Knastkulturwoche

Märchenwald und Trommelkreis – eine Kulturwoche im Gefängnis

In einem Trommelkreis musizierten Häftlinge aus dem Frauenvollzug anlässlich der Knastkulturwoche.

In einem Trommelkreis musizierten Häftlinge aus dem Frauenvollzug anlässlich der Knastkulturwoche.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Feldmark.  Bei der Knastkulturwoche zeigen sich die Insassen der JVA Gelsenkirchen musikalisch bis märchenhaft. Wie sieht Kultur hinter Gefängnismauern aus?

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Hoch sind die Mauern der Justizvollzugsanstalt an der Aldenhofstraße und gut gesichert. Sie schirmen die Insassen aber nicht nur von der Außenwelt ab. Im Innern des Gefängnisses entsteht so auch eine ganz eigene Welt. Und die hat ihre eigene Kultur. Um zu zeigen, wie die aussieht, präsentiert sich die JVA bei der Knastkulturwoche – mit lautem Trommeln, leisem Gesang und fantasievollen Worten.

Zum zweiten Mal findet die Veranstaltung des Justizministeriums in nordrhein-westfälischen Gefängnissen unter dem Motto „mehr als Brot und Wasser“ statt. Von Aachen bis Wuppertal, von Bielefeld bis Gelsenkirchen sind insgesamt 19 Gefängnisse dabei. In dieser Woche haben sie sich mit unterschiedlichsten kulturellen Projekten vorgestellt und dazu Gäste hinter Gitter eingeladen.

Buntes Medley im Trommelkreis

In der Feldmark stand der Frauenvollzug im Fokus der Woche. In den Räumen der JVA und unter der Leitung von Musiktherapeutin Tina Meier führte eine Gruppe aus sieben Inhaftierten dazu einen musikalischen Mix bekannter Titel auf: Von „Dance With Somebody“ über „Ain’t Nobody“ bis zu „I Believe I Can Fly“ reichte das Repertoire der Insassinnen. In einem Trommelkreis gaben sie die rhythmischen Beiträge zum Besten, unterstützt durch Schnipsen, Klatschen und Gesangssoli – mal schüchtern und leise, mal selbstbewusster und laut.

Zufrieden verfolgt hat Tanja Biemüller den Auftritt. Die JVA-Mitarbeiterin ist für den Bereich Integration zuständig und hat die Knastkulturwoche in Gelsenkirchen organisiert. „Ein Gefängnis hat seine eigene Subkultur“, sagt sie. Und die sei durchaus facettenreich. Gesprächskreise, verschiedene Arbeitsgruppen und auch Musikgruppen gehörten dazu. „Gefangene müssen dafür erst einmal begeistert werden. Das ist nicht immer so leicht“, erklärt Biemüller weiter.

Was dabei herauskommen kann, wenn das gelingt, konnten Mitarbeiter der teilnehmenden Gefängnisse sowie Vertreter der Politik am Donnerstagmittag erleben. Neben der Aufführung der Musikgruppe waren sie eingeladen, durch den „Märchenwald“ zu stöbern. Häftlinge aus dem Männervollzug hatten selbstgeschriebene Märchen an Aufstellern aus Pappmaché ausgestellt. Zwischen Bäumen und Tauben erzählten einlaminierte Ausdrucke so teils sehr persönliche Geschichten – vom Verlust eines Kindes etwa.

Kunst mit Integrationsanspruch

Dass die Gefangenen sich auf dieses Format einlassen, ist laut JVA-Sprecher Michael Overkamp nicht selbstverständlich. „Es ist nicht selbstverständlich, Inhaftierte für Kunst zu begeistern“, sagt er. Es dürfe nicht vergessen werden, dass viele der Menschen, die in Gelsenkirchen eine Haftstrafe absitzen, aus dem Drogen- oder Prostitutionsmilieu kämen.

Das hebt auch NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) hervor: „Die Knastkulturwoche bietet die Chance, zu erfahren, welche Schaffenskraft Gefangene während ihrer Haftzeit entwickeln können“, betont er. „Das bringt die Inhaftierten ein Stück weit zurück in die Gesellschaft.“

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