mittelpunkt.

Jens Huthmacher (20) trägt Anzug und hat sich für diesen besonderen Anlass einen Schlips umgebunden. Noch steht er mit Rubiny (19), Fransiska (18), Vanessa (18) und Alae Eddine (20) im beeindruckenden Treppenhaus des NRW-Zentrums für Talentförderung und wartet. Ringsum: Sicherheitskräfte, Polizisten in Uniform, Pressevertreter. Alles wartet auf Frank-Walter Steinmeier. Der Bundespräsident ist mit seiner Fahrzeugkolonne aus Duisburg unterwegs. Gelsenkirchen ist die zweite Station seines Revierbesuchs. Und erste Adresse hier ist für Steinmeier das Talentzentrum.

Zur Zeremonie trägt der OB die Amtskette

„Klar sind wir aufgeregt“, sagen die jungen Leute – was man ihnen aber kaum anmerkt. Steinmeier kommt ins Zentrum, begleitet von NRW-Familienminister Joachim Stamp. Beifall brandet auf. Zunächst trägt er sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Zur Zeremonie hat Oberbürgermeister Frank Baranowski die Amtskette angelegt. Kameras klicken. Es geht hinauf in den Besprechungsraum. Suat Yilmaz, sozusagen der Ur-Scout, der an der Westfälischen Hochschule zusammen mit Hochschulpräsident Bernd Kriegesmann und etlichen Wegbereitern so viel angestoßen hat, verfolgt die kleine Zeremonie zufrieden. Lange vorbei sind die Zeiten, in denen er in Schulen gefragt wurde: „Was willst Du hier?“ Biografien von Schülern verändern, die aus eher bildungsfernem Umfeld kommen, lautet noch heute die schlüssige Antwort. Und dazu brauche es Ausdauer und Überzeugungsarbeit. Talentförderung, sagt Marcus Kottmann, der Leiter des Talentzentrums, „ist Schatzsuche“.

18.000 Jugendliche sind im Scout-Programm

Die fünf Jugendlichen, die mit Steinmeier sprechen, zählen zu den mittlerweile fast 18.000 jungen Menschen im Revier, die von Talentscouts entdeckt und gefördert wurden und werden, die über das Programm NRW-Talentscouting und das Schülerstipendienprogramm Ruhr-Talente am NRW-Zentrum für Talentförderung der Westfälischen Hochschule unterstützt werden. Nun wollen und sollen sie von ihren Erfahrungen berichten, schildern anschaulich ihre bisherigen Werdegänge und die neuen Perspektiven und Möglichkeiten, die ihnen durch die Talentförderung eröffnet werden. Für sie sind die Talentscouts feste Wegbegleiter, die ihnen Mut machen, ihr Selbstbewusstsein förderten, aber auch halfen, Schulnoten zu optimieren.

Ein paar Schaulustige warten

Rubiny und Jens flankieren den Bundespräsidenten am Sitzungstisch. Sie erzählen von ihren Schulwegen, die mit Hilfe der Scouts für die junge Frau zu einer Bank-Ausbildung führten. Jens, ein Jahr vor dem Fachabi auf dem Berufskolleg für Technik und Gestaltung nicht gerade eine schulische Leuchte, schloss als Jahrgangsbester ab. Seinen Bachelor als Informatiker hat er bereits, nun beginnt der Masterstudiengang in München. Steinmeier hört interessiert zu, fragt nach und stellt am Ende sichtlich angetan fest; „Ich glaube, es lohnt sich, die Ansätze zur Förderung von vielversprechenden jungen Leuten über die Grenzen des Ruhrgebiets und NRWs weiterzutragen.“ Später erklärt er in einem kurzen Statement: „Man kann ja die Ecken, in denene es noch ganz viel zu tun gibt, nicht ignorieren, aber ich bin ja auch heute hier, weil wir auch die andere Seite des Ruhrgebiets zeigen wollen, eben da, wo Wandel stattfindet und sichtbar Erfolg hat.“

Staatskarosse steht vor der Eingangstür

Vor dem Talentzentrum warten derweil ein paar Schaulustige. „Da ist ja noch mehr Polizei als sonst“, sagt eine Frau. Das hat sie aus dem Haus gegenüber gelockt. Und Steinmeier noch nicht gesehen. „Doch jetzt warte ich auch noch, durchgefroren bin ich so oder so.“ Der Mann an ihrer Seite will die Zeit noch nutzen: „Dann kann man ja nochmal reingehen und sich eine Zigarette stopfen.“ Vier Jungs, Schüler der Gesamtschule Ückendorf („wir sind den ganzen weg hierhin gelaufen“) warten aufgeregt, haben vor allem, die Staatskarossen im Blick. Steinmeiers schwarzer BMW mit dem Stander auf dem Kotflügel steht genau vor dem Eingang. Polizeikräfte warten auf dem Bürgersteig. „Ob wir wohl ein Selfie mit dem Präsidenten bekommen“, fragen sich die Jugendlichen. Eher nicht. Der Bundespräsident ist gut abgeschirmt und fährt zur nächsten Revierstation.

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