Gelsenkirchener Idol

Grab im Schlosswald: In dieser Idylle ruht Rudi Aussauer

Sonne blinzelt durch Buchen und Eichen: Viel deutet nicht auf einen Bestattungswald hin. Doch im Schlosswald in Westerholt wurden seit 2015 schon über tausend Menschen bestattet. Einige anonym, wie Rudi Assauer am Dienstag.

Sonne blinzelt durch Buchen und Eichen: Viel deutet nicht auf einen Bestattungswald hin. Doch im Schlosswald in Westerholt wurden seit 2015 schon über tausend Menschen bestattet. Einige anonym, wie Rudi Assauer am Dienstag.

Foto: Jana Tessaring

Gelsenkirchen/Westerholt.   Am Dienstag wurde der Ex-Schalke-Manager im Familienkreis an der Grenze zu Gelsenkirchen beigesetzt. Ein Besuch an Assauers letzter Ruhestätte.

Die Sonne blinzelt durch Buchen, Eichen und Birken, Vögel zwitschern, ein Rotkehlen hüpft über den Weg, weiter oben über den Wipfeln: Himmelblau und Wolkenstreifen. Hier, im Wald am Schloss Westerholt an der Stadtgrenze zu Buer, ruht Rudi Assauer seit Dienstag in Frieden. „Ruhestätte Natur“ heißt das zehn Hektar große Gräberfeld, das seit 2015 besteht. Ohne Grabsteine, ohne beschnittene Hecken, Tore und Umzäunung. Auch ohne Angaben zu den Toten, wenn die Familie das nicht wünscht. Rudi Assauers Familie, die den Ex-Schalke-Manager in dieser Woche im engen Familien- und Freundeskreis beerdigt hat, möchte, dass die genaue Stelle des Grabes anonym bleibt. Assauers Urne wurde 80 Zentimeter tief im Waldboden versenkt, darüber eine Baumscheibe gelegt – wo genau, das wissen nur die Angehörigen. „Und so wird es auch bleiben“, erfuhr die WAZ aus Familienkreisen.

Keine Plakette: Assauers Grabstelle bleibt anonym

Auch Hans-Bernd Elbers ist heute im Westerholter Schlosswald unterwegs. Jeden Tag fährt der 76-Jährige von Gelsenkirchen über die Stadtgrenze nach Herten, um hier seine Frau zu besuchen. „Sie ist im November gestorben. Dahinten am Baum: Da haben wir sie begraben.“ Nicht jeder, der im ersten Bestattungswald des Ruhrgebietes seine letzte Ruhe findet, bleibt namenlos. Wer sich querfeldein zwischen den Laubbäumen bewegt, entdeckt an vereinzelten Stämmen handgroße schwarze Plaketten. Darauf geschrieben stehen die Namen der Toten, ihr Geburts- und Sterbedatum.

Dass es für Rudi Assauer eine solche Plakette nicht geben wird, findet Elbers schade. Als Gelsenkirchener und Schalke-Fan hat er in den letzten Tagen alle Nachrichten um den Tod seines Idols verfolgt. „Seit Dienstag waren so viele Menschen hier und haben zwischen den Bäumen sein Grab gesucht. Aber das findet man ja nicht.“ Dafür weisen andere Zeichen auf einen besonderen Ort: Ein schlichtes, zwei Meter hohes Holz, davor ein Altar und fünf einfache Bänke, formen an zwei Stellen einen Andachtsplatz mitten im Wald. „Es ist ein wunderbarer Ort“, findet Elbers. Ein guter Ort, sich zu erinnern.

Graf kannte Assauer nicht persönlich

Die Idee, auf seinem Land einen Bestattungswald anzulegen, stammt von Carlo Graf von Westerholt. 33 Hektar seines Bodens hat er hinter der Martini-Schule für Waldbestattungen als Gräberfeld mit dem Namen „Ruhestätte Natur“ hergerichtet – dass er für diesen Zweck freigegeben wurde, dafür musste von Westerholt sieben Jahre kämpfen.

Dazu, dass Gelsenkirchens berühmter Bürger jetzt unter seiner Erde ruht, möchte sich der Graf nicht äußern. „Persönlich kannte ich Rudi Assauer nicht“, sagt Westerholt auf Nachfrage. Und zu Toten mag er keinen Kommentar abgeben, „nicht zu Rudi Assauer und auch zu sonst niemandem, der hier begraben liegt“. Der Unternehmer beobachtet eine wachsende Nachfrage nach naturnahen Bestattungen in der „Ruhestätte Natur“. In der ersten Parzelle hat sein Förster Ole Busch vor drei Jahren 490 Bäume ausgesucht, unter denen Urnen beigesetzt werden können. „Inzwischen sind wir im vierstelligen Bereich.“

Gräber kosten zwischen 550 bis 9900 Euro

Viele Menschen entscheiden sich bewusst für eine Beerdigung im Wald: „Schon zu Lebzeiten kann man sich seinen Baum aussuchen“, erklärt Carlo Graf von Westerholt. Zwischen 550 bis zu 9900 Euro – vom Einzelplatz, den der Förster aussucht, bis zum Familienbaum, um den herum zwölf Urnen beigesetzt werden können – kosten die Ruhestätten. Hinzu kommen später Beisetzungskosten.

Für Assauer Fans und Freude ist das idyllische Waldstück in Westerholt trotz Anonymität eine herrliche Anlaufstelle: Gerade in diesen Tagen, wo die Sonne durch die Wipfel blinzelt.

Große Trauerfeier in St.Urbanus und Schalke-Arena

Zunächst steht aber noch die offizielle Trauerfeier für Fans und Bürger an: Freitag können sie von ihrem Idol Abschied zu nehmen. Um 11 Uhr beginnt die Feier in der Kirche St.Urbanus in Buer, zu der nicht nur geladene Gäste und Mitarbeiter des Vereins Zutritt zur haben sollen, wie Schalke 04 betont. „Auch Fans sind in der St. Urbanus Kirche in Buer willkommen.“ Da die Plätze auf etwa 1000 begrenzt sind, koordiniert die Abteilung für Fanbelange in Abstimmung mit den Fanorganisationen die Vergabe.

Wer keinen Platz bekommt kann die Zeremonie, wie angekündigt, in der Veltins-Arena live auf dem Videowürfel verfolgen. Der Einlass dafür beginnt um 10 Uhr am Eingang West 1. Im Stadion wird die Gazprom-Tribüne geöffnet sein. Außerdem wird die Gedenkfeier auf den Fernsehern in den Promenaden zu sehen sein. Eine Außenübertragung an der Kirche wird es allerdings aus Sicherheitsgründen nicht geben können, wie Schalke mitteilte.

<<< Bestattungswälder auch in Hagen und Lünen

  • Bestattungswälder wie die „Ruhestätte Natur“ gibt es inzwischen auch in Hagen und Lünen-Cappenberg.
  • Carlo Graf Westerholt eröffnet in sieben Wochen eine weitere Dependance von „Ruhestätte Natur“ in einem Waldstück in Haltern.

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