Integration

Land gibt weniger Zuschuss für hoch gelobtes Sprach-Projekt

20 Kinder proben im Rahmen des Sprachcamps im Gelsenkirchener Consoltheater unter der Leitung von Theaterpädagogin Barbara Grubenbecher und Schauspieler Thomas Gimbel die Stücke „Das tapfere Schneiderlein“ und die „Bremer Stadtmusikanten“.

20 Kinder proben im Rahmen des Sprachcamps im Gelsenkirchener Consoltheater unter der Leitung von Theaterpädagogin Barbara Grubenbecher und Schauspieler Thomas Gimbel die Stücke „Das tapfere Schneiderlein“ und die „Bremer Stadtmusikanten“.

Foto: Foto: Joachim Kleine-Büning / FFS

Gelsenkirchen-Bismarck.  In sechs Sprachcamps lernen Kinder mit Migrationshintergrund in Gelsenkirchen auch dieses Jahr wieder Deutsch. Die Elternarbeit wurde gestrichen.

Jassi (8) streckt sich, beugt den Oberkörper vor. „Laut brüllen jetzt“, ruft der stattliche Mann mit dem Pferdeschwanz ihm vom Rand der Bühne im Consol-Theater zu. „Stell’ dir vor, du bist ein Räuber!“ Jassi ist eines von 120 Grundschulkindern mit Migrationshintergrund, die zurzeit ein zweiwöchiges Sprachcamp in Gelsenkirchen besuchen. Und obwohl die Förderung, die hier stattfindet, sich bewährt hat und von Experten hoch gelobt wird: Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gibt in diesem Jahr ein Drittel weniger Zuschüsse als in den Vorjahren.

Land zahlt 60.000 Euro

„Die zunächst von der Stadt veranschlagten 85.000 Euro waren nicht komplett förderfähig“, erklärt Markus Fischer, Sprecher des LWL, auf Anfrage. In den vergangenen Jahren hatte der LWL 80 Prozent der Kosten des Projektes beigesteuert – in diesem Jahr verweigerte er den Zuschuss zunächst. „In dem Projektantrag waren Elemente enthalten, die nicht förderungsrelevant sind, zum Beispiel die Elternarbeit“, so Fischer. Also musste das Konzept für die Sprachcamps grundlegend geändert werden. Statt an teuren drei Standorten wird nun an sechs Veranstaltungsorten in den Stadtteilen gearbeitet. Die Kosten wurden dabei auf 75.000 Euro reduziert. Fischer: „Davon haben wir dann 80 Prozent gefördert, also rund 60.000 Euro zugeschossen.“

„Schade“, findet Heiner Neuberg-Hahn, der das Sprachförderprojekt im Jugendamt der Stadt federführend koordiniert. „Die Sprachcamps haben in der Vergangenheit tolle Erfolge erzielt, da sind sich alle Beteiligten einig.“ Dass die Camps seit diesem Jahr sozialraumbezogen stattfinden, sieht Neuberg-Hahn dagegen durchaus positiv: „Dass die Kinder den Veranstaltungsort zu Fuß erreichen können, ist für die Familie eine gute Sache.“

Hochsinnvolles Angebot

Warum die Gelder für ein „hochsinnvolles Angebot“ zusammen gestrichen wurden, erklärt sich Gitta Plum hingegen nicht. Die Sozialpädagogin betreut die Kinder im Sprachcamp auf Consol seit über zehn Jahren. „Das ist ein ganz anderes Umfeld hier als Schule“, sagt Plum. „Die Kinder verhalten sich anders, lernen spielerisch. Wir haben hier Kinder, die haben in der Schule gar nicht gesprochen. Im Sprachcamp tauen sie auf, machen mit, machen Fortschritte.“ Auch, dass ausgerechnet an der Elternarbeit gespart werde, sei nicht richtig. „Mit den Eltern zu arbeiten trägt dazu bei, dass sich Gewohnheiten auch in der Familie ändern. Für die Kinder ist so etwas ganz wichtig.“

Die Sprachcamps finden einmal im Jahr zweiwöchig in den Ferien statt. Sie sind dreiteilig aufgebaut und enthalten einen freizeitpädagogischen Teil, einen Teil, in dem Deutsch als Zweitsprache unterrichtet wird, und einen theaterpädagogischen Teil. Zwischendurch gibt es Frühstück und Mittagessen.

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