Konzert

New Yorker „Klezmatics“ bringen Rhythmus nach Gelsenkirchen

„The Klezmatics“ brachten am Sonntag das Publikum im Hans-Sachs-Haus zum Tanzen.

„The Klezmatics“ brachten am Sonntag das Publikum im Hans-Sachs-Haus zum Tanzen.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Zur jiddischen Volksmusik von „Klezmatics“ wurde im Gelsenkirchener Hans-Sachs-Haus gefeiert. Das groovige Crossover-Spektakel überzeugte.

Wer den Klezmer mag, der liebt die „Klezmatics“. Die sechsköpfige Truppe aus New York zelebrierte am Sonntagabend im ausverkauften Hans-Sachs-Haus traditionelle jiddische Volksmusik als mitreißendes, grooviges Crossover-Spektakel. Eine Session vor allem im Zeichen der guten Laune mit musikalischer Power und einem ansteckenden Rhythmus, bei dem ein jeder mit musste, bei dem kaum ein Fuß still, eine Hand ruhig blieb. Es wurde geklatscht, ein wenig mitgesungen und ganz hinten im Saal sogar mitgetanzt.

Bei dem Ruf der Band war es kein Wunder, dass sich die Reihen vor der Bühne schon früh füllten. Ein Gastspiel dieser Hochkaräter, die in der Szene als die „Rolling Stones“ des Klezmers gehandelt werden, findet in der Region eher selten statt. 2012 gelang es Gelsenkirchen schon einmal, diese großartige Band in die Stadt zu holen. Damals rockte die Truppe, die für den modernen Sound osteuropäischer jüdischer Volksmusik steht, die Kaue. Nun kamen die sympathischen Weltmusik-Superstars gerade erst aus Wien, spielen am 13. November noch in Berlin und reisen dann schon wieder über den großen Teich zur Tour durch die USA.

Finanzielle Unterstützung ermöglichte den Auftritt

Möglich wurde das Gastspiel im Rahmen des Gelsenkirchener Festivals „Klezmerwelten“ vor allem durch finanzielle Unterstützung, es halfen u.a. der Zentralrat der Juden, das NRW-Kulturministerium und die Sparkasse Gelsenkirchen. Bei denen bedankte sich Andreas Schmitges, der künstlerische Leiter des Festivals. Und zum Publikum: „Wahrscheinlich kennen Sie alle die Klezmatics, sonst wären Sie nicht hier!“ Wer nicht, lernte die 1986 in New York gegründete und bereits mit einem Grammy ausgezeichnete Gruppe am Sonntag vor allem von ihrer heiteren, seltener von ihrer getragen-melancholischen Seite kennen.

Den frischen, fröhlichen und stets energetisch aufgeladenen Sound dominierten Instrumente wie Akkordeon, Saxophon, Schlagzeug, Trompete, Klarinette und der unverwechselbar-markante, sinnliche Gesang von Lorin Sklamberg, dem Leader der Truppe. Die „Klezmatics“ elektrisierten auch diesmal ihr Publikum mit einer wilden Mischung aus Klezmer, Jazz, Latin, Folk und Rock. Als wahre Genre-Hopper, bei denen jeder fast jedes Instrument spielt, kennen sie keine Grenzen zwischen den Stilen.

Vor allem tanzbare Nummern kommen an

Neben mitreißenden Ensemble-Auftritten gönnten sie zwischendurch jedem auch ein furioses Solo. Zur Band gehören neben Sklamberg (Gesang, Akkordeon, Klavier, Gitarre) Richie Barshay (Schlagzeug), Matt Darrlau (Klarinette, Saxophon, Gesang), Lisa Gutkin (Violine, Gesang), Frank London (Trompete, Keyboard, Gesang) und Paul Morrissett (E-Bass, Trsimbl, Gesang). Lisa Gutkin lobte, nachdem die Akustik austariert war, die „große offene Halle“ im Hans-Sachs-Haus.

Sie sangen jiddisch, manchmal englisch, und moderierten die Songs leider nur selten. So vermittelte sich dem Publikum vor allem die Stimmung der temporeichen, tänzerischen Nummern. Dass es auch um den Glauben, um Hoffnung, um Frieden, um das Warten auf den Messias ging, davon erzählte Sklamberg. Und er versprach: „Wir alle können etwas für den Frieden tun, indem wir gut zueinander sind und gemeinsam Spaß haben!“ Beifall!

Die „Klezmatics“ musizierten mit Herz und Seele und großer Könnerschaft. Dem Wunsch einer Dame am Ende des Konzertes können viele Konzertbesucher sicher zustimmen: „Hoffentlich kommen die irgendwann noch einmal nach Gelsenkirchen!“

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