Brandkatastrophe

Gelsenkirchener Kirchen haben Sonderstatus beim Brandschutz

Zwei der herausragenden Gelsenkirchener Gotteshäuser: Links die evangelische Altstadtkirche (l.), dahinter die Propsteikirche St. Augustinus.

Zwei der herausragenden Gelsenkirchener Gotteshäuser: Links die evangelische Altstadtkirche (l.), dahinter die Propsteikirche St. Augustinus.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen.  Ist ein Großfeuer wie in Notre-Dame in Paris auch in den Kirchen in Gelsenkirchen möglich? Die WAZ fragte bei Pastoren und der Feuerwehr nach.

Mittlerweile ist das Feuer gelöscht, doch dass Notre-Dame in Paris brannte und große Teile des Gebäudes zerstört wurden, bewegt auch Gelsenkirchen.

Georg Späh, Pastor in der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt, hat Notre-Dame selbst viermal besucht. „Es ist entsetzlich, dass das Gebäude, das 800 Jahre da gestanden hat, so schwer zerstört wurde“, sagt er. „Notre-Dame ist nicht nur eine Kirche, sondern ein Identifikationssymbol für Frankreich – man sagt nicht umsonst, das Herz von Paris“, fährt er fort. Zwar gäbe es seiner Meinung nach noch beeindruckendere gotische Kathedralen in Frankreich, doch die „mystische Aura durch die französische Geschichte in Verbindung mit dem Roman von Victor Hugo“ sei einzigartig.

Der Anteil an feuerfestem Material ist größer

Für Späh ist die Brandgefahr in moderneren Kirchen wie beispielsweise St. Barbara in Rotthausen weniger groß, da der Holzanteil im Gegensatz zu dem in Notre-Dame wesentlich geringer ist. Auch Pastor Mirco Quint von St. Augustinus sagt, dass durch die spätere Bauzeit der Gelsenkirchener Kirchen der Anteil an feuerfestem Material deutlich größer sei. „Die Propsteikirche St. Augustinus ist erst 150 Jahre alt, da wurde viel Stein und Stahl verarbeitet. In Notre-Dame gab es hingegen viel Holzwerk und das Material wurde nie ausgetauscht“, so Quint, der die Kirche persönlich gut kennt, weil er oft durch sein in Paris lebendes Patenkind dort zu Besuch war.

Er äußert sich bedrückt: „Ich kann mir vorstellen, die Wasserschäden durch das Löschen werden noch größer sein, als die Brandschäden.“ Davor hätte er bei einem Kirchenbrand in Gelsenkirchen auch große Sorge – gerade auch, weil die Kirchen, die zum Bistum Essen gehören, nicht gegen Brandschutz versichert seien. „Die Versicherungssummen sind zu hoch“, da wäre es fast leichter, eine Kirche neu zu bauen, sagt er.

Mitarbeiter im vorbeugendem Brandschutz

Johannes Tintschl, Mitarbeiter im vorbeugendem Brandschutz der Gelsenkirchener Feuerwehr erklärt, dass Kirchen zumindest in NRW nicht direkt unter die Versammlungsstättenverordnung fallen und auch beim Brandschutz gesondert behandelt werden. „Bei Krankenhäusern, Schulen oder Theatern sind wir verpflichtet, die Objekte in maximal bis zu sechs Jahren durch eine Begehung zu überprüfen. Das ist bei den Kirchen nicht Pflicht“, sagt er. Auch wenn die Gebäude teilweise baulich nachgerüstet werden, sei auch dies nicht unbedingt ein Muss. Trotzdem wäre die Feuerwehr vorbereitet, falls eine Kirche brennt.

Keine Rauchabzugsanlagen in Kirchen

„Kirchen haben oft kein Notausgangssignal, keine Rauchmelder oder Rauchabzugsanlagen“, sagt der Verwaltungsleiter der Pfarrei St. Augustinus, Peter Schmidt-Kuh Auch nicht immer würden Feuerlöscher vorhanden sein. „Bei den Gebäuden, die über 100 Jahre alt sind, war Brandschutz kein Thema. Da hilft nur Gottvertrauen.“ Auch wenn Kerzen nach den Gottesdiensten ausgemacht werden und nur fachkundige Handwerker in den Gotteshäusern arbeiten dürfen, könne man einen Brand auch in Gelsenkirchen nicht ausschließen.

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