Umwelt & Klimawandel

Gelsenkirchen: Wie Helfen bei Kindern Schule macht

Diese Kinder aus dem Stadtquartier Graf Bismarck am Donnerstag, 20.02.20 auf dem Mindener Weg in Gelsenkirchen, haben zur Finanzierung eines Brunnenbaus in Bangladesch in ihrem Wohnumfeld Plastikflaschen gesammelt. Entstanden ist dieses Projekt im Privatreligionsunterricht von Lehrer Arslan Yalcin. Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Diese Kinder aus dem Stadtquartier Graf Bismarck am Donnerstag, 20.02.20 auf dem Mindener Weg in Gelsenkirchen, haben zur Finanzierung eines Brunnenbaus in Bangladesch in ihrem Wohnumfeld Plastikflaschen gesammelt. Entstanden ist dieses Projekt im Privatreligionsunterricht von Lehrer Arslan Yalcin. Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Bismarck.  Hilfe für Notleidende auf besondere Weise – wie leere Pfandflaschen aus Gelsenkirchen in Bangladesch das Überleben sichern.

Helfen, teilen, sich vertragen – Kinder aus dem neuen Stadtquartier Graf Bismarck in Gelsenkirchen haben die Theorie kurzerhand in die Praxis umgesetzt. Heraus kam eine „pfandtastische Sammelaktion“, die existenzielle Not am anderen Ende der Welt linderte: Wassermangel.

Geteilte Freude ist doppelte Freude, geteilter Schmerz ist halber Schmerz – so sagt man. Und tatsächlich: Die Freude ist größer, wenn sich ein anderer mit einem freut und der Kummer wird weniger, wenn einem jemand zuhört, Trost schenkt, unter die Arme greift. „Mitgefühl ist das Zauberwort“, sagen Arslan Yalcin und seine Frau Mevlüde Bayar-Yalcin. Beide sind Lehrer, er am Gladbecker Heisenberg-Gymnasium, sie am „Grillo“ in Gelsenkirchen. Arslan Yalcin gibt einer kleinen Schar Mädchen und Jungen im Quartier einmal in der Woche noch Religionsunterricht. „Konsum und Verantwortung“ standen im vergangenen Jahr auf dem Plan. Ein Thema, das die Kinder, sieben bis 13 Jahre alt, tief berührte.

Elend und Not im Widerspruch zu Überfluss und Wegwerfgesellschaft

„Denn als wir uns damit beschäftigt haben, ist uns schnell klar geworden, wie gut wir es hier und wie schlecht es andere Kinder haben“, sagen Elyesa, Noah-Ali, Ista und Duha. Sie erinnern sich noch gut an die Bilder, die sie bei ihren Recherchen gesehen haben: Industrieländer, die in weggeworfenen Plastikflaschen geradezu ertrinken, während anderswo Menschen verdursten mangels Wasser. Was die Frage aufwarf: Was kann man selber machen, mit einfachen Mitteln, aber mit großer Wirkung? Die Antwort: einen Brunnen bauen! Nur wie finanzieren? Die Idee: Mit Pfandflaschen!

„Wir sind dann fast ein halbes Jahr lang einmal pro Woche durch die Siedlung gelaufen und haben in der Nachbarschaft Pfandflaschen eingesammelt“, erzählen Elyesa, Noah-Ali, Ista und Duha stolz. Denn Ausnahmen gab es nicht, gesammelt wurde bei jedem Wetter. Und damit die Anwohner nicht verdutzt aus der Wäsche schauen, wenn plötzlich ein Haufen Kinder mit Bollerwagen, Säcken und Plakaten vor der Tür steht, haben sich die Mädchen und Jungen und ihr Lehrer etwas ganz besonderes ausgedacht: „Ein Video, in dem wir uns vorstellen und erklären, was und wofür wir uns engagieren.“

Basis für den Brunnenbau: 4000 eingesammelte Pfandflaschen und Geldspenden

Die knapp vierminütige Sequenz, untermalt mit Musik, hatte durchschlagenden Erfolg. Oder, um im Bild zu bleiben: Der Clip brach alle Dämme. „Oftmals wurden wir schon sehnsüchtig erwartet. Oder die Nachbarn haben uns die Flaschen im Sack vor die Haustür gelegt, wenn sie noch arbeiten waren“, berichten die Kinder. Und wer es mal vergessen hatte, Plastikflaschen zu horten für die eifrigen Sammler, der warf einfach Geld in eine Spendenbox. Da wollte niemand im Quartier nachstehen.

„4000 Flaschen haben wir in den umliegenden Märkten eingelöst“, lobt Arslan Yalcin die Schüler. Macht 100 Euro. Der Rest von 500 Euro ist über Spenden hereingekommen. Eine gemeinnützige Organisation hat dann, ein Jahr nach Start der rührigen Aktion, im Winter 2019 einen Brunnen in einem Dorf in Bangladesch gebaut. „Damit die Menschen, und vor allem die Kinder in unserem Alter, nicht Not leiden müssen“, sagen die Mädchen und Jungen. Denn dort ist Wasser so rar und kostbar wie Gold – eben überlebenswichtig.

Übrigens: Das Projekt macht Schule, schafft gesellschaftliche Verbindungen. Nicht nur, dass sich über den Religionsunterricht hinaus noch Kinder aus der Nachbarschaft der guten Sachen angeschlossen haben und das Gladbecker Heisenberg-Gymnasium bereits eingestiegen ist, nein, auch am Gelsenkirchener Grillo-Gymnasium soll es umgesetzt werden. „Pfandtastisch“, oder?

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