Kirche

Nach Silvester ist Schluss in St. Joseph Gelsenkirchen

Die Kirche St. Joseph Schalke geht aus dem Regelbetrieb.

Die Kirche St. Joseph Schalke geht aus dem Regelbetrieb.

Foto: Ingo Otto / FFS

Gelsenkirchen-Schalke.  Der letzte Gottesdienst in der Schalker Kirche beginnt am 31. Dezember um 17 Uhr. Die Stiftung Schalker Markt ist für den Erhalt im Gespräch.

„Das Ganze ist ein Trauerspiel“, meinte resignierend ein Gemeindemitglied in der St. Joseph-Kirche in Schalke. Er traf den Kern der Empfindungen der Gläubigen, die sich zu einer Art Abschiedsveranstaltung in der Kirche versammelt hatten. Am 31. Dezember wird um 17 Uhr der letzte Regelgottesdienst gefeiert. So ganz verstummen wird das Leben in der Kirche allerdings nicht. Endgültig verschlossen werden sollen die Türen erst 2030. Ökumenische Schulgottesdienste, Trauungen, Jubiläen, Krippenfeier, Aussendung der Sternsinger, Erstkommunion sollen weiterhin in der Kirche stattfinden, allerdings unbeheizt.

Vom Rückgang der Besucherzahlen blieb auch die Pfarrei St. Joseph nicht verschont. 2560 Sitzplätze stehen den Gläubigen in den fünf Kirchen in der Feldmark, in Schalke, Bismarck, Heßler und St. Joseph zur Verfügung. Zuletzt besuchten nur knapp 400 Gemeindemitglieder die Gottesdienste. Vorgeschriebene Rücklagen, steigende Personalkosten würden bereits im kommenden Jahr zu einem Defizit von 400000 Euro führen. Pfarrer Ingo Mattauch sagt, wohin der Weg führen muss: „Alle Christen in den Gemeinden sollen demnächst unter seelsorgerischer und wirtschaftlicher Sichtweise gemeinsam Verantwortung tragen.“ Mit dem Leitbild „Dienst am Menschen“ soll Kirche auch in Schalke weiter leben. „Wir brauchen keine Gebäude, um christlich zu handeln“, fordert Gemeindereferentin Christiane Rother alle Gläubigen auf, sich am zukünftigen Gemeindeleben aktiv zu beteiligen.

Haus Eintracht als zentrale Anlaufstelle

Als Zentrum für pastorales und allgemeines Stadtteilleben könnte sich Haus Eintracht entpuppen, das in unmittelbarerer Nähe liegt und auch weiterhin zentrale Anlaufstelle bleiben wird. Das Pfarrbüro mit den Seelsorgern wird in dem Haus eingerichtet.

Gottesdienste feiern, Kinder- und Jugendarbeit, Trauerbegleitung, Vernetzung mit anderen Akteuren sind einige der Themenbereiche, die man weiter ausbauen will. Ein Koordinierungsteam in der Gemeinde sieht sich gleichzeitig als Akteur für neue Ideen und Anlaufstelle für Anregungen durch Mitglieder. Sabrina Kurella: „Wir werden Termine koordinieren und Menschen zur Mitarbeit motivieren.“ Präsent bleiben will die Kirche bei der Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen, beispielsweise in Altenheimen, im Jugendtreff der Amigonianer oder im Familienzentrum St. Agnes.

Wichtig für die Sozialgeschichte des Stadtteils

Eine Steuerungsgruppe nimmt sich vor, weitere Ideen zu entwickeln und den Prozess zu koordinieren, wie er bis zum Jahr 2030 ablaufen könnte. Gepräche mit der Stiftung Schalker Markt wurden bereits geführt. Pfarrer Ingo Mattauch sieht in der Stiftung einen starken Partner, um Ideen für eine spätere Nutzung des Kirchengebäudes zu entwickeln. Vorstandsmitglied Olivier Kruschinski sieht das Gebäude nicht nur als Identität stiftend für die Kirchenbesucher. Es sei auch ein eindrucksvoller Ort, der die Sozialgeschichte des Stadtteils vom Bergbau über die Industrie bis zum Fußball erzähle.

Schalke-Museum ein „Muss“

Kruschinski, der auch als Stadtführer Geschichte leben lässt, will „das Gotteshaus mutig neu denken.“ In seiner Vision stellt er sich ein Mischkonzept vor, in dem Gemeindetreff, Souvenirshop, Gastronomie und Kulturveranstaltungen unter einem Dach stattfinden könnten.

Ein Muss ist für den leidenschaftlichen Bekenner zur Heimatgeschichte ein Schalke 04-Museum. Nirgendwo könnte die Historie des Vereins besser dokumentiert werden als in diesem Schalker Zentrum. Zumindest ein bescheidener Anfang scheint gemacht. Die Kirche bleibt auch im nächsten Jahr an allen Schalker Spieltagen als Kultstätte für Fans geöffnet.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben