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Portugiesischer Verein löste sich auf und lebt auf Facebook

Antonio Horta war 1974 eines der ersten Mitglieder im Verein „Centro Portugues Unidos a Gelsenkirchen“.

Antonio Horta war 1974 eines der ersten Mitglieder im Verein „Centro Portugues Unidos a Gelsenkirchen“.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Weil der portugiesische Verein in Gelsenkirchen immer weniger Mitglieder hat, löst er sich auf und lebt auf Facebook jetzt mit 1000 Mitgliedern.

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Er war 1974 eines der ersten Mitglieder im Verein „Centro Portugues Unidos a Gelsenkirchen“: Antonio Horta, genannt Toni. Aber die Zeiten ändern sich und auch die Bedürfnisse der Menschen. „Die Jungen brauchen keinen Verein mehr“, bedauert der 62-Jährige zutiefst. Weil immer weniger den Verein mittrugen, löste ihn Toni, der langjährige Vorsitzende, 2018 endgültig auf. Aber die Seele des „Centro Portugues Unidos a Gelsenkirchen“ lebt weiter: Als virtuelle Gruppe bei Facebook mit 1000 Mitgliedern.

Es war der 3. Mai 1973, als der 15-jährige Toni mit seinen Eltern nach Deutschland kam. Genau drei Monate später – er war gerade 16 Jahre alt – hatte er bereits eine Arbeitsstelle. Der Verein war für ihn ein Stück Heimat, obwohl er sich sehr schnell in die deutsche Gesellschaft, die Gepflogenheiten und „Verrücktheiten“ wie Karneval integrierte.

Der Verein wurde abgewickelt

„Unser Verein war so viele Jahrzehnte für die Portugiesen sehr wichtig, es sprachen ja nicht alle Deutsch. Da haben wir uns gegenseitig geholfen“, sagt der temperamentvolle Toni. Von den 360 Portugiesen, die in Gelsenkirchen lebten, waren 150 im Verein.

Bereits im November 2016 schloss der Kulturverein an der Regensburger Straße seine Pforten, danach wurde der Verein abgewickelt. Bis dahin arbeiteten mehrere Generationen für den Betrieb. „Ein Projekt, das für den Erhalt und die Weitergabe der portugiesischen Kultur, der Integration sowie der Lebensqualität stand“, sagt der ehemalige Vorsitzende.

Meister des Zusammenführens und guten Miteinanders

Für Antonio Horta ist Integration nicht ein Wunsch an Ausländer, sondern eine geforderte Pflicht. Eine Selbstverständlichkeit. „Dass man diese Einstellung heute bei vielen, die nach Deutschland kommen, nicht mehr findet, ärgert mich“, sagt der Portugiese, der in vielen Lebensbereichen deutscher als mancher Deutsche ist. Das fängt von der Arbeitseinstellung an, geht über ehrenamtliche Arbeit, das Einmischen in die Politik bis zur aktiven Mitarbeit in Karnevals- und Fußballvereinen.

Horta ist ein Energiebündel, steht dem Leben positiv gegenüber, ist ein Optimist. „Centro Portugues Unidos a Gelsenkirchen“ war zwar ein Anlaufpunkt für portugiesische Bürger. Aber mehrere Nationalitäten unterstützten die Gemeinschaft durch regelmäßige Besuche. Das ist auch Toni zu verdanken, der ein wahrer Meister des Zusammenführens und guten Miteinanders ist.

Der Verein bot eine Vielfalt von Aktivitäten. In zwei Fußballmannschaften waren sechs Nationalitäten vertreten, es gab zwei Folkloregruppen, eine moderne Tanzgruppe und sogar Gymnastikkurse für Erwachsene und junge Menschen. Jugendliche hatten die Möglichkeit, ihre Wochenenden in den Freizeiträumen des Vereins zu verbringen. Dort gab es Computer und Spielkonsolen – über Jahre eine echte Attraktion für den Nachwuchs.

„Portugiesische Wochen“

Durch die enge Kooperation mit der Stadt entstanden mehrere Events - die kulturellen und gastronomischen „Portugiesischen Wochen“ waren ein Beweis. Diverse Male übertrugen nicht nur portugiesische, sondern auch deutsche, englische und mexikanische Fernseh- und Radiosender live aus Ückendorf in die ganze Welt. „Insbesondere, wenn portugiesische Fußballmannschaften oder gar die Nationalmannschaft im Parkstadion oder später in der Veltinsarena spielten“, erinnert sich Toni Horta gerne.

Zur Weltmeisterschaft 2006 spielte die portugiesische Nationalmannschaft sogar zweimal in Gelsenkirchen. „Zu dem Zeitpunkt besuchten rund 10.000 Portugiesen unseren Verein.“ Auch für Prominente wurde der Verein ein Anlaufpunkt: Bekannte Gesichter zeigten sich dort, unter anderem Charly Neumann, Rudi Assauer, Oberbürgermeister wie Oliver Wittke und Bürgermeister kamen öfter zu Besuch, der Kulturdezernent genau so wie der Polizeipräsident Rüdiger von Schönfeld.

Im Jahr 2009 wurde der Verein für die Erhaltung portugiesischer Kultur und für die gelungene Integrationsleistung von der portugiesischen Regierung mit einer Medaille und einer Ehrentafel ausgezeichnet. Nach 2010 wurden die Zeiten schwieriger, weil viele das Rentenalter erreichten und in ihre Heimat zurückkehrten. „Mit der Schließung geht eine traumhaft schöne Zeit zu Ende, aber das Leben geht weiter. Nur anders“, sagt Toni Horta.

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