Schule

Raphael-Schule in Buer gibt Schülern und Eltern ein Zuhause

Auf riesigen Buntstiften haben sich die Ehemaligen der Raphael-Schule vor dem Eingang verewigt.

Auf riesigen Buntstiften haben sich die Ehemaligen der Raphael-Schule vor dem Eingang verewigt.

Foto: Thomas Schmidtke / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Resser Mark.  100 Jahre Waldorf: In diesen Tagen feiern Schulen weltweit. Auch eine Gelsenkirchener Förderschule arbeitet nach Rudolf Steiners Konzept.

Die erste Waldorfschule entstand 1919 in Stuttgart auf Initiative des Zigarettenherstellers Emil Molt, seines Zeichens Eigentümer der Waldorf-Astoria-Fabrik. Die Idee: Eine Schule, die alle Klassenstufen umfasst und sich an den pädagogischen Ansätzen Rudolf Steiners orientiert. Heute, genau 100 Jahre später, gibt es 1149 Waldorfschulen weltweit. In Gelsenkirchen werden Schüler seit 2006 an einer ganz besonderen unterrichtet.

„Wir haben viele Kinder, die an anderen Schulen gescheitert sind und bei uns ein neues Zuhause finden“, sagt Manuela Rose, Leiterin der Raphael-Schule. In den Räumen an der Coesfelder Straße werden Schüler mit besonderem Bedarf in kleinen Klassen individuell gefördert. Aktuell besuchen 131 Kinder und Jugendliche die Waldorf-Förderschule mit den Schwerpunkten „Lernen“ und „emotionale und soziale Entwicklung“.

Auf den Stundenplan steht Ackerbau

Dort unterrichten speziell geschulte Lehrer sie nach den anthroposophischen Prinzipien Steiners. „Wir wollen die Schüler emotional ansprechen und die Lust, zu lernen, wecken“, erklärt Rose. Deshalb stehen, wie an allen Waldorfschulen, auch Fächer wie Ackerbau und Werken auf dem Stundenplan. Das Konzept hilft so schon früh bei der beruflichen Orientierung. Die Gelsenkirchener Schule arbeitet außerdem eng mit dem Arbeitsamt zusammen.

Obwohl die Raphael-Schule eine Privatschule ist, kommen viele der Schüler aus schwierigen Verhältnissen. Den Schulbesuch ermöglicht ihnen unter anderem der Förderverein. Die Lehrer versuchen daher, die Eltern ebenfalls in den Schulalltag der Kinder zu integrieren. „Wir haben viele gemeinsame Aktionen wie unsere Monatsfeiern, den Martinsbasar oder den Tag der offenen Tür“, sagt Rose. „Wir geben auch Eltern ein Zuhause.“

Mehr als Namen tanzen

Und doch kämpft das Kollegium mit Klischees. „Wir müssen immer wieder erklären, dass wir mehr machen, als Namen zu tanzen“, sagt Musiklehrerin Alina Rasch. „Zu uns kommen viele Eltern, weil sie nach einer Alternative suchen“, erklärt Rose. Mit dem Waldorf-Konzept hätten sie sich oft nicht befasst. „Dann ist es aber umso schöner, wenn sie nach wenigen Wochen begeistert sind, wie ihr Kind sich entwickelt.“

Das hat Britta Kausträter erlebt. Ihr Sohn Finn geht aktuell in die elfte Klasse. Wegen seiner Lernbehinderung wollten seine Eltern ihn nicht auf eine Regelschule schicken. Heute sind sie begeistert, wie selbstbewusst der inzwischen 16-Jährige geworden ist. „Die Schule schafft es, aus den Kindern starke Persönlichkeiten zu machen“, sagt seine Mutter.

Feier für die Schüler

Nicht ohne Stolz richtete das Kollegium für die Schüler deshalb am Donnerstag eine interne Feier anlässlich des 100. Geburtstags der Bewegung aus. Im Vorfeld hatten die Schüler angefangen, Waldorfschulen in der ganzen Welt Briefe zu schreiben. Die Antwortschreiben klebten sie nun feierlich auf eine Weltkarte, die ab sofort das Treppenhaus verschönert.

Wer die Schule kennenlernen möchte, kann zum Tag der offenen Tür am Samstag, 21. September, an die Coesfelder Straße 75 kommen. Von 9 bis 13 Uhr können Interessierte mehr über das Waldorf-Konzept und die Arbeit der Raphael-Schule erfahren.

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