Neuer Spielplan

Gelsenkirchen: Consol muss Seniorentheater neu finanzieren

Das Stück „Wem gehört die Straße?“ aus der vergangenen Spielzeit findet sich auch im aktuellen Programm 2019/20 des Consol-Theaters Gelsenkirchen.

Das Stück „Wem gehört die Straße?“ aus der vergangenen Spielzeit findet sich auch im aktuellen Programm 2019/20 des Consol-Theaters Gelsenkirchen.

Foto: Consol Theater Gelsenkirchen

Gelsenkirchen-Bismarck.  Das Consol-Theater Gelsenkirchen kämpft nach dem Wegfall von NRW-Geld um die Finanzierung der Volxbühne. Neuer Spielplan hat Motto „Unterwegs“.

Mobil ist (fast) jeder, muss jeder sein in diesen durchgetakteten Zeiten. Wie Bewegung und Beweglichkeit (auch) im Kopf funktionieren, demonstriert das Consol-Theater zum Start der neuen Spielzeit 2019/20: Unter dem Motto „Unterwegs sein“ präsentiert es ein prall gefülltes Programm, das mal klassisch, mal experimentell daherkommt, poetische Momente und literarisch-musikalische Entdeckungen bietet und vor allem eins machen dürfte: Spaß – Erkenntnisgewinn nicht ausgeschlossen. Auch wenn in Sachen theaterpädagogische Seniorenarbeit wegen plötzlich wegbrechender Mittel vieles noch offen ist.

Gleich zwei Premieren für Kinder hat das Theaterhaus an der Bismarckstraße in petto. Im Mittelpunkt von „Das große Feuer“ von Roland Schimmelpfennig für Zuschauer ab acht Jahren steht ein Konflikt zwischen zwei benachbarten Dörfern, der zum Krieg führt – obwohl die Bewohner eigentlich im Paradies leben. „Versinnbildlicht wird das durch ein Modell des dörflichen Mikrokosmos aus Nudeln und Reis, so dass sich für alle die Frage stellt: Wie konnte es zu dieser Katastrophe kommen?“, erläutert Regisseurin Andrea Kramer.

„Jim Knopf“ mit Musik als Parabel auf Freundschaft und Abenteuer

Die Schauspieler – Senioren der Laien-Gruppe Volxbühne – agieren dabei für ein exklusives Publikum von maximal 35 Zuschauern, die auf der Bühne sitzen. „Das hat schon etwas Experimentelles“, so Andrea Kramer. Nach den ersten Aufführungen im September sind weitere im Frühjahr geplant.

Klassischeres Kindertheater erwartet die Zuschauer des Vorweihnachtsstücks „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ von Michael Ende für Mädchen und Jungen ab sechs Jahren, das am 1. Dezember, 15 Uhr, Premiere hat. Mit vier Profi-Mimen und einem Musiker inszeniert Regisseurin Kramer es in einer eigenen Fassung als Parabel auf Freundschaft, Abenteuer und Reisen.

Tanzperformance für die Allerkleinsten

Die Allerkleinsten (ab drei Jahren) hat die erfahrene Choreografin Barbara Fuchs aus Köln im Blick, die im Frühjahr 2021 „Schlalalalaufen“ entwickelt. Angelegt als Tanzperformance rund ums Kriechen, Fallen, Klettern und Aufbrechen soll es nicht nur im Consol-Theater, sondern als mobile Produktion auch in Kindergärten aufgeführt werden. Premiere hat es am 3. Mai.

Im Repertoire bleiben aus der letzten Spielzeit die erfolgreichen Produktionen „Puuup“, „Das platte Kaninchen“, „unter strom“ für die Allerkleinsten, „Die Beine im Kopf“ und „Das Märchen von einem der auszog und einer die rausflog“ für Kinder im Grundschulalter sowie „Die besseren Wälder“, „Die Leiden des jungen Werther“ und die neue Stückentwicklung „Wem gehört die Straße?“ für Jugendliche und Erwachsene.

Keine Förderung für Seniorenarbeit mehr

Regisseurin Kramer fiebert besonders auch der Premiere „Unter diesem Dach“ der Seniorentheatergruppe „synovia“ am 5. Oktober entgegen. „Das Publikum darf sich auf einen Abend über Heimaten freuen, bei dem das Zusammenleben in Deutschland untersucht wird.“ Wie es darüber hinaus mit der theaterpädagogischen Seniorenarbeit weitergeht, ist allerdings noch unklar. „Weil die Veranstaltungsreihe Wildwest 2020 nicht bei uns, sondern in Bielefeld stattfindet, entgehen uns nicht nur Mittel für das Festival in Höhe von über 50.000 Euro, sondern auch die damit zusammenhängende Projektförderung von etwa 30.000 Euro“, bedauert Geschäftsführerin Christiane Freudig.

Die Verantwortlichen hatten vergeblich versucht, das zuständige NRW-Ministerium sowie die Bezirksregierung von der Notwendigkeit der Gelder zu überzeugen. „Damit fällt die finanzielle Sicherheit weg, solche experimentellen Stücke wie ,Das große Feuer“ sorglos zu entwickeln.“ Das Consol-Theater bemüht sich nun um Förderungen aus Projekttöpfen. „Wir wollen mit der Seniorenarbeit weitermachen.“ „Wahrscheinlich“ würden die bislang kostenlosen Kurse für die Volxbühne nicht über Gebühren finanziert.

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