Organspende

Gelsenkirchener diskutieren mit Politikern über Organspenden

Prof. Dr. Claudia Schmidtke (CDU-MdB), Oliver Wittke (CDU-MdB). Propst Markus Pottbäcker (Stadtdechant) und Dr. Uwe Wildförster (Chefarzt Neurochirurgie Bergmannsheil Buer, v.l.) diskutieren die Änderung des Organspenderechts.

Prof. Dr. Claudia Schmidtke (CDU-MdB), Oliver Wittke (CDU-MdB). Propst Markus Pottbäcker (Stadtdechant) und Dr. Uwe Wildförster (Chefarzt Neurochirurgie Bergmannsheil Buer, v.l.) diskutieren die Änderung des Organspenderechts.

Foto: Joachim Kleine-Büning / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Buer.  Stadtgespräch: Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Propst Pottbäcker und Betroffene sprachen in Buer über das heikle Thema.

„Egal, wie Ihre Entscheidung ausfällt – wir möchten nur, dass Sie eine Entscheidung zu treffen“, bat Bundestagsabgeordnete Prof. Claudia Schmidtke (CDU) die Zuschauer. Beim 4. Stadtgespräch des Gelsenkirchener Bundestagsabgeordneten und Staatssekretärs Oliver Wittke, ebenfalls CDU, stand das sensible Thema „Organspende“ zur Diskussion.

Voll war der Seminarraum der Rehaklinik des Bergmannsheil in Buer am Montagabend. Über 60 Zuhörer waren an dem Thema interessiert und diskutierten mit. Schnell wurde klar, wie emotional ergreifend und hoch komplex das Thema Organspende in der Bevölkerung ankommt. Das Anliegen von Wittke: „Politische Themen auf lokale Ebene herunterbrechen“, wie er sagte und eine spannende Diskussion ohne endlose Reden führen, wie Wittke betonte. Das ist gelungen.

Propst liefert ethische Erkenntnisse

Aus Berlin angereist war Prof. Claudia Schmidtke, lange Zeit praktizierende Ärztin und seit 2018 Patientenbeauftragte der Bundesregierung. Dr. Uwe Wildförster lieferte als Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie wichtige Erkenntnisse und aus ganz anderer Sicht brachte Propst Markus Pottbäcker als Stadtdechant ethische Argumente ins Gespräch. Zum Beispiel, wann denn jemand wirklich tot ist und ob dann andere für einen Entscheidungen fällen dürfen.

Mutig und nachvollziehbar für viele im Raum, die ähnliche Gedanken äußerten, folgte er ethischen Linien der katholischen Kirche, die einen Kontrapunkt zur Argumentation der Patientenbeauftragten setzten. Für beide Positionen gab es gute Argumente. Das machte die Problematik bei der Diskussion deutlich.

Keine 1000 Organspender 2018

Zu den Fakten: In Deutschland gab es 2018 keine 1000 Organspender. Dem gegenüber standen 9000 Patienten, die dringend auf ein Organ warteten. 900 sind in der Zeit gestorben. „Wir brauchen unbedingt Spenderorgane“, betonte Claudia Schmidtke. Man solle nicht nur an sich denken. Es gehe darum, ob man nach seinem Tod sterbenskranken Menschen wieder zu einem würdigen Leben verhelfen könne, sagte sie.

Sie nannte zwei Beispiele dafür, warum man zu Lebzeiten unbedingt seinen Wunsch in Bezug auf Organtransplantation äußern solle. In einem Fall quälte sich eine junge Frau mit ihrer Entscheidung, die sie in Bezug auf ihren Bruder getroffen hatte. Der kam als Organspender in Frage und hatte sich zu Lebzeiten nicht geäußert. Sie hatte zugestimmt, dass die Ärzte ihm Organe entnehmen dürfen. Ob sie richtig und in seinem Sinne entschieden hatte, blieb für sie eine unbeantwortete Frage, auf die sie auch Jahre später keine Antwort fand.

Ein Betroffener berichtet

Der zweite Fall betraf den früheren Bundesvorsitzenden der FDP, Klaus Kinkel. Er hatte sich bei seiner 20-jährigen Tochter, die durch einen Verkehrsunfall ums Leben gekommen war, gegen eine Organtransplantation ausgesprochen. Als er dann von seiner Frau hörte, dass die Tochter geäußert hatte, sie befürworte für sich eine Organspende, verfolgten ihn die Gedanken, warum er nicht eingewilligt habe.

Ganz berührend war der Diskussionsbeitrag eines Mannes, der ein normales Leben führen kann, weil er ein Organ einer Verstorbenen bekommen hatte. Sonst hätte er nicht mehr lange überlebt, so schlecht ging es ihm. „Ich bin so dankbar, dass sie mir ein neues Leben geschenkt hat. Ich lache mit ihr, weine mit ihr, denke immer an sie, obwohl ich sie nicht gekannt habe“, berichtete er.

Die Botschaft des Abends war nicht, irgendwen zu einem Ja zu drängen, sondern zu irgendeiner Entscheidung, die er zumindest nahen Angehörigen oder Freunden mitteilen solle.

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