Der Paritätische

Gelsenkirchener gründet Selbsthilfegruppe für Gewaltopfer

Christa Augustin (links) und Aileen-Filiz Sayin von der Selbsthilfe-Kontaktstelle des Paritätischen werden die Selbsthilfegruppe um Olaf Häcker für Menschen, die Gewalt und/oder Mobbing erfahren haben, unterstützen.

Christa Augustin (links) und Aileen-Filiz Sayin von der Selbsthilfe-Kontaktstelle des Paritätischen werden die Selbsthilfegruppe um Olaf Häcker für Menschen, die Gewalt und/oder Mobbing erfahren haben, unterstützen.

Foto: Joachim Kleine-Büning / Funke Foto Services GmbH

Gelsenkirchen.  Olaf Häcker will eine Selbsthilfegruppe für Opfer von Mobbing und Gewalt in Gelsenkirchen gründen. Der Paritätische unterstützt die Gruppe.

Olaf Häcker hat mehr Erfahrung mit Gewalt und Mobbing, als einem Menschen lieb sein kann. Der 53-Jährige wurde zweimal von Unbekannten niedergeschlagen. Einmal abends beim Essenskauf, einmal in einer Gaststätte auf der Toilette. Beide Male gab es keine Zeugen, so dass er nicht wagte, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. „Das verläuft doch dann im Sande.“ Doch es lag nicht allein daran, dass er keine Zeugen hatte. „Nach meiner langjährigen Mobbing-Erfahrung an meiner Arbeitsstelle hätte ich mich das ohnehin nicht gewagt“, weiß er. „Ich habe im Textillager gearbeitet, da hat man mich sehr ausgegrenzt. Ich hatte keinerlei Rückhalt, keine Ansprechpartner. Da habe ich begonnnen, zu schweigen, mich immer mehr zurück zu ziehen, bin völlig vereinsamt. 2013 bin ich dann zusammengebrochen. Ich war in eine echte Depression gefallen.“

Engagiert als Nachbarschaftsstifter

Nach drei Jahren Wartezeit bekam er 2016 endlich einen stationären Therapieplatz, Gesprächstherapien schlossen sich an. Heute ist er frei von Medikamenten, sein Rezept ist ehrenamtliches Engagement, Aktivität, Kontakte. Häcker engagiert sich als Nachbarschaftsstifter, im Generationennetzwerk, hat in mehreren Selbsthilfegruppen mitgearbeitet und kam so in Kontakt mit der Selbsthilfe-Kontaktstelle des Paritätischen. Er fiel deren Leiterin, Christa Augustin auf, weil er dort so viele Menschen unterstützte, sich sensibel einbrachte, sehr aktiv vernetzt ist. Daraufhin sprach sie ihn an.

Ansprechpartner und Kontakte für den Weg aus der Isolation

Mit Starthilfe und Begleitung der Kontaktstelle will Olaf Häcker jetzt selbst eine Selbsthilfegruppe ins Leben rufen für Menschen, die Opfer von Mobbing und/oder Gewalt geworden sind. Die „Kratzer auf der Seele“, wie er es nennt, sind geblieben von den Übergriffen. Doch er fühlt sich stark und unterstützt genug, um andere mit ähnlichen Erfahrungen auf dem Weg aus der Isolation heraus zu helfen. „Kontakte, Ansprechpartner sind sehr wichtig. Die Selbsthilfegruppe bietet einen neutralen Rahmen, über alles zu sprechen. Das hilft, sich zu stabilisieren“, hat er selbst erfahren.

Keine Konkurrenz zu Therapien, sondern Ergänzung und Begleitung

„Bei Selbsthilfegruppen geht es nicht um Konkurrenz zu Therapien, sondern um Ergänzung, Unterstützung. Und wenn wir sehen, es gibt Bedarf, vermitteln wir auch professionelle Hilfe.“

Losgehen soll es mit den monatlichen Gruppentreffen am 6. August um 17.30 Uhr, Treffpunkt werden die Robert-Geritzmannn-Höfe 4 in der Feldmark sein. Wer mehr wissen möchte, um sich der Gruppe anzuschließen, kann sich in der Kontaktstelle, Dickkampstraße 10, bei Christa Augustin informieren, Telefon 0209 9132810.

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