Karneval

Michael Neuhaus, vor 50 Jahren Kinderprinz von Gelsenkirchen

Michael Neuhaus und seine Frau Martina mit Karnevalskostümen aus Kindertagen.

Michael Neuhaus und seine Frau Martina mit Karnevalskostümen aus Kindertagen.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Erle.  Michael Neuhaus ist beim ersten Rosenmontagszug vor 50 Jahren als Kinderprinz dabei. Das legte den Grundstein für weitere jecke Aktivitäten.

Wie genau er einst zum ersten Kinderprinzen der Stadt auserkoren wird, das weiß Michael Neuhaus nicht. Fest steht jedoch, es ist wohl der Vater, Franz Neuhaus, der im Hintergrund alles eingeleitet hat. „Wir hatten früher einen Bierverlag. Und natürlich hatte mein Vater einen großen Wagen. Da war die Frage mit dem Prunkwagen schon geklärt.“ Ob er sich erinnert, gefragt worden zu sein, ob er Prinz sein mag? „Nein. Ich vermute auch, dass man zuerst meinen Vater gefragt hat, wegen des Wagens. Und das könnte dann der Handel gewesen sein.“

Die Rolle des Kinderprinzen liegt dem damals Zehnjährigen durchaus. „Bei so etwas habe ich immer Spaß. Das war ja auch aufregend für uns“, sagt Michael Neuhaus. „Ich bin sogar ein Jahr später bei einer Veranstaltung noch einmal eingesprungen.“

Erinnerungen an den Prunkwagen

Recht gut erinnert sich der Erler daran, wie es war, als er auf dem Prunkwagen stehend mit dem Zug auf die Cranger Straße einbiegt und vor sich nur noch eine einzige Menschenmasse sieht. „Es war beeindruckend. Da standen ja so viele Leute am Wegesrand. Im ersten Moment ist man da erschlagen. Diese lange Straße und alles voller Zuschauer.“

Da sei das Kinderprinzenpaar glatt übereifrig geworden. „Am Anfang haben wir zu viele Bonbons geworfen. Da wurden wir gestoppt. Das Wurfmaterial war knapp, denn es musste ja selbst gezahlt werden.“ Insgesamt sind diese Stunden für Michael Neuhaus bis heute unvergessen. „Da oben auf dem Wagen zu stehen – da kam man sich ja wirklich vor wie ein Prinz. Und von unten wurde man bejubelt.“

All dies erlebt auch seine heutige Frau, Martina Fanenstich-Neuhaus, mit. Sie ist wie Michael Neuhaus zu dieser Zeit Mitglied des Erler Kinderchores, der die ersten Kinderprinzenpaare stellt. Und sie ist damals ein Funkemariechen. „Das nannte man so.“ Obwohl die Mädchen nicht tanzten. Der Dress von einst erinnert tatsächlich an eine Gardeuniform. In Wirklichkeit jedoch tragen die jungen Damen die Kleidung des Kinderchores.

Viel Spaß beim Rosenmontagszug

Das einzig wirklich jecke Utensil ist ein Dreispitz, den jede auf dem Kopf trägt. Das wird fortan jedes Jahr so gemacht. Auch Martina Fanenstich-Neuhaus denkt gern zurück an den ersten Rosenmontagszug. „Wir hatten viel Spaß. Allein, dass wir Bonbons schmeißen durften, war ja schon toll. Und natürlich, dass wir überhaupt dabei sein durften.“

Bei beiden legt dieser erste Rosenmontagszug der Stadtgeschichte den Grundstein für eine große Sympathie für die fünfte Jahreszeit. Michael Neuhaus ist noch einige Jahre mit von der Partie. „Mein Vater hat noch einige Zeit den Wagen gefahren und ich bin als Begleitperson mitgegangen.“ Immer wieder, ob nun in der Jugend noch getrennt voneinander oder später gemeinsam als Paar, besuchen sie den Zug. Michael Neuhaus ist sogar zeitweilig im Karneval aktiv. „Ich war zehn Jahre im Männerballett in der Gemeinde St. Ida“, sagt Michael Neuhaus und lacht. „Ja, das ist aus der Zeit als Kinderprinz entstanden.“

Notbetten im Keller des Krankenhauses

Aus einer völlig anderen Perspektive erlebt Christel Kuckmann den ersten Rosenmontagszug mit. Sie ist damals als Krankenschwester im Erler Krankenhaus beschäftigt. Dem schwant schon zuvor, was da kommen könnte. Die Belegschaft bereitet sich vor.

„Wir hatten unten im Keller Notbetten aufgestellt. Da haben wir die betrunkenen Karnevalisten versorgt. Und am Abend, als alle weg waren, wurde der Keller mit dem Schlauch ausgespritzt.“ Das sei wohl nötig gewesen. „Ich sehe bis heute diesen langen Keller vor mir“, sagt die Erlerin und lacht. „Das war nicht schön, aber funktionell.“

Die vielen Betrunkenen, ergänzt sie, habe es nur in den ersten Jahren gegeben. „Das waren nur die Anfänge. Das hat sich schnell normalisiert. Es war eben das erste Mal und alle haben sich so gefreut“, ist die Krankenschwester verständnisvoll. Auch damals schon: „Wir wussten, das ist eben so. Und die waren ja auch ganz lustig und niemals aggressiv.“ Ihre Freude am närrischen Treiben konnten diese Vorfälle Christel Kuckmann auch nicht verleiden. „Ich gehe gern am Rosenmontag zum Zug und genieße das.“

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