Eingeschleppte Giftspinne

Gelsenkirchener „Spinnenpfleger“ übergibt Gifttier Experten

Macrothele calpeiana  lautet der Name der gefundenen Trichterspinne. Sie ist giftig, ihr Biss äußerst schmerzhaft über Stunden.

Macrothele calpeiana  lautet der Name der gefundenen Trichterspinne. Sie ist giftig, ihr Biss äußerst schmerzhaft über Stunden.

Foto: Foto: Markus Fahr

Gelsenkirchen/Viersen.  Der Gelsenkirchener Markus Fahr pflegt derzeit giftige Trichterspinne aus Viersen. Der achtbeinige Einwanderer geht bald an einen Arachnologen.

Sein Spezialgebiet ist eigentlich die Falknerei, über Greifvögel kann Markus Fahr stundenlang referieren. Jetzt hat der 34-jährige Gelsenkirchener eine ebenso seltene wie giftige Trichterspinne vorübergehend in Obhut genommen. Der Achtbeiner ist im Kreis Viersen entdeckt worden, vermutlich ist Macrothele calpeiana – so der Fachterminus für die Spinne – mit importierten Olivenbäumen nach Deutschland gekommen.

„Ich sehe mich nicht als Experten, sondern mehr als jemanden, der etwas mehr als üblich über Spinnen weiß“, sagt Markus Fahr am Freitag auf dem Heimweg nach der Arbeit. Der 34-Jährige ist Bürokaufmann und seit Jahren leidenschaftlicher Falkner. Er besitzt und pflegt einen Harris Hawk, einen Wüstenbussard.

Spinne wurde nach einem Vortrag zum Mitbewohner

Dass er jetzt auch noch einer hochgiftigen Spinne eine (verschlossen, versteht sich) vorübergehende Bleibe bietet, liegt an einem Vorfall, der einige Zeit zurückliegt. Im Blue Square der Uni Bochum sollte ein Freund mal einen Vortag über Schwingungen und Ängste halten. „Dazu habe ich mir eine Spinne ausgeliehen“, erzählt der Gelsenkirchener. Es ist nicht überliefert, ob die Kraushaar-Vogelspinne die gleiche Zuneigung für den Naturfreund hatte, jedenfalls schlossen Freunde und Familie das Tier derart in ihr Herz, das er es nach dem Vortag statt zurück zum Züchter in seine eigenen vier Wände brachte und seitdem für die Spinne sorgt.

Seine Kollegen aus einer Auffangstation wissen das, „und deshalb hat mich der Hilferuf aus Viersen erreicht“, sagt Fahr. Der Gelsenkirchener brauchte auch nicht lange, um die Spinne aus dem Gewächshaus am Niederrhein zu identifizieren, „weil sie so markant in ihrer Erscheinung ist und von daher einfach zu bestimmen.“

Nun also, ist das giftige und geschützte Tier als Mitbewohner von Markus Fahr, der trotz „weniger Berührungsängste“ großen Respekt vor dem Achtbeiner hat. „Das Tier hat eine Giftwirkung, die sich keiner zu spüren wünscht“, sagt der 34-Jährige und spielt damit auf Stunden voller Schmerz an, die die Giftzähne und das Toxin hinterlassen.

Uni-Experte begutachtet Trichterspinne

Gefressen, so sagt der Fachmann, habe die Spinne noch nicht. Überhaupt macht sich Markus Fahr Sorgen um den Zustand des Tieres. „Möglicherweise sind die Olivenbäume mit Pestiziden besprüht worden und das Tier damit in Kontakt gekommen.“ Offen ist daher die Frage, ob sie die lange Reise überlebt. Deshalb hat sich Fahr mit einem Biologen und Arachnologen von der Universität Duisburg-Essen in Verbindung gesetzt. „Ein wahrer Experte“, so Fahr. „Der weiß besser was zu tun ist und kann den Zustand fachlich besser einschätzen.“ Weber soll die Spinne am Freitag oder Samstag in seine Obhut nehmen.

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