Kindeswohlgefährdung

Kindeswohl: 2018 gab es mehr Prüfverfahren in Gelsenkirchen

1036 mal prüften das Gelsenkirchener Jugendamt 2018 wegen des Verdachts auf Kindeswohlgefährdung.

1036 mal prüften das Gelsenkirchener Jugendamt 2018 wegen des Verdachts auf Kindeswohlgefährdung.

Foto: Martin Schroeder / picture alliance

Gelsenkirchen.  In Gelsenkirchen wurden 2018 weniger Kinder vom Jugendamt in Obhut genommen. Und das, obwohl die Zahl der Prüfverfahren parallel gestiegen ist.

Wenn Kinder in ihrem privaten Umfeld gefährdet erscheinen, sind die Jugendämter am Zug. Kitas, Schulen, Ärzte, Nachbarn können in so einem Verdachtsfall aktiv werden und um Prüfung bitten. Mehr als jeder fünfte Fall wird dem Jugendamt durch Polizei, Gericht oder Staatsanwaltschaft zugewiesen, an zweiter Stelle stehen als Hinweisgeber Verwandte oder Bekannte, gefolgt von Mitarbeitern an Schulen und Kitas sowie Tagesmüttern.

Nicht in jedem Fall erweist sich ein Eingreifen durch Mitarbeiter der Behörde als notwendig. In Gelsenkirchen wurde nach Zahlen von IT.NRW im vergangenen Jahr in 1036 Fällen so eine Prüfung auf Gefährdung des Kindeswohls in Gang gesetzt – damit stieg die Zahl um 130 Fälle gegenüber dem Vorjahr. 2013 waren es gar nur 613 Prüfverfahren. Der Anstieg fiel in Gelsenkirchen von 2017 auf ‘18 allerdings mit 8,0 Prozent geringer aus als im Landesschnitt, der bei 9,9 Prozent lag.

In 241 Fällen lag in Gelsenkirchen eine akute Kindeswohlgefährdung vor

Bei den 1036 überprüften Fällen stellten die Mitarbeiter des Erziehungsreferates bei 222 Kindern, also in weniger als einem Viertel der Fälle, tatsächlich eine akute Gefährdung fest, in weiteren 241 Fällen allerdings gab es eine latente Gefährdung. Unterstützung für die Eltern beziehungsweise die Erziehungsberechtigten wurde in dem Rahmen bei 327 Familien für ausreichend befunden, bei den übrigen 246 wurden kein Handlungsbedarf festgestellt.

In jedem fünften Fall wurden Kinder auf eigenen Wunsch aus der Familie genommen

Auch wenn die Zahl der Prüfverfahren gestiegen ist: Die Zahl der tatsächlichen Inobhutnahmen, bei denen Kinder zu deren Sicherheit aus den Familien genommen werden, ist im vergangenen Jahr in Gelsenkirchen laut IT-Statistik sogar stark gesunken, trotz mehr eingeleiteter Prüfverfahren: die Zahl sank von 287 auf 192. Betroffen waren demnach in 2018 zu fast zwei Dritteln Mädchen, in jedem fünften Fall wurden die Kinder auf eigenen Wunsch aus der Familie genommen. Grund war in den meisten Fällen eine Überforderung der Eltern oder des Elternteils, aber auch Beziehungsprobleme der Eltern oder die unbegleitete Einreise von Kindern aus dem Ausland.

Stellenplan aufgestockt, aber nicht alle sind mangels Fachkräften besetzt

Peter Tögel, Abteilungsleiter im Allgemeinen Städtischen Sozialdienst (ASD), relativiert die Zahl allerdings ein wenig: die Landesstatistiker zählen nur am Jahresende abgeschlossene Verfahren. Rechnet man die zum Jahresende noch laufenden Verfahren hinzu, waren es 220 Fälle – und damit immer noch deutlich weniger als im Vorjahr.

Um in Verdachtsfällen angemessen reagieren zu können, wurde der Stellenplan im Allgemeinen wie im Besonderen Sozialen Dienst (BSD) der Stadt in den letzten Jahren deutlich aufgestockt: von 2015 bis zum Jahr 2018 von 52,5 auf 66 Stellen im ASD, und von 35,65 auf 39,4 im BSD.

Aber: Ähnlich wie an Schulen gibt es zwar mehr Stellen, aber nicht genug Bewerber dafür sowie eine hohe Fluktuation, so dass immer wieder Stellen unbesetzt bleiben. Einer der Gründe: viele junge Mitarbeiter gehen zwischenzeitlich in Elternzeit, für sie kann aber mangels Fachkräften auf dem Markt nicht immer ein adäquater Ersatz gefunden werden, zumal es sich dann ja um eine befristete Anstellung handelt.

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